13.01.2011 08:56 |

Kein Denkmalschutz

Kult-Café Hawelka kann Rauchverbot nicht umgehen

Die Besitzer des legendären Cafe Hawelka in der Wiener Innenstadt sind mit einem Versuch, das seit 1. Juli 2010 geltende Rauchverbot per Denkmalschutz-Antrag zu umgehen, gescheitert. Die kulturhistorische Bedeutung des Lokals schlage sich materiell, also in dessen Ausstattung, nicht genügend nieder, hieß es am Mittwoch vonseiten des Bundesdenkmalamts, das den Antrag ablehnte.

Der Entscheidung sei eine lange Diskussion der Denkmalschützer vorangegangen, erklärte Landeskonservator Friedrich Dahm. Bis zuletzt habe man debattiert. "Die kulturhistorische Bedeutung des Cafes ist unbestritten", so Dahm. Allerdings sei diese Bedeutung im Kaffeehaus nicht "dinghaft manifest" - also etwa in Form von wertvollen Originalmöbeln oder innenarchitektonischer Besonderheiten erkennbar.

Deshalb entschied sich das Bundesdenkmalamt letztendlich gegen eine Unter-Schutz-Stellung. Dahm betonte, dass die Entscheidung auf der Grundlage eingehender Recherchen erfolgt sei. Die Kriterien für den Erhalt des Denkmalstatus lägen generell sehr hoch.

Mit Denkmalstatus keine Raucher-Abtrennung
Die Familie Hawelka hatte bereits im Sommer einen Antrag auf Denkmalschutz gestellt. Hintergrund war das Ende der Übergangsfrist bezüglich der Trennung von Raucher- und Nichtraucherbereichen in Lokalen. Mit einem Denkmalstatus wäre es dann möglich gewesen, trotz Tabakgesetz den Gästen das "Pofeln" zu erlauben, da eine bauliche Raumtrennung dann nicht mehr erlaubt gewesen wäre.

Die Familie Hawelka nahm die Mitteilung des BDA am Mittwochabend alles andere als erfreut Kenntnis. "Das ist eine Schocknachricht. Ich bin sehr enttäuscht und traurig", zeigte sich Co-Geschäftsführer Michael Hawelka enttäuscht. Man habe nach so vielen Gesprächen nicht mit einer negativen Entscheidung gerechnet, so der Enkel von Kaffeehausgründer Leopold Hawelka. Nun müsse man leider ein Nichtraucherlokal bleiben.

Vor allem im Winter merke man das Ausbleiben rauchender Stammgäste, beklagte der Lokalchef. Hätte das BDA dem rund 100 Quadratmeter großen Kaffeehaus in der Dorotheergasse den Schutzstatus zuerkannt, hätte man jedenfalls Glimmstängel wieder erlaubt, wenn auch möglicherweise nur an bestimmten Tagen oder lediglich in den Abend- und Nachtstunden, so Hawelka.

Hawelka hofft auf Wintergarten-Genehmigung
Da dies nun definitiv nicht mehr möglich ist, schmiedet der Familienbetrieb bereits neue Pläne. Um die Umsatzausfälle durch das ausbleibende rauchende Publikum zu kompensieren, sei die Errichtung eines Wintergartens angedacht, berichtete Hawelka. Dort soll das Rauchen dann möglich sein.

Der Zubau soll an die Vorderfront des Cafes angrenzen und damit dort hinkommen, wo bisher im Sommer der Schanigarten war. "Ich hoffe, dass die Stadt Wien es uns bei den Genehmigungen nicht allzu schwer macht", appellierte der Geschäftsführer an das Wohlwollen der Behörden. In Wien sind derzeit nur vier Kaffeehäuser unter Denkmalschutz gestellt. Neben dem Cafe Prückel und Sperl, wo aber just aus Denkmalschutzgründen nicht geraucht werden darf, sind dies das Cafe Ritter und das Landtmann.

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