29.08.2021 23:01 |

„Lebensgefährlich“

Hurrikan „Ida“ in USA: Hunderttausende ohne Strom

Lebensgefährlich, katastrophal, ein Sturm und Überschwemmungen von historischem Ausmaß: Mit diesen Warnungen haben die Verantwortlichen eindringlich an die Anrainer der US-Golfküste appelliert, sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Hurrikan „Ida“ traf Sonntagmittag Ortszeit als „extrem gefährlicher“ Wirbelsturm auf die Küste im Bundesstaat Louisiana, wie das Nationale Hurrikanzentrum (NHC) erklärte. Mittlerweile verhängten die Behörden in mehreren Bezirken Ausgangssperren, Hunderttausende sind bereits ohne Strom. Die ersten Bilder der Zerstörungen lassen das Schlimmste befürchten.

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Die Behörden haben alle, die nicht bereits in andere Landesteile geflohen sind, aufgefordert, angesichts der bevorstehenden extremen Windböen und möglicher Überschwemmungen in ihren Häusern zu bleiben. Die Einsatzzentrale in New Orleans meldete am Nachmittag bereits „weit verbreitete Stromausfälle“. Die interaktive Karte des örtlichen Energieversorgers Entergy zeigte mehr als 200.000 Haushalte ohne Elektrizität. Der Website Poweroutage.us zufolge waren im ganzen Bundesstaat wegen Sturmschäden mehr als 370.000 Kunden ohne Strom.

Wie ein Video des Senders WDSU zeigt, wurde das Dach eines Krankenhauses abgerissen:

Hurrikan zieht leicht abgeschwächt weiter
Das Zentrum des Sturms sei mit der Stärke vier von fünf aus dem Golf von Mexiko kommend südwestlich der Stadt New Orleans bei Port Fourchon auf die Küste getroffen, erklärte das NHC. Der Wirbelsturm habe beim Erreichen der Küste Windgeschwindigkeiten von rund 240 Kilometern pro Stunde mit sich gebracht. Über Land dürfte sich der Sturm langsam abschwächen.

Louisiana und die Stadt New Orleans wurde von heftigen Regenfällen und Windböen getroffen. Fotos und Videos örtlicher Medien zeigten bereits nach dem Ankommen erster Ausläufer des Sturms erste Überschwemmungen. Das NHC maß in einem küstennahen Feuchtgebiet südlich von New Orleans schon kurz nach dem Auftreffen des Wirbelsturms ein um zwei Meter erhöhtes Wasserniveau. Am Flughafen der Stadt gab es Windböen mit einer Geschwindigkeit von mehr als 100 Stundenkilometern.

Nationalgarde im Einsatz, Flüge gestrichen
Gouverneur John Bel Edwards hatte für den Hurrikan die Nationalgarde mit rund 5000 Soldaten aktiviert. Die Katastrophenschutzbehörde flog Helfer und Vorräte in die Region, die Küstenwache stationierte zahlreiche Hubschrauber und Boote für den bevorstehenden Rettungseinsatz. Alle Flüge nach New Orleans wurden am Sonntag gestrichen. Wegen Tausender fliehender Anrainer der Küstengebiete waren die Autobahnen ins Landesinnere und in die Nachbarstaaten seit Samstag völlig überfüllt. Edwards warnte, „Ida“ werde beim Auftreffen einer der stärksten Stürme seit 1850 sein.

Die prognostizierten starken Winde, der massive Regenfall und die Sturmflut in Louisiana seien alle schon für sich allein betrachtet „lebensgefährlich“, sagte der NHC-Direktor Ken Graham am Sonntag dem TV-Sender CNN. Der Blick auf die Radarbilder des Sturms zeige, wie „katastrophal das wird“, sagte Graham. „Das wird eine lebensgefährliche Situation.“ Graham appellierte an alle Menschen in der Region, sich in Sicherheit zu bringen.

US-Präsident Joe Biden ließ sich von der Katastrophenschutzbehörde Fema zu dem Sturm unterrichten. Fema habe bereits 500 Einsatzkräfte sowie 1,6 Millionen Liter Trinkwasser, eine Million Mahlzeiten und Generatoren in die Region gebracht, erklärte das Weiße Haus.

16 Jahre nach „Katrina“
„Ida“ traf in Louisiana auf den Tag genau 16 Jahre nach der Ankunft des verheerenden Hurrikans „Katrina“ auf Land. „Katrina“ hatte in und um New Orleans katastrophale Schäden und Überschwemmungen verursacht. Damals kamen rund 1800 Menschen ums Leben. Seither wurden in der Region allerdings Milliarden in den Hochwasserschutz investiert. New Orleans ist daher inzwischen besser vor Überschwemmungen geschützt, den jüngsten Prognosen zufolge muss die Stadt aber auch mit extrem zerstörerischen Windböen rechnen.

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