Geld für Endlager

Eine „Atom-Prämie“ für Gemeinden erregt Unmut

In Tschechien winkt jetzt 53 Gemeinden, die von der Suche nach einem Standort für ein Atommüll-Endlager betroffen waren und sind, Geld vom Staat. Das sorgt nicht nur dort für Unmut und Ablehnung, sondern auch bei Oberösterreichs Atomgegnern. Das sei „Bestechungsgeld“ anstelle von Mitsprache und Transparenz.

Das Atommüll-Endlager, in dem dauerhaft die hoch radioaktiven Abfälle aus den tschechischen Atomkraftwerken Temelín und Dukovany 500 Meter unter der Erde gelagert werden sollen, soll im Jahr 2065 in Betrieb gehen. Der endgültige und ein Ersatzstandort sollen bis 2030 ausgewählt werden. Aktuell gibt es vier Kandidaten, darunter einen Standort gleich südlich des AKW Temelín, der Oberösterreich am nächsten wäre.

Standortsuche seit 17 Jahren
Die Standortsuche wird in Tschechien selbst schon seit 17 Jahren von Protesten begleitet. Nun soll offenbar Geld für Ruhe sorgen: 53 Gemeinden, die von der bisherigen Suche betroffen waren, winkt je eine Million Kronen, ungefähr 38.200 €. Weit mehr Geld bekämen dann die tatsächlich gekürten Standortgemeinden.

Ortschefs winken ab
Doch nicht einmal für Millionen wollen betroffene Bürgermeister ein atomares Endlager: „Es handelt sich um einen außergewöhnlichen Bau, der hier Tausende Jahre bleiben wird“, bringt es einer von ihnen auf den Punkt. Manfred Doppler vom Anti-Atom-Komitee in Freistadt ergänzt: „Diese Zahlungen sollen dazu dienen, die Gemeinden gefügig zu machen, die bisher das Atommülllager in zahlreichen Referenden vehement abgelehnt haben.“

Kein Mitspracherecht
„Mitspracherecht und Transparenz haben die tschechischen Gemeinden aber nicht bekommen. Unsere Bundesregierung ist aufgefordert, sie zu unterstützen und die versprochene Transparenz im Sinne des Geistes der Europäischen Union auch durchzusetzen“, betont Doppler.

Werner Pöchinger, Kronen Zeitung

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