Tauziehen um Impfstoff

AstraZeneca: „Sind der EU nicht verpflichtet“

Ausland
27.01.2021 12:16

Nach der Hiobsbotschaft, dass AstraZeneca zunächst nicht einmal die Hälfte der zugesagten Impfdosen an die EU liefern wird, liegen die Nerven blank. Schließlich zahlte die Union einen Vorschuss in der Größenordnung von mehreren Hundert Millionen Euro - und pocht nun auf die Einhaltung der zugesicherten Mengen. Der Impfstoffhersteller selbst meint, die EU sei wegen des schleppenden Vertragsabschlusses selber schuld an der Misere und man sei vertraglich zu nichts verpflichtet. Verwirrung herrscht zudem um eine für Mittwochabend geplante Krisensitzung der beiden Parteien. Aus EU-Kreisen hieß es, AstraZeneca habe den Termin abgesagt, das Unternehmen dementierte und teilte mit, man werde sehr wohl an dem Treffen teilnehmen. 

Mittwochabend beginnt das Tauziehen um Impfdosen von AstraZeneca: Statt 80 Millionen Impfdosen soll die EU bis Ende März nur 31 Millionen bekommen. Dabei wurden im August bis zu 400 Millionen Impfdosen von AstraZeneca bestellt und dafür 336 Millionen Euro für Entwicklung und Fertigung vorgestreckt. Nach Ansicht der EU hätte der Konzern seit Oktober auf Vorrat produzieren müssen, damit der Impfstoff sofort nach der Zulassung zur Verfügung steht.

Der vergleichsweise günstige Impfstoff von AstraZeneca ist aufgrund der Lieferengpässe derzeit eine heiß begehrte Ware. (Bild: AFP)
Der vergleichsweise günstige Impfstoff von AstraZeneca ist aufgrund der Lieferengpässe derzeit eine heiß begehrte Ware.

Briten waren „drei Monate früher dran
Die britisch-schwedische Pharmafirma sieht das anders: Die EU habe sich mit der Zulassung zu viel Zeit gelassen. Der Chef von AstraZeneca, Pascal Soriot, erklärte der Zeitung „Welt“ am Mittwoch: „Wir sind in Europa jetzt zwei Monate hinter unserem ursprünglichen Plan.“ Man habe auch anfänglich Schwierigkeiten in Großbritannien gehabt. „Aber der Vertrag mit den Briten wurde drei Monate vor dem mit Brüssel geschlossen. Wir hatten dort drei Monate mehr Zeit, um Pannen zu beheben.“

Die Verzögerung kam dadurch zustande, dass der Impfstoff gleich eine Marktzulassung statt lediglich eine Notfallzulassung bekommen hätte sollen - doch das dauert eben auch länger. Nun ist der Impfstoff in der EU knapp und Brüssel steht in der Kritik, weil in anderen Ländern wie Israel und Großbritannien bereits weitaus mehr Menschen immunisiert werden konnten. Bislang sind nur Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna zugelassen. 

AstraZeneca-Chef: Nur „zugesagt, es zu versuchen“
Das Unternehmen sieht sich vertraglich nicht verpflichtet, bestimmte Mengen zu fixen Zeitpunkten bereitzustellen. Eine gleichzeitige Belieferung wie die Briten sei nicht möglich - das Königreich habe schließlich den Vertrag um drei Monate früher unterzeichnet. „Darum haben wir zugesagt, es zu versuchen, uns aber nicht vertraglich verpflichtet“, so der AstraZeneca-Chef.

Anschober: „Es gibt klare Vereinbarungen“
Eine für Mittwochabend avisierte Krisensitzung mit Experten der EU-Staaten und Vertretern des Konzerns, in dem auf die EU auf Einhaltung der Vereinbarung pochen will, wurde laut Gesundheitsminister Rudolf Anschober auf Donnerstag verschoben. Dies sei aber „kein großes Problem“. Er gehe weiterhin davon aus, dass die vertraglichen Verpflichtungen eingehalten werden: „Es gibt klare Vereinbarungen“, betonte Anschober nach dem Ministerrat Mittwochmittag und betonte, die Verträge zwischen der EU und AstraZeneca seien im August unterzeichnet worden.

AstraZeneca dagegen erklärte, man habe das Treffen mit EU-Vertretern nicht abgesagt. „Wir können offiziell bestätigen, dass wir uns im Laufe des Tages mit der EU treffen werden“, erklärte ein Sprecher laut der Nachrichtenagentur AP. 

Pascal Soriot, der Chef von AstraZeneca (Bild: AFP)
Pascal Soriot, der Chef von AstraZeneca

AstraZeneca-Chef „Ich trage Europa im Herzen"
Soriot versicherte der italienischen Zeitung „La Repubblica“, dass er großes Interesse habe, die EU mit Imfpstoff zu versorgen: „Ich bin Europäer, ich trage Europa im Herzen“, erklärte der Franzose und betonte, dass das Unternehmen keinen Profit mit dem Vakzin mache. Unterschiedliche Preise seien auf verschiedene Kosten in einzelnen Ländern zurückzuführen, erklärte er weiter.

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