Richterin bedroht?

Prozess gegen überengagierten Väter-Rechtler

Wien
14.02.2011 13:23
Im Wiener Straflandesgericht ist am Montag der Prozess gegen einen Vaterrechts-Aktivisten eröffnet worden, dem die Staatsanwaltschaft vorwirft, einige Richter und Sozialarbeiterinnen bedroht und verleumdet zu haben. Und das alles, um diese dazu zu bringen, in seinem Sinn bzw. zugunsten seiner Gesinnungsgenossen zu entscheiden, die sich im Internet-Forum "genderwahn.com" versammelt hatten.

Der 48-jährige Mann gab sich zu Beginn seines auf vier Tage anberaumten Verfahrens äußerst zahm, bekannte sich zu sämtlichen 18 Anklagepunkten "nicht schuldig" und betonte: "Ich bin hier für die Zukunft unserer Kinder."

Ausgangspunkt für seine Aktionen war seine eigene Lebensgeschichte. Nachdem sich seine Frau von ihm getrennt hatte, tobte um seine beiden Töchter ein Sorgerechtsstreit. 14 Monate lang teilten sich die Eltern die Obsorge, ehe sich die Frau im Pflegschaftsverfahren um eine Einstweilige Verfügung bemühte, die den Vater daran hindern sollte, seine Kinder weiter regelmäßig zu sehen.

Richterin "wollte mich ruhig stellen"
Als Folge davon erkenne ihn seine kleine, fünfjährige Tochter heute nicht mehr, während die Ältere mit zwölfeinhalb einen Selbstmordversuch hinter sich habe, weil sie bei ihm und nicht der Mutter leben wolle, gab der Angeklagte zu Protokoll. Ihn selbst habe die Pflegschaftsrichterin zu entmündigen versucht, behauptete er: "Sie wollte mich ruhig stellen, indem eine psychiatrische Sachverständige bestellt wurde, die mich begutachten sollte. Ich habe die nicht gekannt und nie zuvor gesehen."

"Seit Hollabrunn laufen die Uhren anders"
Daher habe er der Richterin Mails geschickt, in denen sie laut Anklage unverblümt mit dem Tod bedroht wurde ("Seit Hollabrunn laufen die Uhren anders", "Ich gehe meinen Weg bis zum Ende, aber nicht am Papier"), wegen behaupteter Gesetzesverletzungen regelmäßig angezeigt und öffentlich beleidigt. Ähnliches widerfuhr auch den Sozialarbeiterinnen, die mit ihm zu tun bekamen, und sich "Kinderschänder", "kriminell sadistisch" oder "bestialische Betrügerinnen" nennen lassen musste.

Videos für "Dokumentation" und zum "Wahrheitsbeweis"
Gleichgesinnte begleitete der 48-Jährige mitunter zu Gericht, wo dann Richterzimmer "besetzt" wurden und die Organe der Rechtsprechung zumindest zweimal aufgefordert worden sein sollen, umgehend einen Rekurs zu protokollieren. Den Großteil dieser Aktionen filmte der 48-Jährige mit und stellte die Clips ins Internet. "Mein Ziel ist die Dokumentation und der Wahrheitsbeweis", führte er dazu ins Treffen.

Er habe weder seine Richterin noch sonst wen bedroht, versicherte der Aktivist: "Das war nur ein Appell des dringenden Handelns, Recht walten zu lassen. Es geht um den Appell des Handelns, meinem Kind zu helfen." Die Verhandlung wird am Dienstag fortgesetzt.

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