Sa, 15. Dezember 2018

Zündende Idee?

13.01.2011 19:19

Bestattung Wien heizt neue Zentrale mit Leichen

Ab 2012 steht die neue Unternehmenszentrale der Bestattung Wien direkt beim Zentralfriedhof, fleißig wird bereits gebaut. Feuer und Flamme ist man für die geplante Heizung: "Wir nützen die Abwärme des Krematoriums", bestätigt der Projektleiter die gefundene "Sparmöglichkeit". Ist diese Art zu heizen in Ordnung? Voting in der Infobox!

"Natürlich haben wir eine normale Heizung, das Krematorium wird an andere Heizsysteme geknüpft", erklärt Christian Fertinger, Direktor der Bestattung Wien, der "Krone": "Ich habe auch schon wütende Mails bekommen." Bei der Neugestaltung der Zentrale wurde darauf Rücksicht genommen, dass die Bauprojekte eine Mischung aus Selbstbewusstsein, kultureller Verantwortung, Langlebigkeit und Kostenbewusstsein repräsentieren, hieß es vonseiten der Wiener Bestattung beim Spatenstich des Bauvorhabens im vergangenen Sommer. Die nun bekannt gewordene Nutzung der Abwärme des Krematoriums für das Heizsystem des neuen Gebäudes wurde interessanterweise damals nicht erwähnt.

In Österreich starben 2009 laut Bestattung Wien mehr als 77.000 Menschen, davon rund 16.000 in Wien. Der Anteil der Feuerbestattungen beträgt rund ein Viertel. In der Bundeshauptstadt werden somit im Schnitt täglich zehn Leichen verbrannt.

Anlage wandelt Rauch bei Verbrennungen in Strom um

So makaber die Idee auch klingen mag, sie ist nicht neu. Ein Krematorium in Taiwan kündigte bereits 2009 an, die bei Leichenverbrennungen freiwerdende Energie für den Betrieb seiner Klimaanlage nutzen zu wollen. Das Büro für Begräbnisdienste in Taipeh investierte umgerechnet 163.000 Euro in eine Anlage, die die bei Verbrennungen entstehenden Wärme in Elektrizität umwandelt.

Mit dem Strom wird dann eine neue Klimaanlage in einer Zone des Krematoriums betrieben werden, in der sich die Angehörigen der Verstorbenen aufhalten. Die Idee stieß nicht nur auf Begeisterung. "Das ist doch eklig, dass Trauernde von einer Klimaanlage Kühlung bekommen, die von den Überresten ihrer Angehörigen betrieben wird", beklagte sich ein Stadtrat in Taipeh.

"Vorteile für Kunden und Mitarbeiter"
Im Wiener Neubau an der Simmeringer Hauptstraße - gegenüber Tor 2 des Zentralfriedhofs - werden künftig ein modernes Kunden- und Servicezentrum sowie die Unternehmensleitung ihren Platz finden, hieß es. "Das räumliche Zusammenrücken der Bestattung Wien und der Friedhöfe Wien in der künftigen Unternehmenszentrale ist gerade für die Hinterbliebenen, die in einer emotional und persönlich sehr schweren Stunde hierher kommen, ganz wichtig. Damit entfallen viele Wege", so die damalige Vizebürgermeisterin Renate Brauner  im vergangenen August.

30 Millionen Euro werden bis 2012 in den neuen Unternehmensstandort investiert. Auch der Bezirk profitiere von dem Neubau auf der Simmeringer Hauptstraße, gab sich Bezirksvorsteherin Renate Angerer schon zu Baubeginn überzeugt. Das Gebäude sei bewusst freundlich und hell gestaltet und stelle mit seiner Leichtigkeit eine gute Ergänzung zum bestehenden historischen Ensemble beim Tor 2 und der Feuerhalle dar, so Angerer. Die Grundform der neuen Zentrale ist ein Quadrat - in das das eigentliche Gebäude in Form eines "schiefen U" eingebaut wird. Im Empfangsbereich im Erdgeschoss befinden sich diskret gestaltete Zonen für Beratungsgespräche. In den zwei Obergeschoßen werden die Büros der rund 900 Mitarbeiter eingerichtet.

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