"Stolz und Frieden"
100. Geburtstag: USA im Ronald-Reagan-Fieber
Büchereien stellen seine Biografien ins Schaufenster, Unis starten Vorlesungsreihen über seine Politik, Fans im ganzen Land planen Partys. Jeder dritte US-Bürger nennt ihn einen "historisch herausragenden" Präsidenten. Von den Amtsträgern der jüngeren Geschichte hat nur John F. Kennedy ein besseres Ansehen.
Vom Tellerwäscher zum Präsidenten
Dass Reagan selbst nach seinem Tod noch an Beliebtheit zulegen kann, passt zu seinem Leben. Der 1911 in Tampico im US-Bundesstaat Illinois geborene Sohn eines erfolglosen Schuhverkäufers suchte und fand stets den Weg nach oben: Er war Schülerpräsident, Präsident im Studentensenat, Präsident der Schauspielergilde in Hollywood, Gouverneur von Kalifornien - und schließlich Präsident der Vereinigten Staaten.
Für den Aufstieg musste er schuften. Die Universitätsausbildung finanzierte er sich als Tellerwäscher. Mit seinen Sportreportagen fürs Radio erkämpfte er sich lokalen Ruhm, als Schauspieler dann nationalen. In seinen Fünfzigern entschied er sich schließlich für die Politik, brauchte aber drei Anläufe für den Einzug ins Weiße Haus. Erst mit 69 wurde er 1981 US-Präsident, viele fanden ihn für den Job zu alt.
Amerikanern Optimismus vermittelt
Davon ist heute keine Rede mehr. Im Gedächtnis bleibt, wie der volksnahe Präsident den Amerikanern nach einem Jahrzehnt der Krisen - vom Vietnam-Krieg bis zum Watergate-Skandal - neuen Optimismus vermittelte. Und wie er am Zusammenbruch des totalitären sowjetischen Imperiums mitwirkte. Seine Rede im Juni 1987 vor dem Brandenburger Tor, in der Reagan das Einreißen der Berliner Mauer forderte, war ein entscheidender Zug im Endspiel des Kalten Krieges.
"Du hattest die Wiederherstellung des Stolzes in dem Land. Du hattest Frieden. Wonach mehr hättest du noch fragen können?", urteilt James Baker, Reagans ehemaliger Stabschef und Finanzminister, über die Amtszeit seines Chefs. "Welche politische Meinungsverschiedenheit man mit ihm haben möge, seine Führerschaft in der Welt ist nicht zu verleugnen", meint sogar der amtierende Präsident Barack Obama, der lange kein gutes Haar an seinem Vorgänger finden konnte. Jüngst nahm er eine Biografie über Reagan zur Inspiration mit in den Urlaub.
Attentat und Iran-Contra-Affäre
Doch auch Tiefpunkte seiner Amtszeit sind nicht vergessen. Zwei Monate nach seiner Vereidigung verlor Reagan bei einem Attentat beinahe sein Leben. Düstere Tage bescherte ihm auch die Iran-Contra-Affäre. Die USA lieferten heimlich Waffen an den Iran, die Erlöse reichten sie illegal an die rechten Contra-Rebellen in Nicaragua weiter. Reagan bestritt stets, davon gewusst zu haben, was Kritiker nicht zum letzten Mal besorgt fragen ließ, wer eigentlich im Weißen Haus wirklich das Sagen habe - Reagan oder seine Berater.
Ein Feindbild ist Reagan noch für linke Demokraten, weil sie ihn als Totengräber des Sozialstaates sehen. Die Republikaner dagegen halten sein Andenken höher denn je. Mögliche Kandidaten aus ihren Reihen für die nächste Präsidentenwahl, Newt Gingrich und Sarah Palin etwa, haben sich längst als politische Erben positioniert. Sie wollen seine Wirtschaftspolitik kopieren, die USA, wie er es getan habe, in den Wohlstand führen, Steuern senken, den Staatsapparat verkleinern.
"Mr. Norm" setzte auf Kompromisse
Dabei meinen Experten, Reagan hätte bei den Republikanern heute gar keine Chance mehr. Der Pragmatiker suchte lieber Kompromisse mit den Demokraten, als sich auf lange Grabenkämpfe einzulassen - unerhört für heutige Konservative. Auch war er alles andere als sparsam. Unter ihm vervierfachte sich das Staatsdefizit. Einmal erhöhte er gar die Steuern, um Amerikas Sozialsystem auf feste Beine zu stellen. Ein Graus für die heutige Tea-Party-Bewegung. "Ich bezweifle, dass Reagan heute gewählt werden könnte", meint der Politstratege Mark McKinnon.
Doch das tut der Verehrung für den "großen Kommunikator", wie er wegen seiner rhetorischen Begabung gerühmt wurde, keinen Abbruch. Der Ex-Präsident, der sich gern als "Mr. Norm" ("Otto Normalverbraucher") vorstellte und im Weißen Haus am liebsten mit seiner Frau Nancy im Schlafanzug vor dem Fernseher zu Abend aß, hat seinen Platz in der Geschichte als Mann der Wirtschaft und Familienwerte gefunden.
Reagan starb am 5. Juni 2004 im Alter von 93 Jahren. Seinen Ruhestand verbrachte er in seiner Wahlheimat Kalifornien. 1994 stellten Ärzte bei ihm die Alzheimer-Krankheit fest, wegen der er die letzten Jahre seines Lebens praktisch aus der Öffentlichkeit verschwunden war.











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