19.07.2021 06:30 |

Hochwasser in Tirol

Gäste in Pizzeria in Kufstein von Flut überrascht

Kienbach, Kreuzbach und Mitterdorfer Bach - auf diese Namen wurden einst die Gewässer, die sich durch Kufstein den Weg bahnen, getauft. In der Nacht auf Sonntag wurden sie wegen des Starkregens zur reißenden Gefahr und erschütterten die Tiroler Festungsstadt. Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler (ÖVP) sprach von einem „Jahrhundertereignis“. Vor den Trümmern ihrer Existenz steht die Pizzeria „Dolce Vita“. Giusi Santoro schildert im Gespräch mit der „Tiroler Krone“ dramatische Szenen.

Kurz nach 23 Uhr wurde der Zivilschutzalarm für Kufstein ausgelöst und die Bevölkerung aufgefordert, in den Häusern zu bleiben, Tiefgaragen und Keller nicht zu betreten und sich auch von den Dämmen der Fließgewässer fernzuhalten. 125 Liter pro Quadratmeter prasselten bis Sonntagmittag auf die Festungsstadt nieder.

„Ein Problem waren neben den großen Regenmengen auch die teilweise schon stark gesättigten Böden, die kaum mehr Wasser aufnehmen konnten, sowie die hohe Schneefallgrenze von mehr als 3500 Meter“, erklärt Meteorologe Alexander Ohms von der ZAMG.

Florianis aus anderen Bezirken eilten zur Hilfe
450 Feuerwehrleute waren am Sonntag damit beschäftigt, die Fluten zu bekämpfen und die Schäden aufzuräumen. Unterstützung kam auch aus den Bezirken Schwaz und Innsbruck-Land. Die Aufräumarbeiten werden sich noch mehrere Tage hinziehen. Die Leitstelle Tirol berichtet, dass von Samstagabend, 18 Uhr, bis Sonntagnachmittag insgesamt 536 Feuerwehreinsätze stattfanden - davon knapp die Hälfte allein in Kufstein.

Wie Stadtfeuerwehrkommandant Hans-Peter Wohlschlager schildert, „waren wir seit Samstagvormittag durchgehend im Einsatz. Einige Objekte mussten wir sogar wegen des Wassers vom Stromnetz nehmen. Aber das Wichtigste ist, dass keine Personen zu Schaden gekommen sind.“

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Innerhalb weniger Minuten haben wir unsere Lebensgrundlage verloren.

Giusi Santoro von der Pizzeria Dolce Vita

Pizzeria eineinhalb Meter unter Wasser
Vor den Trümmern ihrer Existenz steht wegen der Fluten die Pizzeria „Dolce Vita“ am Unteren Stadtplatz. Giusi Santoro, die immer noch unter Schock steht, schildert im Gespräch mit der „Tiroler Krone“ die dramatischen Szenen: „Innerhalb weniger Minuten haben wir unsere Lebensgrundlage verloren. Innenraum, Keller, Terrasse, Lager und WC standen unter Wasser.“ Eineinhalb Meter hoch sei es gewesen, schätzt die Italienerin.

„Kundin schrie laut um Hilfe“
Als die Wassermassen zu steigen begannen, befand sich eine Kundin gerade auf der Toilette. „In wenigen Sekunden stand ihr das Wasser bis zu den Knien. Sie schrie laut um Hilfe.“ Zum Glück konnten sich aber sowohl sie als auch alle anderen in der Pizzeria noch rechtzeitig in Sicherheit bringen. Nach den Corona-Lockdowns traf die Flutkatastrophe die Betreiber und Mitarbeiter wie ein Faustschlag ins Gesicht.

„Dolce Vita“ heißt übersetzt „süßes Leben“. Dieses süße Leben wurde schlagartig bitter. Ob die Pizzeria wieder öffnet, steht in den Sternen. Denn „wir wissen noch nicht, wie es weitergeht“, sagt Santoro abschließend.

Manuel Schwaiger
Manuel Schwaiger
Hubert Berger
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Tirol
Montag, 02. August 2021
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