07.04.2005 16:01 |

Der Nase nach

Wie riecht eigentlich die Nase des Mannes?

Von Erdbeeren bis zum Sonntagsbraten - für den richtigen Genuss ist unsere Nase unverzichtbar. Denn erst das Riechen bringt den wahren Geschmack hervor, wie jeder Mensch mit Schnupfen weiß. Wir können rund 10.000 verschiedene Gerüche erkennen und uns an viele erinnern. Doch der Geruchssinn ist nicht nur beim Speisen bedeutend, sondern auch fürs Liebesleben.
Wichtig ist er auch bei der Wahl des Partners,den man gut riechen kann, beim Eintritt in eine "nach Kindheitduftende" Wohnung, aber ebenso als Warnung vor Giften. Ohne Nasekönnen wir verdorbene Speisen nur schwer erkennen und Brandgeruchgar nicht. Die Grundlagen des Geruchssinns haben die US-ForscherRichard Axel und Linda Buck erforscht und erhalten dafürin diesem Jahr den mit umgerechnet 1,1 Millionen Euro dotiertenMedizin-Nobelpreis.
 
"Bis zur revolutionierenden Arbeit von Axel undBuck war der Geruchssinn für uns alle ein Rätsel. Eshat sehr viele Spekulationen gegeben, und alle waren sie falsch",sagte der zuständige Fachsprecher des Nobelpreiskomitees,Sten Grillner. Ihren Schlüsselartikel veröffentlichtenAxel (58) von der Columbia Universität in New York und Buck(57) vom Fred Hutchinson Krebsforschungszentrum in Seattle imJahr 1991.
 
Sie beschrieben rund 1000 Gene, die bei Riechrezeptoreneine Rolle spielen, und klärten später deren Arbeitsweiseauf: Dockt ein Duftmolekül an einem Riechrezeptor an, wirddieses chemische Signal über eine Kaskade von Reaktionenin ein elektrisches umgesetzt und zum Geruchszentrum im Gehirngeleitet.
 
Gerüche können Kindheitserlebnisse weckenund der Duft von Flieder kann Frühlingsgefühle auslösen.Ursache: "Im Hippocampus sind die meisten Erinnerungen gespeichert,und das Riechsystem hat einen direkten Zugang dazu", erläutertProf. Hans Hatt von der Ruhr- Universität Bochum. BritischeForscher hatten Teile des Geruchszentrums mit Hilfe von Bildernaktiviert, die Probanden zuvor gesehen hatten.
 
Nicht nur für das Liebesleben ist es bedeutend,dass wir den anderen "gut riechen können", sondern auch fürdie Kinder eines Paares. "Das Immunsystem beruht auf der Markierungvon Zellen durch so genannte HLA-Eiweiße", erklärtHatt. "Wenn diese zerfallen, werden sie über den Schweißfrei gesetzt und können gerochen werden." Das Riechen erlaubesomit eine Einschätzung des Genbestandes und damit auch derGrundbausteine des Immunsystems. Gut für das Kind eines Paaresist es, möglichst verschieden Gene zu erben.
 
Auch weibliche Stichlinge haben bei der Partnerwahleine Nase für bevorzugte Männchen mit einem guten Immunsystem.Die Fischdamen erkennen besonders widerstandsfähige Partneram Geruch.
 
Wenn ein Braten, ein Kaffee oder Weihnachtsplätzchengut schmecken, liegt das vor allem an den Riechrezeptoren. DieZunge allein kann nur süß, sauer, salzig und bitterunterscheiden. Erst der Geruch ruft den Genuss und sogar Gefühlehervor. Lange bekannt sei, dass Melisse beruhige und Rosmarinsowie Zitrusdüfte belebend wirkten, sagt Hatt. In der Praxiswürden Duftmischungen in Tunneln verspritzt, um Menschendie Angst vor dem Hindurchgehen zu nehmen. Der genaue Zusammenhangzwischen Geruchssinn und Gefühlswelt sei aber noch ein Geheimnis.
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