Ehemaliges Leiner-Haus

Abriss in Schutzzone: Das Bauglück des Jongleurs

Wien
29.04.2021 06:00

Jedem Häuslbauer machen die Behörden das Leben schwer, übertreibt er auf seinem Grund, kommt die Strafe oder der Bagger. Immobilien-Jongleuren wird der rote Teppich ausgerollt, gelegt von der Politik. Ein Beispiel: das Bauprojekt von René Benko auf der Mariahilfer Straße. Selbst ein Extra-Geschoß ist kein Problem.

So viel Bauglück ist ja nicht zu fassen. Schon beim Erwerb der Luxusimmobilie hat Fortuna ihr Füllhorn über dem Immobilien-Jongleur ausgeschüttet. Medienberichten zufolge hat Kanzler Sebastian Kurz 2017 ein Bezirksgericht trotz Weihnachtspause aufsperren lassen, um den 60-Millionen-Euro-Deal schnellstmöglich abwickeln zu können.

Der Immobilien- und Handelskonzern Signa wird bis Herbst 2024 im ehemaligen Leiner-Flaggschiff auf der Mariahilfer Straße ein Kaufhaus nach Vorbild des Berliner KaDeWe samt Hotel und Park am Dach errichten. (Bild: APA/SIGNA/K18)
Der Immobilien- und Handelskonzern Signa wird bis Herbst 2024 im ehemaligen Leiner-Flaggschiff auf der Mariahilfer Straße ein Kaufhaus nach Vorbild des Berliner KaDeWe samt Hotel und Park am Dach errichten.

Büro Sima: „Bauordnung lässt Einordnung in das Stadtbild in der Zone zu“
Und die Glückssträhne geht weiter: Obwohl der Leiner in einer Schutzzone steht, darf großzügig abgerissen werden. „Die Bauordnung lässt dezidiert die Einordnung in das Stadtbild auf zeitgemäße Weise in der Zone zu“, heißt es dazu aus dem Büro von Planungsstadträtin Ulli Sima (SPÖ). Und weiter: „Von Beginn an war klar, dass das Gebäude Mariahilfer Straße 12-16 nicht abgebrochen werden darf. Für den restlichen Teil hat der Bauwerber ein externes Gutachten eingereicht.“

Heißt: Ein Stück bleibt übrig, ein „Feigenblatt“, wie es ein Kenner der Materie nennt, der Rest kommt weg. Das berühmte Jugendstil-Juwel, die Leiner-Stiege, befindet sich im Inneren und interessiert die Behörden nicht: Sie wird eliminiert!

Weg mit dem Jugendstil-Juwel. Die berühmte Leiner-Stiege wird zerstückelt und versteigert. Sie ist damit Geschichte. (Bild: aurena.at)
Weg mit dem Jugendstil-Juwel. Die berühmte Leiner-Stiege wird zerstückelt und versteigert. Sie ist damit Geschichte.

Massive Wertsteigerung als Geschenk dazu?
Benkos Firma Signa hat noch einen Wunsch, dem offenbar selbst die Grünen nicht im Wege stehen: Eingereicht wurde eine gewünschte „Abweichung“, wie die „Krone“ erfuhr. „Die zulässige Gebäudehöhe ist an der Front Mariahilfer Straße Bauklasse V, also 26 Meter, und im sonstigen Bereich Bauklasse IV, also 21 Meter“, bestätigt das Büro von Wohnbaustadträtin Kathrin Gaál (SPÖ). Hier soll es eine Anpassung geben, freilich auf das höhere Niveau. Entstehen soll eine Dachterrasse - was eine massive Wertsteigerung des Objekts bedeutet. Signa will sich dazu nicht äußern.

Beim Leiner haben die Arbeiten begonnen (Bild: Klemens Groh)
Beim Leiner haben die Arbeiten begonnen

Grüner Bezirksvorsteher ist Fan des Projekts
Einfach ein Geschoß oben drauf. Wer genehmigt das? Hier wird es interessant: Die Entscheidung fällt am Ende der Bauausschuss des Bezirks Neubau, der sich einmal im Monat trifft und meist nur Micky-Maus-Anliegen der Umgebung beschließt. Die „Krone“ erfuhr: Bezirksvorsteher Markus Reiter (Grüne) ist ein Fan des Projekts. Großen Widerstand wird es nicht geben. Oft ist der rote Teppich auch grün.

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