Interesse gestiegen:

Das Pflegesystem bleibt weiterhin ein Pflegefall

Weil mehr Oberösterreicher ohne Arbeit dastehen, steigt zwar das Interesse am Pflegeberuf, doch Belastung und Bezahlung machen die Jobs in diesem Bereich weiterhin wenig attraktiv. Ideen der Politik, die die Personalkürzungen bei Firmen – wie etwa jene bei Flugzeugteilehersteller FACC – nützen wollten, verpuffen.

Überfordert; ständig an der Belastungsgrenze; die Leistung unbedankt – das sind Begriffe, die im Zusammenhang mit Berufen im Pflegebereich fallen. Der Bedarf an Personal in Alters- und Pflegeheimen steigt: Zigtausende Kräfte fehlen in Österreich bis 2030.

Höhere Motivation
Die hohe Arbeitslosigkeit, eine der Nebenwirkungen der Corona-Pandemie, wird da für Politiker gerne zur Mut-Pille: Jobsuchende sollen verstärkt motiviert werden, in die Pflege zu wechseln. Das schlug auch Sozial-Landesrätin Birgit Gerstorfer vor, als bei Flugzeugzulieferer FACC im Innviertel im Spätherbst 630 Mitarbeiter abgebaut wurden. Es blieb bei der Idee: Bis jetzt begannen drei Ex-FACC-Beschäftigte eine Pflegeausbildung. „Die Leute müssen auch in dem Bereich arbeiten wollen – man kann niemanden vergattern“, weiß Gerhard Straßer, Geschäftsführer des Arbeitsmarktservice Oberösterreich. Die Anforderungen sind hoch: „Pflege ist ein Job am Menschen. Empathie ist gefragt, aber zugleich muss man sich auch abgrenzen, mit dem Tod umgehen lernen.“ „Die Belastung ist riesig“, unterstreicht Petra Fercher.

Mehr als 90000 Menschen in Schulung
53.552 Oberösterreicher waren im Jänner arbeitslos, zudem mehr als 9000 Menschen in Schulung. Ob der coronabedingte Anstieg der Jobsuchenden das Interesse an der Pflegeausbildung wachsen lässt? „Aufgrund der Situation am Arbeitsmarkt ist es jetzt auf jeden Fall leichter, Interessierte zu finden“, sagt Straßer.

Angebot soll wachsen
Die rund 1350 Ausbildungsplätze in unserem Bundesland, die über das AMS vermittelt werden können, sind aktuell jedenfalls belegt, eine Aufstockung wird diskutiert.

Außerdem gibt’s auch die Möglichkeit, etwa Altenbetreuungsschulen oder Fachhochschulen zu besuchen.

Geeignete Bewerber sind rar
Doch die Pflege bleibt ein Pflegefall – es krankt an der Belastung und an der Bezahlung, später im Job, davor schon in der Ausbildung. „Die Rekrutierung geeigneter Bewerber, die sich eine Ausbildung aus ihrer persönlichen Lebenssituation auch leisten können, ist herausfordernd“, sagt BFI-Oberösterreich-Geschäftsführer Christoph Jungwirth. „Man muss zwei Jahre mit wenig Geld überleben können“, so Straßer.

 OÖ-Krone
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Dienstag, 28. September 2021
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