12.05.2021 12:30 |

Wien-Aspern

Weitere Gräber der Napoleon-Schlacht gefunden

In der Vorwoche jährte sich der Todestag Napoleons zum 200. Mal. Bei Erdbauarbeiten nahe der Bernhardinerallee in der Seestadt Aspern (22. Bezirk) wurden erneut Knochen gefunden, die sich als Reste von Soldatengräbern der Schlacht von Aspern am 21./22. Mai 1809 herausstellten. Die österreichischen Truppen unter Erzehrzog Karl I. fügten dem französischen Kaiser und seiner Armee die erste bedeutende Niederlage zu. Nach der archäologischen Bergung förderte die erste wissenschaftliche Auswertung viele interessante Details zu Tage.

Bei den Funden handelt es sich um die sterblichen Überreste von mindestens 14 männlichen Personen im Alter von Anfang bis Mitte 20. Anthropologen identifizierten an den Skelettresten mannigfaltige Dauerbelastungen und Mangelerkrankungen sowie akute Knochenbrüche, Schuss-, Schlag- und Hiebverletzungen durch Kriegswaffen der damaligen Zeit.  Die wenigen Habseligkeiten, die die jungen Männer bei sich hatten und die dem Zahn der Zeit widerstanden, wertet Grabungsleiter Martin Penz als wahren Glücksfall: „Meist finden wir bei den eilig verscharrten Gefallenen nur Knöpfe der Unterwäsche bzw. Gamaschen, oder auch einzelne Bleigeschosse, die oftmals auch die jeweilige Todesursache waren. Bei den neu Aufgefundenen konnten diesmal aber auch etliche Uniformknöpfe entdeckt werden, die die Zugehörigkeit zur österreichischen Armee wahrscheinlich machen“.

Sogar einige Münzen oder persönlicher Schmuck, wie eine Glasperlenkette oder ein Fingerring, wurden aufgefunden. Dies ist sehr ungewöhnlich, da in den Tagen nach der Schlacht den offen daliegenden Opfern meist sämtliche Wertsachen oder irgendwie verwertbare Ausrüstungsgegenstände abgenommen wurden.

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Nach einer sorgsamen Bergung und der wissenschaftlichen Dokumentation der Funde werden die sterblichen Überreste der Gefallenen einer würdigen Wiederbestattung zugeführt.

Karin Fischer Ausserer, Leiterin der Stadtarchäologie

Seit Baubeginn der Seestadt Aspern, am einstigen Schlacht- und ehemaligen Flugfeld, hat die Stadtarchäologie bereits 27 „Schlachtfeldbefunde“ gesichert. Dabei handelt es sich um die sterblichen Überreste von Soldaten und deren Pferde, die unmittelbar hier gefallen sind und großteils nur notdürftig verscharrt wurden, um einer drohenden Seuchengefahr vorzubeugen. Über die Details der jüngsten Funde will die Stadtaerchäologie demnächst in einem Blogbeitrag berichten.

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