21.04.2021 08:51 |

Amnesty-Bericht

Hinrichtungen: Niedrigste Zahl seit zehn Jahren

Im Vorjahr sind laut Amnesty International weltweit mindestens 483 Menschen hingerichtet worden. Das ist zwar die niedrigste von der Organisation erhobene Zahl seit zehn Jahren und ein Rückgang um 26 Prozent im Vergleich zu 2019. Doch trotz Corona gab es in 18 Ländern auch 2020 Hinrichtungen, und in manchen wurden sogar mehr Todesurteile vollstreckt als zuvor, wie der jährliche Bericht über die Anwendung der Todesstrafe zeigt, den Amnesty am Mittwoch veröffentlichte.

„Während sich die Welt darauf konzentriert, Menschen vor Covid-19 zu schützen, machten sich mehrere Regierungen mit schockierender Härte daran, die Todesstrafe anzuwenden und Menschen hinzurichten“, erklärte Annemarie Schlack, Geschäftsführerin von Amnesty International in Österreich. „Wir appellieren an die Staats- und Regierungschefs jener Länder, die die Todesstrafe als unmenschlichste Bestrafung noch nicht aufgehoben haben, sich 2021 endgültig davon zu verabschieden.“

Ägypten mit gewaltigem Anstieg
In Ägypten wurden laut Amnesty 2020 mehr als dreimal so viele Hinrichtungen vollzogen wie noch im Jahr davor - ein Anstieg von mindestens 32 auf rund 107. Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump habe im Juli 2020 begonnen, wieder Hinrichtungen auf Bundesebene zu vollziehen, nachdem diese 17 Jahre lang ausgesetzt waren. Binnen nur sechs Monaten seien zehn Männer exekutiert worden.

Indien, der Oman, Katar und Taiwan hätten im Vorjahr ebenfalls Hinrichtungen wieder aufgenommen. In China sei mindestens ein Mann zum Tode verurteilt und hingerichtet worden, nachdem die Behörden angekündigt hatten, scharf gegen Straftaten vorgehen zu wollen, die Maßnahmen zur Bekämpfung von Covid-19 beeinträchtigten.

In der Gesamtstatistik von mindestens 483 Fällen nicht enthalten sind Zahlen aus Ländern, in denen Informationen über vollstreckte Todesurteile als Staatsgeheimnis gelten oder die nur eingeschränkte Daten zur Verfügung stellen - dies gelte für China, Nordkorea, Syrien und Vietnam. Man gehe davon aus, dass China mit Tausenden vollstreckten Todesurteilen pro Jahr weltweit die meisten Menschen hinrichte, vor dem Iran (mindestens 246 Hinrichtungen), Ägypten (mindestens 107), dem Irak (mindestens 45) und Saudi-Arabien (27). Letztere vier Länder waren laut Amnesty 2020 für 88 Prozent aller bekannten Exekutionen verantwortlich. Unter den 483 Personen, von denen bekannt ist, dass sie im Vorjahr hingerichtet wurden, befanden sich auch 16 Frauen (drei Prozent).

Weniger Todesurteile, teils keine Hinrichtungen
Die erfassten Hinrichtungen in Saudi-Arabien gingen den Angaben zufolge um 85 Prozent zurück - von 184 im Jahr 2019 auf 27 im Jahr 2020. Im Irak hat sich die Zahl der Exekutionen mehr als halbiert, von 100 auf 45. In Bahrain, Weißrussland (Belarus), Japan, Pakistan, Singapur und im Sudan waren im Vorjahr, anders als 2019, keine Hinrichtungen zu verzeichnen.

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Die Zahl der erfassten Hinrichtungen ging weiter zurück - was bedeutet, dass die Welt immer weiter von der grausamsten und erniedrigendsten aller Strafen abrückt.

Annemarie Schlack, Geschäftsführerin von Amnesty International

Auch die Anzahl der weltweit verhängten Todesurteile (mindestens 1477) sei im Vergleich zu 2019 um 36 Prozent zurückgegangen. Amnesty International stellte in 30 von 54 Ländern, in denen bekanntermaßen Todesurteile verhängt wurden, einen Rückgang fest. Allem Anschein nach habe dies in mehreren Fällen mit Verzögerungen und vertagten Verfahren aufgrund der Pandemie zu tun.

„Zwar gab es 2020 noch Länder, die an der Todesstrafe festhielten, doch das Gesamtbild war positiv. Die Zahl der erfassten Hinrichtungen ging weiter zurück - was bedeutet, dass die Welt immer weiter von der grausamsten und erniedrigendsten aller Strafen abrückt“, betonte Schlack.

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