Verfahren eingestellt

Ein Todesopfer: Keine Anklage nach Balkonsturz

Oberösterreich
02.07.2021 09:55

Das Balkonunglück am Ostermontag in Lenzing (Oberösterreich), bei dem die 55-jährige Michaela B. starb, ihre Tochter Claudia (31), Enkel Sebastian (4) und Freundin Brigitte L. (54) teils schwer verletzt wurden, bleibt ohne strafrechtliche Folgen. Laut Staatsanwaltschaft Wels sind die Ermittlungen gegen den Wohnungsbesitzer eingestellt.

Die drei Frauen und der Vierjährige hatten sich am 5. April am Balkon in Lenzing aufgehalten, als plötzlich der Boden unter ihren Füßen nachgab. Das Tragwerk kippte abrupt nach unten, alle vier stürzten aus 3,5 Metern Höhe zu Boden. Die Folgen waren verheerend: Michaela B. (55) schlug rücklings auf und zog sich lebensbedrohliche Verletzungen zu, sie starb nur wenige Stunden danach im Spital. Freundin Brigitte L. (55) und Tochter Claudia H. (31) überlebten schwer verletzt. Nur der kleine Sebastian überstand den Sturz mit leichten Blessuren.

Der Balkon kippte plötzlich nach unten. Warum, ist weiter unklar. (Bild: FOTOKERSCHI.AT / APA / picturedesk.com)
Der Balkon kippte plötzlich nach unten. Warum, ist weiter unklar.

Verdacht der fahrlässigen Tötung
Die Suche nach der Unglücksursache gestaltete sich schwierig. Der Balkon war in den 1960er-Jahren errichtet worden. Einvernahmen ergaben aber, dass Schwiegersohn Gerald - der Wohnungsbesitzer - erst kürzlich zwei Holzstützen am Balkon entfernt hatte. Ihm war erklärt worden, dass diese bloß Zierde seien. Wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ermittelte die Staatsanwaltschaft Wels gegen den 29-Jährigen.

Falsch konstruiert
Ein Bausachverständiger entlastet den Familienvater jedoch. Laut Expertise waren bei der Errichtung des Balkons die Betoneisen in falscher Lage und in zu geringem Umfang eingebaut worden. „Er wäre auch ohne Entfernung der Stützen gebrochen“, bestätigt Staatsanwalt Christoph Weber. Allerdings: Die Zierstützen hätten das Ausmaß der Katastrophe vermutlich deutlich abmildern können. Den 29-Jährigen treffe jedenfalls keine Schuld.

Baufirma gibt es nicht mehr
Da es auch die Baufirma nicht mehr gibt, sind nun sämtliche Ermittlungen eingestellt worden. Eine Chance auf Schmerzensgeld gibt es für Opfer und Hinterbliebene dadurch nun nicht, bestätigt Versicherungsesxperte Günter Hadaier aus Leonding: „Nur falls die Betroffenen private Versicherungen abgeschlossen haben.“

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