08.07.2021 13:12 |

Fall Leonie

18-Jähriger gesteht unterlassene Hilfeleistung

Im Fall der getöteten 13 Jahre alten Leonie aus Tulln, die im Wiener Bezirk Donaustadt gewaltsam ums Leben kam, hat nun der 18 Jahre alte Verdächtige sein Schweigen gebrochen und eine Aussage getätigt. Mit dem Tod des jungen Mädchens, das unter Drogen gesetzt und von zumindest zwei Tätern missbraucht worden war, will der Afghane nichts zu tun haben, ebenso wenig mit der Vergewaltigung. Er räumte aber unterlassene Hilfeleistung ein.

Nach einem Gespräch mit seinem Verteidiger bekannte der Hauptverdächtige sich der unterlassenen Hilfeleistung schuldig, bestätigte Anwalt Thomas Nirk am Donnerstag: „Mein Mandant hat das so gesagt.“ Er habe das Gefühl, der 18-Jährige habe auch verstanden, dass er aktiv hätte eingreifen müssen. Nun hat der Anwalt Sorge, dass nach dem Teilgeständnis in der Haft Druck auf den Afghanen ausgeübt werden könnte. Deshalb werde er Freitagfrüh neuerlich das Gespräch mit ihm suchen.

Über den 18-Jährigen wie auch zwei weitere Afghanen im Alter von 16 und 23 Jahren war in der Vorwoche - wie berichtet - die U-Haft verhängt worden. Ermittelt wird jedoch nicht wegen Mordes, sondern aufgrund des Verdachts der Vergewaltigung mit Todesfolge bzw. Missbrauchs. Nach einem 22 Jahre alten Afghanen wird noch gesucht - vermutet wird er derzeit in Italien.

Hohe Dosis an Drogen im Körper
Wie zuletzt bekannt wurde, war bei der jungen Tullnerin eine hohe Dosis an Drogen im Körper festgestellt worden, laut Ermittlungen dürften ihr der 16-Jährige sowie der 22-Jährige bereits bei ihrem Treffen am Donaukanal am letzten Juni-Wochenende Ecstasy verabreicht haben. Dann seien die beiden afghanischen Staatsbürger gemeinsam mit dem Mädchen und dem Hauptverdächtigen in dessen Wohnung in die Donaustadt gefahren, wohin auch der vierte Verdächtige - der 23-Jährige - gekommen sein soll.

Leonies Herz hörte auf zu schlagen
Dort wurden dem Mädchen weitere Drogen verabreicht. Mindestens zwei der drei Männer haben sie dem Ermittlungsstand zufolge vergewaltigt. Das Mädchen verlor in der Folge das Bewusstsein und erwachte nicht mehr. Leonies Herz hörte auf zu schlagen. Laut Ermittlungen hätten ihr die Verdächtigen daraufhin Milch und Joghurt eingeflößt und sie unter eine Dusche gehalten. Als sie keine Lebenszeichen mehr zeigte, hätten sie Leonie in einen Teppich gewickelt und sie auf dem Grünstreifen, auf dem sie schließlich leblos gefunden wurde, an einen Baum gelehnt.

16-Jähriger „ohnmächtig“, 23-Jähriger „gar nicht in Wohnung“
Während der 16-Jährige, der mit Leonie eine Beziehung geführt haben will, inzwischen aussagte, er sei selbst ein Opfer und zur Tatzeit ohnmächtig gewesen, behauptet der 23-Jährige, er habe sich in der Nacht auf den 26. Juni gar nicht in der Wohnung des 18-Jährigen befunden und mit der Sache nichts zu tun. Vier von ihm als Alibi-Zeugen genannte Bekannte haben der Polizei mittlerweile bestätigt, sie hätten die ganze Nacht mit dem 23-Jährigen verbracht. Am Handy des 23-Jährigen wurde ein offenbar von ihm selbst aufgenommenes Video gefunden, das zeigt, wie er in besagter Nacht um 1.36 Uhr über eine Brücke über die Donau fährt.

Allerdings wird der 23-Jährige von einem weiteren Zeugen - einem Bekannten des flüchtigen 22-Jährigen - belastet. Der Bekannte behauptet, er habe vom 22-Jährigen vor dessen Flucht erzählt bekommen, der 16-Jährige habe den 23-Jährigen mit einer Ecstasy-Lieferung in die Tatwohnung bestellt, wo dieser das Mädchen ebenfalls missbraucht habe. Die Beweislage müssen nun die Justizbehörden beurteilen. Gesichert dürfte jedenfalls sein, dass der 23-Jährige nicht mehr in der Wohnung war, als das Mädchen auf dem Grünstreifen abgelegt wurde.

Christine Steinmetz
Christine Steinmetz
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