10.09.2021 15:18 |

Dauerhafter Trend?

Inflation zieht an: Die billigen Jahre sind vorbei

Nach Jahrzehnten stetig sinkender Teuerung dürfte sich dies nun drehen. Aktuelle Gründe, aber auch dauerhafte Trends sprechen dafür. Im August sprang die Inflationsrate bei uns auf 3,1 Prozent, ein Wert, den wir seit zehn Jahren nicht mehr erlebt haben. In Deutschland gab es zuletzt mit 3,8 Prozent sogar ein 30-Jahres-Hoch, und die USA lagen überhaupt bei 5,4 Prozent.

Ein gewaltiges Plus, bedenkt man, dass noch im Vorjahr die Teuerung extrem niedrig war (bei uns 1,4 Prozent, in den USA 1,3 Prozent usw.). Manche warnen daher schon vor weiter rasant galoppierenden Preisen.

Vor allem Energiepreise stark angestiegen
Das dürfte zwar falsch sein, momentan aber schaukeln sich zwei Einflüsse zur Welle auf. „Wir haben derzeit einige kurzfristige Effekte, aber es gibt auch strukturelle“, meint Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas. Aktuell wirken vor allem die stark gestiegenen Energiepreise. „Im Februar 2020 stürzte der Rohölpreis auf 20 Dollar je Fass, jetzt hat er sich wieder normalisiert. Doch die niedrige Basis des Vorjahrs wirkt nun in der Statistik, dieser Effekt wird erst Februar oder März 2022 auslaufen.“

Konsum und Wirtschaft ziehen wieder an
Zusätzlich waren „Angebot und Nachfrage im Corona-Schock durch Lockdowns, unterbrochene Lieferketten usw. in vielen Branchen nicht im Gleichgewicht“. Nun ziehen Konsum und allgemeine Wirtschaft wieder kräftig an, das treibt etwa viele Rohstoffpreise (Holz, Metalle etc.) nach oben, jeder zweite heimische Industriebetrieb will deshalb seine Verkaufspreise anheben.

Hoher Tourismus-Anteil als Treiber
Zusätzlicher Treiber ist in Österreich der überproportional hohe Anteil von Tourismus und anderen Dienstleistungen im Warenkorb, mit dem die Inflationsrate gemessen wird. „Deren Anteil ist dreimal so hoch wie in Deutschland. Seit 2015 wurden Dienstleistungen im Schnitt 14,8 Prozent teurer, die allgemeine Inflation stieg aber nur um 11,3 Prozent.“

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Seit 2015 wurden Dienstleistungen im Schnitt 14,8 Prozent teurer, die allgemeine Inflation stieg aber nur um 11,3 Prozent.

Tobias Thomas, Statistik Austria

Langfristige Trendwende zeichnet sich ab
Trotz dieser Einflüsse dürfte die Teuerung bei uns laut Wifo heuer nur moderat auf 2,3 Prozent steigen (2022: 2 Prozent). Dennoch zeichnet sich langfristig eine Trendwende ab, nachdem wir in den letzten Jahrzehnten tendenziell immer mäßiger werdende Preissteigerungen gewohnt waren. Von 1955 bis 1990 waren (am Beispiel Deutschland) noch drei Prozent pro Jahr üblich, danach zwei Prozent, seit 2010 nur noch 1,3 Prozent (Grafik unten). Dafür waren viele glückliche Umstände verantwortlich, die sich ab nun zumindest abschwächen dürften, listet eine Studie von Raiffeisen Research auf.

  • Die Globalisierung (Produktion in Billigländern, mehr Konkurrenz), welche die Warenpreise gedrückt hat, ist recht ausgereizt. Teilweise wollen EU und USA aufgrund der Corona-Erfahrungen sogar wieder mehr daheim produzieren.
  • Die Alterung der Bevölkerung in vielen Industrieländern wird dazu führen, dass mehr Menschen Dienstleistungen (Gesundheit, Pflege) nachfragen werden, die tendenziell teurer und wenig rationalisierbar sind.
  • Der Klimaschutz wird auf breiter Front für Konsumenten spürbar. In Deutschland rechnet man damit, dass alleine der CO2-Preis die Inflationsrate um 0,2% bis 0,4% im Jahr heben wird.
  • Höhere Standards („ESG“) bei Sozial-, Umwelt- und Arbeitsbedingungen werden immer mehr zur Pflicht für Betriebe.
  • Die Digitalisierung, bisher eine starke Preisbremse, könnte wegen Monopolen einiger Konzerne schwächer werden.
Christian Ebeert
Christian Ebeert
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