30.12.2020 08:22 |

WWF schlägt Alarm

Trotz Pandemie noch immer Hunderte Wildtiermärkte

Ein Jahr nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie sind nach wie vor Hunderte Wildtiermärkte geöffnet. Das geht aus einem Bericht des World Wide Fund for Nature (WWF) hervor, der am Mittwoch veröffentlicht wurde. Es gelte mittlerweile als „wissenschaftlich gesichert“, dass SARS-CoV-2 von einem Wildtier auf den Menschen übergesprungen ist, so der WWF. Ursprungsort dürfte ein Wildtiermarkt in Wuhan gewesen sein.

Die Analyse der Naturschutzorganisation befasst sich mit dem Wildtierhandel in der südostasiatischen Mekong-Region. Das Ergebnis: Von rund 500 Märkten in größeren Städten, auf denen häufig mit Wildtieren gehandelt wird, liegt rund die Hälfte in Regionen mit einem potenziell hohen Zoonose-Risiko. „China hat zwar im Februar ein Verbot der Wildtier-Zucht für die Fleischproduktion erlassen, aber in mehreren südostasiatischen Staaten muss noch deutlich mehr getan werden“, befand der WWF.

WWF fordert rasche Schließung
„Der Artenschutz für bedrohte Wildtiere und die öffentliche Gesundheitsvorsorge gehören dringend zusammen gedacht, um die Gefahr des Überspringens von Viren auf den Menschen einzudämmen“, sagte Georg Scattolin, Leiter des internationalen Programms beim WWF Österreich. Als Teil eines Zehn-Punkte-Plans forderte er vor allem die rasche Schließung illegaler und unregulierter Wildtiermärkte sowie schärfere Kontrollen gegen den illegalen Handel: „Der Schmuggel von Wildtieren jenseits aller Regeln schafft einen idealen Nährboden für Virensprünge auf den Menschen. Daher müssen Politik und Behörden deutlich mehr tun.“

In vielen ländlichen Gegenden der Mekong-Region sind Menschen zur Ernährungssicherung noch immer auf Wildtiere angewiesen - darunter sind auch abgelegene Gebiete mit Mangelernährung bei Kindern. Zunehmend werden Wildtiere aber auch für den Verkauf in Städten gejagt. Große Märkte mit niedrigen Hygienestandards sind besonders riskant für die Übertragung von Infektionskrankheiten und auch aus Tierschutz-Sicht verheerend. Auf Lebend-Tiermärkten wie sie in weiten Teilen Chinas und Südostasiens existieren, werden Wild- und Nutztiere nebeneinander verkauft und geschlachtet.

Märkte als Risiko für Ansteckung
Restaurants, die Gerichte mit Wildtieren zubereiten, sowie Online- und Straßenverkäufe sind dem WWF zufolge ebenfalls potenzielle Schmelztiegel für neue Krankheitserreger. Doch nicht nur die Märkte sind ein Risiko: „Die Corona-Ausbrüche in europäischen Nerzfarmen zeigen, dass auch Wildtierfarmen tickende Virus-Bomben sind. Von diesen gibt es in Südostasien immer noch hunderte“, warnte Scattolin.

In der Region werden laut der Analyse jedes Jahr Dutzende Millionen Wildtiere zu Nahrungszwecken oder zur Verwendung in der traditionellen Medizin gehandelt. Neben Wildschweinen und Hirschen sind das häufig Nagetiere und Fledermäuse, die als Reservoir für eine Vielzahl von pathogenen Erregern gelten. „Die Einstellung des illegalen und unregulierten Wildtierhandels ist daher ebenso wichtig wie die Durchsetzung von Hygiene- und Sicherheitspraktiken auf Wildtiermärkten und in Restaurants“, sagte Scattolin.

Regionale Behörden unterfinanziert
Regionale Netzwerke und nationale Behörden, die den Handel mit Wildtieren überwachen und geltendes Recht durchsetzen, sind jedoch stark unterfinanziert, so der WWF. Daher brauche es auch auf dieser Ebene mehr Unterstützung, um pandemische Risiken im Keim zu ersticken. Ebenfalls entscheidend sei, dass die Nachfrage nach Produkten des Hochrisiko-Wildtierhandels reduziert wird.

Ein zweites Umweltproblem ist die Entwaldung, die Virus-Sprünge aus dem Tierreich auf den Menschen befördert: Von 1990 bis 2010 wurde die Waldfläche Südostasiens von 268 Millionen Hektar auf 236 Millionen Hektar reduziert. „Wenn Lebensräume zerstört werden und natürliche Barrieren wegfallen, bringt das Arten in Kontakt zueinander, die vorher nicht im Kontakt waren. Werden dort neue Siedlungsräume geschaffen, entsteht eine neue, räumliche Nähe zum Menschen und seinen Nutztieren“, erläuterte Scattolin die Folgen der Entwaldung.

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