24.01.2021 06:01 |

„Krone“ vor Ort

Unser Lockdown: Neun Personen in einer Wohnung!

Großfamilien trifft die Corona-Pandemie besonders hart: Durch die Ausgangsbeschränkungen heißt es, noch mehr Zeit auf engem Raum miteinander zu verbringen. Homeschooling kommt noch hinzu. Eine Mutter von sieben Kindern schildert im Gespräch mit der „Krone“, wie sie die vielen Lockdowns an die Grenzen bringen.

Als im März erstmals die Rollbalken heruntergingen, herrschte bei der neunköpfigen Wiener Familie „blankes Chaos“, erinnert sich die Mutter. Erst mit der Zeit sei eine Struktur entstanden: Start um 6.30 Uhr mit den Kleinen und danach im Stundentakt abwechselnd mit den Kindern Lernen im Homeschooling. „Bis Mittag waren wir mit allem durch“, so die Frau.

In der Volksschule hat das Distance Learning gut funktioniert, in der Mittelschule nicht. Die 35-jährige Mutter verließ von Anfang März bis Ende Juni die Wohnung mit den Kinder kaum - nur zum Spielen im Hof. Deswegen wurden neue Spiele und Turngeräte angeschafft, um die Kinder in der 109-Quadratmeter-Wohnung bestmöglich zu beschäftigen.

Essen vom Sozialmarkt
Hinzu kam die finanzielle Belastung, die Corona mit sich brachte - 6900 Euro an Mehrkosten für Essen und Energie. „Den Strom hat dann glücklicherweise die Caritas übernommen“, erzählt die Mutter. Das Essen wird bei Diskontern und im Sozialmarkt eingekauft.

Die hohe Belastung führte bei der Mutter sogar zu gesundheitlichen Problemen: Ihre linke Körperhälfte war plötzlich wie gelähmt. Diagnose: stressbedingt. Eine wirkliche Erholung stellte sich bei ihr erst im jährlichen Italienurlaub ein.

„Nicht mehr so streng“
Für die siebenfache Mutter stand fest, dass es so nicht weitergehen konnte. Deswegen schickte sie ab September all ihre Kinder wieder in die Schule und den Kindergarten. Die Kinder treffen mittlerweile gelegentlich auch ihre Freunde wieder, etwa im Hof.

„Da bin ich jetzt nicht mehr so streng, das schafft man als Familie mit Kindern sonst nicht.“ Am meisten freut sich die Mutter, wenn sie mit ihrem Mann wieder einmal ausgehen oder sich mit ihrer Freundin auf einen Kaffee treffen kann: „Die Zeit war eine große Herausforderung, die ich nicht noch einmal erleben möchte.“

Kathi Mötzl, Kronen Zeitung

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