Wut in Griechenland

Euböa: „Man hat uns verbrennen lassen“

Ausland
08.08.2021 17:12

Während sich die Situation rund um die Hauptstadt Athen ein wenig entspannt hat, toben die Waldbrände in anderen Teilen Griechenlands in unverminderter Intensität weiter. Im Norden der zweitgrößten griechischen Insel Euböa ist die Lage nach den Worten des Bürgermeisters der kleinen Hafenstadt Istiaia, Giannis Kotzias, katastrophal: „Wir sind allein. Unser Ende ist nahe.“ Am Sonntag sind erstmals auch Löschflugzeuge im Einsatz gewesen. Viel zu spät, finden die Bewohner, die ihren Ärger gegenüber den Behörden kaum mehr im Zaum halten können: „Man hat uns verbrennen lassen.“

Die Menschen auf Euböa, der zweitgrößten Insel Griechenlands, sind zutiefst verbittert. Sie kämpfen seit Tagen rund um die Uhr mit Wasserkübeln und Gartenschläuchen gegen das Flammenmeer. „Mein Nacken ist steif, weil ich seit fünf Tagen den Himmel nach Löschflugzeugen absuche“, sagt ein Mann zynisch. Erst seit die Brände vor Athen halbwegs unter Kontrolle sind, fliegen Löschflugzeuge seit Sonntag endlich auch Euböa an - ein Stadt-Land-Konflikt rund ums Eindämmen der Feuer zeichnet sich ab.

Bewohner von Rovies begutachten die Schäden, die die Flammen hinterlassen haben. (Bild: APA/AFP/LOUISA GOULIAMAKI)
Bewohner von Rovies begutachten die Schäden, die die Flammen hinterlassen haben.

Noch nie in der bisher weitgehend erfolgreichen zweijährigen Amtszeit des konservativen Premiers Kyriakos Mitsotakis gab es von den großen Zeitungen des Landes ernsthafte Kritik. Aber jetzt. „Es ist das erste Mal, dass die Regierung stufenweise die Kontrolle verloren hat“, urteilte die an sich regierungsfreundliche Sonntagszeitung „To Vima“. Weil so viele Brände zeitgleich ausgebrochen seien, habe man die Löschversuche zunächst verteilt. Dann aber seien die Einsatzkräfte im Norden Athens zusammengezogen worden, weil dort die meisten Menschen bedroht waren. Unterdessen habe auf Euböa eine „Jahrhundertkatastrophe“ ihren Lauf genommen, schreibt das Blatt.

Bewohner von Limni mussten von den Flammen mittels einer Fähre in Sicherheit gebracht werden. (Bild: APA/AFP/Eurokinissi/Sotiris DIMITROPOULOS)
Bewohner von Limni mussten von den Flammen mittels einer Fähre in Sicherheit gebracht werden.

Premier: „Priorität haben Menschenleben“
Der Premier hatte seine Taktik am Donnerstag in einer Ansprache an die Bevölkerung so erklärt: „Priorität haben Menschenleben, erst dann folgen Besitztümer und Natur.“ Im Großraum Athen leben rund vier Millionen Menschen, Euböa hat etwa 220.000 Einwohner. Das auf Euböa betroffene Gebiet besteht hauptsächlich aus Wald.

Premier Kyriakos Mitsotakis (Mitte) machte sich in Olympia ein Bild von der Feuerfront. (Bild: AP)
Premier Kyriakos Mitsotakis (Mitte) machte sich in Olympia ein Bild von der Feuerfront.

Aus Athener Regierungskreisen heißt es, Mitsotakis werde sich derzeit öffentlich nicht in die Schulddiskussion einschalten. Diese solle vor dem Parlament abgehalten werden, wenn die Brände dann wirklich bewältigt seien. Das aber könnte noch Wochen dauern. Aber selbst Kritiker müssen der Regierung Mitsotakis Erfolge zugestehen. Die Evakuierungsmaßnahmen per Warn-SMS wurden frühzeitig angesetzt und funktionierten. Wer nicht bei Verwandten Zuflucht fand, konnte kostenlos in Hotels absteigen. Die Polizei verhinderte Plünderungen und holte Bürger aus den Häusern, wenn diese nicht gehen wollten.

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