Kunst digitalisiert

Tassilokelch gibt seine letzten Geheimnisse preis

Das Stift Kremsmünster beherbergt einen der kostbarsten Kunstschätze des Mittelalters: den verzierten und prunkvoll beschrifteten Tassilokelch, der laut Inschrift vom Bayernherzog Tassilo III. gestiftet wurde. Mittels modernster Technik wurde der Kelch digitalisiert und gibt nun seine letzten Geheimnisse preis.
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Wenn der Papst in Österreich zu Gast ist, darf er den wertvollen Tassilokelch als Messkelch verwenden – Johannes Paul II. und Benedikt XVI. haben das getan. Außerdem dient der Kelch als Wahlurne bei der Abtwahl und am 11. Dezember, dem Todestag Tassilos, bekommt er einen Ehrenplatz. Ansonsten ist der Kunstschatz sicher im Stift Kremsmünster verwahrt – schließlich hat er schon einige Jahre auf dem Buckel. Im Jahr 781 soll er gefertigt worden sein, laut neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen in Salzburg. Von dort gelangte der Kelch nach dem Sturz Tassilos wohl nach Kremsmünster.

Bis in kleinste Detail erlebbar
Passend zur Karwoche macht nun das Ars Electronica Center Linz den Kunstschatz bis ins kleinste Detail erlebbar. Mit modernster Technik wurde der Kelch digitalisiert: Im 3D-Projektionsraum Deep Space im Zukunftsmuseum kann er von allen Seiten und in allen Größen gezeigt werden. Experte Reinhard Stiksel, theologischer Referent des Bibelwerks Linz und selbst ehemaliger Benediktinermönch im Stift Kremsmünster, zeichnete dazu gestern, Donnerstag, einen Vortrag auf, der jederzeit und kostenlos online abrufbar ist: „Schon als Schüler hat mich der Tassilokelch beschäftigt, jetzt konnten ihm noch einige Geheimnisse entlockt werden.“ So wurden 0,4 Millimeter kleine Nieten sichtbar gemacht, die für die Datierung eine Rolle spielen, dazu sind durch die moderne Technik Ausbesserungen aus dem 18. Jahrhundert und Reste von Vergoldungen zu erkennen.

Neue Erkenntnisse
Auch inhaltlich kamen neue Erkenntnisse hinzu: Es wurden Brotsymbole entdeckt, die ein Hinweis auf die Eucharistiefeier sind und damit die Verwendung im Gottesdienst bekräftigen. Bezüge zum Alten Testament wurden in versteckten Details der Christusdarstellung gefunden: „Ich freue mich, dass wir den Kelch mittels Deep Space in Szene setzen konnten, wie wir es schon mit weiteren Kunstwerken aus Oberösterreich getan haben“, so Stiksel.
ars.electronica.art/homedelivery

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