09.06.2021 10:06 |

Zum 60. Geburtstag

Sprint-Legende Berger mit neuen Plänen

Andreas Berger hält seit fast 33 Jahren den österreichischen Leichtathletik-Rekord über 100 m. Am 15. August 1988 sprintete er die Distanz in Linz in 10,15 Sekunden und egalisierte diese Marke fünf Jahre später. Dazwischen liegen ein Hallen-EM-Titel (60 m) und ein Sieg in Neu-Delhi u.a. gegen Carl Lewis (1989). 1992 führte Berger die ÖLV-Staffel zum siebenten Olympia-Rang, ehe das Quartett ein Jahr später des Dopings überführt wurde. Am Mittwoch wird Berger 60 Jahre alt.

In einem sogenannten Trainingstest, durchgeführt von einem Anti-Doping-Kontrollor des Weltverbandes, wurde Berger und seinen drei Staffel-Kollegen Mitte 1993 im Vorfeld der WM in Stuttgart die Verwendung des anabolen Wirkstoffs Metandienon nachgewiesen. Ersten Gerüchten wurde noch empört widersprochen, doch eine Woche später machte Berger als Wortführer im ORF-Fernsehen reinen Tisch. Dieser Skandal gilt immer noch als einer der größten der unrühmlichen heimischen Dopinggeschichte.

Ähnliche Erklärungen hat man seither öfter gehört: Nach zwei Fehlstarts bei den Sommerspielen in Barcelona, einer verpatzten Hallen-Saison, zwei Achillessehnen-Operationen und einem Leistenbruch habe er aus den Optionen Karriere-Ende oder Griff zum unerlaubten Mittel Zweiteres gewählt. Angesichts seiner folgenden Steigerung hätten auch seine Kollegen zugegriffen, erklärte Berger damals.

„Kann damit umgehen“
Diesen Makel habe er auch viele Jahre nach dem Karriere-Ende nicht abzuschütteln vermocht, sagte Berger kurz vor seinem 60. Geburtstag der APA. „Das hat mich lange verfolgt. Aber es gehört zu meinem Leben, ich kann damit umgehen.“

Stolz auf Karriere
Seine Karriere möchte er jedoch keinesfalls missen, betonte der Oberösterreicher. Berger hatte als Spätstarter erst mit 20 Jahren mit dem Leistungssport begonnen. „Es hat sich so toll entwickelt, es waren 13 wahnsinnig spannende Jahre“, blickte er zurück. Der Sieg über Lewis sei „emotional eine große Sache“ gewesen. „Ende der 1980er-Jahre war ich mit meinen 60-m- und 100-m-Zeiten in den Weltranglisten weit vorne“, sagte Berger. Darauf sei er stolz.

Neustart nach Lokerungen
Beruflich hat sich Berger 2005 selbstständig gemacht und führt gemeinsam mit Frau und Sohn eine Event-Agentur am Traunsee. Die Pandemie hat auch ihn gebremst. Sein Red Bull 400, ein Laufbewerb hinauf auf Sprungschanzen, habe sich in zehn Jahren bis 2019 zu einer Serie in Europa, Nordamerika und Asien mit 19 Stationen und 25.000 Teilnehmern entwickelt, berichtete Berger. Die 3. Auflage des Traunsee-Halbmarathons soll nach erhofften Lockerungen noch im Sommer über die Bühne gehen. Und für 7. August ist in Wels eine Premiere geplant: Berger hat ein Sprint-Format entwickelt, bei dem auf einem 192,27 m-Dreieckskurs (Bahnlänge der antiken Olympischen Spiele 700 v.Chr.) in Vierer-Ausscheidungsrennen für jedermann der Sieger ermittelt wird. „Das ist nahe an meiner früheren Profession“, meinte der damals „schnellste Österreicher“.

 Senioren-WM im Visier
Seit eineinhalb Jahren ist Berger Großvater und hat auch das planmäßige Training wieder aufgenommen, nachdem er zuvor „27 Jahre sportlich fast nichts“ gemacht hatte. So übt er jeweils ein- bis zweimal pro Woche auf der Laufbahn und in der Kraftkammer. „Ich wollte heuer bei der Senioren-WM die 100 m laufen“, verriet Berger, „leider ist sie verschoben worden.“ Neuer Termin ist Anfang Juli 2022 in Tampere (FIN). Wo er den „Sechziger“ feiern wird, wusste Berger im Vorfeld nicht. Das Urlaubsziel in dieser Woche verriet ihm die Familie nicht.

krone Sport
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