28.03.2021 06:00 |

Inge Sargent

Eine Kärntnerin war letzte Prinzessin von Birma

Das Leben schreibt die schönsten Märchen: Die Kärntnerin Inge Sargent war die letzte Prinzessin in Birma, dem heutigen Myanmar.

Wir schreiben das Jahr 1932. Im kleinen Lavanttaler Ort Bad St. Leonhard wird Inge Eberhard geboren. Ein Mädchen, dessen späteres Leben wie ein Märchen verlaufen sollte, mit nicht nur faszinierenden und exotischen Kapiteln.

Die Försterstochter Inge will Anfang der Fünfzigerjahre raus aus dem zu engen Lavanttal, aus dem in den Nachkriegswirren steckenden Österreich.

Studium in den USA
Ein Stipendium führt Inge Eberhard zum Studium in die USA. In Colorado, an der dortigen Uni, beginnt ein Märchen, wie es nur das Leben schreiben kann. Inge verliebt sich in den burmesischen Studenten Sao Kya Seng. 1953 wird in Denver geheiratet.

Bis zu diesem Zeitpunkt, bis zur Hochzeitsreise, war Inges Mann für sie ein Student, bei der Ankunft in Burma kann Sao Kya Seng die Wahrheit nicht mehr verbergen. Zu euphorisch ist der Empfang, der ihm und seiner Frau geschenkt wird.

Das passt nicht zum einfachen asiatischen Studenten.

Der Student war ein Prinz
Sao Kya Seng ist der Prinz von Hsipaw, einem Fürstentum im Shan-Staat. Dieser wird von 30 Ethnien gebildet, später traten diese uralten Königreiche Burma bei. Inge Eberhard ist nun Prinzessin Sao Thusandi.

Sao Kya Seng will in die Moderne, er will sein erworbenes Wissen nutzen.

Doch er züchtet sich damit Feinde, vor allem in der Armee. 1962 wird dem Shan-Staat die Unabhängigkeit verweigert, ein brutaler General putscht gegen Fürsten und Könige. Inge Eberhards, pardon, Prinzessin Sao Thusandis Leben nimmt erneut eine Wende.

Die ist nicht märchenhaft.

Sao Kya Seng für immer verschollen
Ihr Mann wird verhaftet und bleibt für immer verschollen. Zwar unter Hausarrest gestellt, kann Inge Eberhard nur das Leben ihrer Töchter und ihr eigenes retten und flüchten.

Im Jahr 1964 erreicht sie Österreich und das Lavanttal. Doch es zieht sie und die Töchter wieder in die USA, wo sie 1968 ein zweites Mal heiratet und noch immer, nun als Inge Sargent, mit knapp 90, lebt.

Viele Jahre versuchte die letzte Prinzessin, das Verbleiben ihres Prinzen zu erkunden. Die Regierungen von Österreich, Großbritannien und der USA schalteten sich ein, auch die UNO konnte nicht helfen. Das Regime in Birma, nun Myanmar, stellt sich tot.

Wie es wohl auch Inges Prinz sein wird.

Inge Sargents Autobiografie erschien 1994 im Unionsverlag und wurde 2015 unter dem Titel Dämmerung über Burma verfilmt.

Interview: „In den USA fühlte Inge sich sicher!“
Dr. Gerd Eberhard ist der Bruder der letzten Prinzessin. Der Jurist lebt mit seiner Frau in Wolfsberg und erzählt.

„Krone“:Wie oft sehen Sie Ihre Schwester? Reduziert sich der Kontakt auf Telefonate?
Dr. Gerd Eberhard: Bis vor einiger Zeit sahen wir uns jährlich. Ich war ja oft drüben in Colorado bei Inge. Aber das Alter lässt jetzt bei uns beiden keine Langstreckenflüge mehr zu. Leider. Doch wir telefonieren sehr oft.

Spricht Ihre Schwester eigentlich noch den typischen Lavanttaler Dialekt?
Das nicht, aber nach wie vor perfekt Deutsch. In die Briefe verirrt sich dann das eine oder andere englische oder birmanische Wort.

Hatte Ihre Schwester nach der Flucht keine Angst, dass es ihr so ergeht wie ihrem Mann?
Natürlich hatte sie etwas Sorge, aber nach der Rückkehr in die USA fühlte sie sich schon sicher. Denn mit den Vereinigten Staaten wollte sich auch Myanmar nicht anlegen.

Ihre Nichten, die Töchter Inges mit Sao Kya Seng, kennen die ihre familiären Wurzeln im Lavanttal?
Die jüngere war einige Male hier, die ältere Tochter Inges nur einmal.

Glauben Sie, dass Myanmar den Weg zur Demokratie findet?
Nein. Das Land grenzt an China, und die Chinesen brauchen vor ihrer Haustür keine Demokratie. Myanmar hat ja riesige Bodenschätze, viel Blei, Kupfer, Gold, da haben die Chinesen die Hand drauf.

Gibt es eigentlich schon Gewissheit über den Verbleib Ihres Schwagers?
Nein, es kommt keine Antwort auf Inges Fragen. Auch nicht auf Fragen der Töchter nach ihrem Vater.

Hintergrund: Burma, Birma, Myanmar
53 Millionen Bürger aus rund 135 Ethnien versuchen, einen Staat zu bilden. Unruhen beherrschen den Alltag im Militärregime.

Myanmar (so heißt Burma/Birma seit der Umbenennung durch das Militärregime im Jahr 1989) hat 53 Millionen Einwohner aus 135 Ethnien. Die größte Ethnie mit 70 Prozent Anteil ist die der Birmanen. Die Shan (Bericht oben) sind die zweitgrößte Volksgruppe, sie leben im Shan-Staat des Landes, in Gebieten ab 1000 Meter Höhe.

Das Land steht seit 1962 unter einer Militärherrschaft, die zwischen 2011 und 2021 über demokratische Elementeverfügte. In einem Putsch am 1. Februar 2021 riss das Militär die gesamte Staatsgewalt wieder an sich. Seither kommt Myanmar nicht zu Ruhe, blutige Unruhen beherrschen bis in die Gegenwart die Schlagzeilen.

Burma hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich: eigenes Königreich, Teil von Britisch-Indien, von den Briten, dann von den Japanern und wieder von den Briten besetzt, erreichte es erst 1948 die vollständige Unabhängigkeit.

Ex-UNO-Generalsekretär U Thant sowie Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi gelten als politische Aushängeschilder Myanmars.

Fritz Kimeswenger
Fritz Kimeswenger
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