Am Montag hatte die mit Spannung erwartete Einvernahme von Kneissl-Geschäftsführer Gebauer durch den Konkursrichter am Innsbrucker Landesgericht noch mit der Gewährung einer letzten "Gnadenfrist" geendet. Gebauers Optimismus war weiterhin unerschütterlich. "Ich bin davon überzeugt, dass der Scheich seine Zusagen halten wird", sagte er nach der Einvernahme.
Kapital-Zusagen seit November
Die von Mehrheitseigentümer Al Jaber angekündigten 1,2 Millionen Euro hätten bereits seit Längerem fließen sollen. Gebauer hatte schon Mitte Jänner verkündet, dass Al Jaber das notwendige Dokument zur Kapitalerhöhung unterzeichnet habe.
Beschlossen wurde die Kapitalaufstockung der Kneissl Holding auf einer Gesellschafterversammlung am 23. November vergangenen Jahres. Der ehemalige Miteigentümer Fritz Unterberger brachte Konkursantrag gegen die Holding ein. Der Unternehmer wartet auf über 900.000 Euro, den bisher noch unbeglichenen Teil des Kaufpreises. Durch die Kapitalaufstockung hätte Al Jaber künftig 99 Prozent der Geschäftsanteile an der Kneissl Holding gehalten.
Über die traditionsreiche Tiroler Skifirma ist nicht das erste Mal Konkurs eröffnet worden: Schon 1980 und 2003 hat die Firma spektakuläre Pleiten gebaut. Ob das Unternehmen jetzt fortgeführt werden kann, hängt davon ab, "ob von Gesellschafterseite frisches Geld" zur Verfügung gestellt wird und ob eine Entschuldung mittels Sanierungsplans machbar - oder gewollt - ist, sagen die Gläubigerschützer vom KSV von 1870.
Verbindlichkeiten im zweistelligen Millionenbereich
Laut KSV belaufen sich die Verbindlichkeiten der Holding vorerst auf 6,8 Millionen Euro. Hinzu kämen außerdem noch "Eventualverbindlichkeiten" in Höhe von 13 Millionen Euro im Zusammenhang mit anderen Gesellschaften. Als Aktiva führte der KSV die "Urmarke Kneissl" an, die allerdings an eine Bank verpfändet ist. Bei der Kneissl Tirol GmbH belaufen sich die Verbindlichkeiten auf 15 Millionen Euro. Bei der Kneissl Star Lounge GmbH häuften sich 1,5 Millionen Euro an. Alle Zahlen stammen aus der Bilanz 2009. 2010 sind die Schulden eher noch höher geworden. Bei der Holding sieht der KSV zu wenig Eigenkapital als Ursache. Die finanziellen Mittel für die Ablöse Unterbergs seien einfach nicht vorhanden gewesen. Dem Vernehmen nach will die auch Al Jaber nicht zahlen.
Gebauer hatte die Pleite der Skifirma für vermeidbar gehalten, wie er am Dienstag meinte. Er hofft nun auf andere Investoren, um den Fortbestand der Marke zu sichern. Es hätte bereits Investoren sowie Kapitalerhöhungsbeschlüsse von dritter Seite gegeben. Er sprach von einer "internationalen, auch im Sportbereich tätigen" Investorengruppe, die interessiert wäre.
Skier zuletzt nur noch ein Drittel des Geschäfts
Kneissl Tirol macht nur noch rund ein Drittel seines Geschäftes mit Skiern. Das Unternehmen produziert jährlich nur noch 15.000 Paar, davon 10.000 als Auftragsarbeit für die Konkurrenten Elan und Fischer Ski. Kneissl sieht sich mittlerweile als Lifestyle-Unternehmen. Die Produktpalette reicht von Lederjacken über Fahrräder bis zu Tennisschlägern. Am Standort in Kufstein, wo jedes Jahr 5.000 Skier vom Band laufen, beschäftigt das Unternehmen 28 Mitarbeiter. Die Bilanz 2009 wies einen Gesamtumsatz von rund 9 Millionen Euro aus.









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