Der Konvoi umfasste sieben Fahrzeugen mit 15 Österreichern und zwei oder drei weiteren Personen sowie fünf Begleitern des Außen-, Innen- und Verteidigungsministeriums. "Vor wenigen Minuten haben sie sicher Tunesien erreicht", so Launsky-Tieffenthal am Donnerstagnachmittag. Gegenwärtig befinden sie sich auf dem Weg zur Insel Djerba. Weitere neun österreichische Wüstentouristen, die im zentrallybischen Sebha festgesessen sind, wurden laut Launsky-Tieffenthal am Donnerstag mit einem italienischen Flugzeug nach Rom ausgeflogen.
Immer noch Österreicher in Libyen
Wie das Außenministerium bereits am Mittwoch bekannt gab, befindet sich noch eine zweistellige Zahl von "ausreisewilligen" österreichischen Staatsbürgern in Libyens Hauptstadt Tripolis und in anderen Regionen des nordafrikanischen Landes. Insbesondere die Sicherheitslage in Tripolis werde "immer schwieriger". Für jene Österreicher, die noch im Land festsitzen und ausreisen wollen, "stehen wir in Kontakt mit anderen Staaten, die Schiffe und Fähren organisieren, sowie mit Firmen, um deren Mitarbeiter - meistens von Ölfeldern - so sicher wie möglich zu den Häfen oder, wo möglich, auf dem Landweg nach Ägypten zu bringen". Die Botschaften in Kario und Tunis haben Mitarbeiter an die jeweiligen Grenzübergänge geschickt, um dort ankommenden Menschen weiterzuhelfen.
Am Mittwoch war vorerst zum letzten Mal eine Maschine der Austrian Airlines in Tripolis gelandet. Auch die "Hercules" des Bundesheeres, die derzeit auf Malta mögliche weitere Einsätze erwartet, wird gegenwärtig nicht nach Libyen geschickt, "weil die Erfahrungen anderer Staaten gezeigt haben, dass Anflüge ohne Landegenehmigungen ein zu großes Risiko darstellen".
Spindelegger trotz allem zuversichtlich
Außenminister Michael Spindelegger, der momentan mit Vizekanzler Josef Pröll auf Staatsbesuch in China weilt, zeigte sich am Donnerstag dennoch zuversichtlich: "Wir sind in der glücklichen Situation, dass wir rechtzeitig begonnen haben und jetzt den überwiegendsten Teil der Österreicher, die ausreisen wollen, herausgebracht haben. Bei anderen schaut die Situation dramatischer aus", sagte er in Bezug auf andere Länder. Derzeit befinden sich noch 6.000 EU-Bürger in Libyen. Vor allem NATO-Länder wie Frankreich und Deutschland haben mit Genehmigungs-Problemen zu kämpfen.
Der österreichischen Botschafterin in Libyen, Dorothea Auer, hat Spindelegger es freigestellt, ebenfalls auszureisen. Sie wolle aber weiterhin dortbleiben und sei somit ein "Brückenkopf" zu jenen Österreichern, die bis jetzt immer noch nicht ausreisen wollten. Doch von 30 bis 35 Österreichern wisse sie, dass sie das Land verlassen wollen, sagte Auer Freitag früh im ORF-Radio. Zu einem Teil gebe es derzeit allerdings keinen Kontakt, weil ihre Mobiltelefone nicht erreichbar seinen, "teilweise haben wir organisiert, dass sie mit befreundeten Staaten verschiedene Ausreisemöglichkeit" - also per Seeweg oder per Flugzeug - haben, so Auer. Die AUA fliegt Libyen bis auf Weiteres ja nicht mehr an.
Neben der Botschafterin sind noch zwei weitere Diplomaten, der Handelsdelegierte sowie zehn Mitglieder des aus Experten von Außen-, Innen- und Verteidigungsministerium bestehenden Unterstützungsteams im Land.
Spekulationen um Militäraktion
Zum Gadafi-Regime meinte Spindelegger am Donnerstag, er "glaube immer noch, dass es eigentlich nur noch eine Frage von Stunden ist, dass dort tatsächlich ein Übergang stattfindet". Zugleich drängte er auf "Konsequenzen" angesichts des Blutbads im Land, ließ aber offen, wie diese aussehen sollen. "Klar ist, dass der Druck auf Libyen steigt", betonte der Außenminister. In den EU-Diskussionen zeige sich, "dass wir mit diesen Zuständen nicht einfach so umgehen können, dass wir dazu schweigen. Das muss auch Konsequenzen haben". Wie diese aussehen könnten, ließ Spindelegger bewusst offen. Manche riefen nach dem Internationalen Strafgerichtshof, andere nach Sanktionen gegen das Gadafi-Regime.
Bedeckt hielt sich der Außenminister zu einer möglichen EU-Militäraktion, um die festsitzenden Unionsbürger aus dem Bürgerkriegsland zu bringen. "Das Bundesheer steht noch nicht bereit, in den Kampfeinsatz gegen Libyen zu gehen." Auf den Hinweis, dass 200 Bundesheer-Soldaten seit Jahresanfang für sechs Monate lang im Rahmen einer EU-Battlegroup für Militäreinsätze abrufbar sind, wies Spindelegger darauf hin, dass ein Einsatz "der europäischen Beschlüsse" bedarf. "So weit ist es noch nicht."
Will Saif al-Islam nach Österreich?
Anzeichen, dass Gadafis Sohn Saif al-Islam das Land möglicherweise in Richtung seiner Wahlheimat Österreich verlassen könnte, hat Spindelegger nicht. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass sein Sohn, der ihn unterstützt hat, jetzt Hals über Kopf das Land verlässt." Beobachter halten es nicht für ausgeschlossen, dass Saif al-Gadafi, der einige Jahre in Wien und London studiert hatte, noch einen gültigen Aufenthaltstitel für Österreich hat.









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