19.04.2021 21:22 |

Causa George Floyd

Ankläger: Polizist direkt für Tod verantwortlich

Im Prozess um den Tod des Afroamerikaners George Floyd hat die Anklage am Montag ihr Schlussplädoyer gehalten. Staatsanwalt Steve Schleicher sagte vor dem Gericht in Minneapolis, dass der weiße Ex-Polizist Derek Chauvin direkt für den Tod Floyds verantwortlich sei. Chauvins exzessive und erbarmungslose Gewaltanwendung habe Floyd getötet, so Schleicher. Er wies darauf hin, dass Floyd den Polizisten minutenlang gebeten habe, ihn atmen zu lassen.

Chauvin, der beim Prozess von seinem verfassungsmäßigen Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machte, habe neun Minuten und 29 Sekunden erbarmungslos auf Floyd gekniet. „Der Angeklagte hat nicht geholfen“ und damit klar gegen die Regeln für Polizeieinsätze verstoßen, betonte Schleicher an die Geschworenen gerichtet.

Verteidiger Nelson erklärte, die Anklage habe die Schuld seines Mandanten nicht zweifelsfrei bewiesen. Falls nur ein einziger begründeter Zweifel bestehe, müsse das Urteil auf nicht schuldig lauten, sagte er an die Geschworenen gerichtet. In seinem Plädoyer erklärte er, es könne kein Verbrechen vorliegen, weil es sich bei Chauvins Handeln um berechtigte Gewaltanwendung im Rahmen eines „dynamischen“ Polizeieinsatzes gehandelt habe.

Schleicher bezeichnete die Argumentation der Verteidigung, dass Floyd nicht infolge von Chauvins Gewaltanwendung gestorben sei, als „Unsinn“. Chauvins Anwalt hatte argumentiert, dass Floyds vorbelastete Gesundheit und Rückstände von Drogen in seinem Blut eine entscheidende Rolle bei seinem Tod gespielt hätten. Schleicher betonte jedoch, Floyd sei nicht an einem Herzinfarkt oder einer Überdosis gestorben, sondern an einem Mangel an Sauerstoff, der Hirnschäden verursacht und Floyds Herz zum Stillstand gebracht habe.

Fall löste landesweit Proteste gegen Polizeigewalt aus
Der 46 Jahre alte Floyd war am 25. Mai vergangenen Jahres in Minneapolis bei einer Festnahme ums Leben gekommen. Videos dokumentierten, wie Polizisten den unbewaffneten Mann zu Boden drückten. Chauvin presste dabei sein Knie rund neun Minuten lang in Floyds Hals, während dieser flehte, ihn atmen zu lassen. Der Fall löste landesweite Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt aus.

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