15.05.2021 14:31 |

Rektale Beatmung

Forscher erproben Sauerstoffaufnahme über den Darm

Säugetiere können im Notfall Sauerstoff über den Darm aufnehmen. Dies geht aus einer in der Fachzeitschrift „Med“ veröffentlichten Studie eines Wissenschafterteams der Tokyo Medical and Dental University hervor. Diese Erkenntnis könnte den Forschern zufolge dem Menschen zugutekommen. So könnten möglicherweise im Fall eines Mangels an Beatmungsgeräten, wie er derzeit in einigen Ländern wegen der Corona-Pandemie herrscht, Patienten rektal beatmet werden.

Dass bestimmte Fische wie Schmerlen und Welse, aber auch Seegurken und Radnetzspinnen mit dem Darm atmen können, war bereits bekannt. Die japanischen Forscher rund um Ryo Okabe untersuchten für die Studie, ob das Gleiche unter experimentellen Bedingungen auch für Mäusen, Ratten und Schweine gilt.

Dafür reduzierten sie zunächst die Sauerstoffzufuhr der Versuchstiere und führten ihnen den Sauerstoff in Gasform in den Darm ein. Um die Blutzirkulation anzuregen und die Sauerstoffaufnahme zu verbessern, riefen sie zuvor in der Darmschleimhaut eine Entzündung hervor.

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Bei Patienten mit Atemnot kann die Sauerstoffversorgung durch diese Methode unterstützt werden, um die negativen Auswirkungen des Sauerstoffmangels zu reduzieren, während die zugrunde liegende Erkrankung behandelt wird.

Co-Autor Takanori Takebe

Da dieses Vorgehen beim Menschen schlecht möglich wäre, führten sie den Versuchstieren in einem zweiten Experiment den Sauerstoff mittels der flüssigen chemischen Substanz Perflunafen ein. In beiden Fällen normalisierte sich das Verhalten der Tiere durch die rektale Beatmung und sie überlebten den Sauerstoffentzug länger. Die Darmbakterien wurden den Wissenschaftern zufolge dabei nicht negativ beeinflusst.

Die Wissenschafter hoffen nun, ihre Methode in klinischen Studien am Menschen testen zu können. „Dies ist eine provokante Idee und diejenigen, die das erste Mal von ihr hören, werden erstaunt sein“, schrieb Caleb Kelly von der Yale School of Medicine. Doch es handle sich um „eine vielversprechende Therapie“, die bei einem Mangel an Beatmungsgeräten wie derzeit in der Corona-Pandemie eine Rolle spielen könnte.

Mara Tremschnig
Mara Tremschnig
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