27.02.2021 14:00 |

Wanderroute am Golm

Ausflug in ein Postkartenidyll

Ausblicke auf das Verwall- und Rätikongebirge bieten sich dem Wanderer entlang des Winterwanderweges am Golm. Die Strecke führt mitten durch eine bezaubernde Maisäßlandschaft.

Ein Ausflug in ein wahres Postkartenidyll bietet der Winterwanderweg im Skigebiet Golm im Montafon. Die Gondel, die den Wanderer bis zur Mittelstation Matschwitz auf 1520 Meter Höhe bringt, kann entweder in Vandans oder Latschau bestiegen werden. Direkt nach dem Verlassen der Mittelstation wird die Skipiste einmal gequert und man befindet sich bereits am Ausgangspunkt der Maisäß-Runde: Gut eineinhalb Kilometer mit einmaligen Eindrücken liegen vor dem Wintersportler. Wie in den Hang geschmiegt stehen urige Häuschen entlang der Strecke, die Dächer von einer dicken Schneeschicht überzogen.

Die Sonne hat über die Jahre Schindeln und Holzbalken dunkel gefärbt, was einen starken Kontrast zum Weiß der Schneedecke bildet. Im Hintergrund ragen majestätische Fichten hoch in den tiefblauen Himmel. Was wie ein Winterklischee klingt, kann der Ausflügler auf dieser Route tatsächlich erleben. Abgerundet wird das Ganze von einem fantastischen Ausblick auf das Verwallgebirge mit der Roten Wand (2704 Meter) , dem Hochjoch sowie den umliegenden Berggipfeln. In Blickrichtung Süden sind die markante Tschaggunser Mittagsspitze (2168 Meter) und das Schwarzhorn (2466 Meter) zu sehen. 

Das Maisäß als „Zwischenwohnsitz“

Der Weg führt direkt an den traditionellen Hütten vorbei und man fühlt sich in der Zeit zurückversetzt. Das Maisäß ist eine Sonderform der Alp und schließt mindestens ein kleines Haus und einen Stall mit ein. Solche Ensembles verfügen manchmal über einen nahezu dörflichen Charakter. Im Montafon sind diese vor allem auf einer Seehöhe zwischen 1200 und 1600 Metern zu finden. Der Begriff Maisäß leitet sich vom Monat Mai ab, in dem das Vieh zum ersten Mal im Jahr in höhere Lagen getrieben wurde. Das Maisäß ist also der „Mai-Sitz“ und dieser stellt eine kulturlandschaftliche Besonderheit dar. Seine Entstehung geht auf die jahrhundertelang betriebene Dreistufenlandwirtschaft zurück. Meist siedelte der gesamte Hofhaushalt im Frühsommer auf das Maisäß, Hirten und Sennbelegschaft zogen dann im Sommer weiter hinauf in die Hochlagen. Die Maisäße dienten folglich als Mittelstufe zwischen dem Heimgut im Tal und der Alpe. Im Mittelpunkt stand die Nutzung der gesamten Vegetation im hochalpinen Gebiet. Vor der verkehrstechnischen Erschließung der Maisäßgebiete, wurde die Milch meist an Ort und Stelle zu Käse und Butter verarbeitet. Zahlreiche Hütten sind daher unterkellert, um ausreichend Lagerraum für die Milchprodukte, die erst im Zuge des Alpabtriebs ins Tal transportiert wurden, zu haben. Aus dieser Lagerwirtschaftsform der Sennerei ist in Vorarlberg, Tirol und der Schweiz auch der typische Bergkäse hervorgegangen, der lange haltbar ist. 

Vom Arbeitsplatz vom Erholungsort

Heute werden viele Maisäße nicht mehr bewirtschaftet, sondern als Feriendomizil genutzt beziehungsweise vermietet. Brachte das Leben auf dem Maisäß früher ein großes Pensum an beschwerlicher Arbeit, so bedeutet es für den Erholungssuchenden mittlerweile ein Stückchen „heile Welt“: urig, entrückt, naturnah und wildromantisch. Ein besonderes Kleinod entlang des Winterwanderweges am Golm ist die denkmalgeschützte Kapelle Matschwitz, in der Wanderer Münzen deponieren und auf diese Weise für Schutz und Gesundheit bitten.

Der gemütliche Rundweg am Berg führt ohne nennenswerte Steigungen mitten durch dieses Postkartenidyll und ist auch mit Kindern leicht zu bewältigen. Wer die Wanderung etwas ausweiten möchte, kann anschließend noch den rund drei Kilometer langen Hüttenkopf-Weg beschreiten. Auch dieser startet von der Mittelstation Matschwitz aus. Vorbei an der Sesselliftbahn geht es durch den winterlichen Wald zur Talstation der Hüttenkopfbahn und anschließend wieder retour.

Rubina Bergauer
Rubina Bergauer
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