27.12.2020 15:57 |

Impfstart auch in Wien

Hacker: „Dem Virus das Gift aus den Zähnen ziehen“

Nach dem medienwirksamen Österreich-Impfstart in der MedUni Wien sind Sonntagmittag auch in der Wiener Klinik Favoriten - dem ehemaligen Kaiser-Franz-Josef-Spital - die ersten Impfungen gegen das Coronavirus verabreicht worden. In dem Spital befindet sich eine der bedeutendsten Covid-Stationen der Stadt. Geimpft wurden hochexponierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in ständigem Kontakt mit infizierten Personen stehen. Mit der Impfung werde man nun „dem Virus das Gift aus den Zähnen ziehen“, kündigte Gesundheitsstadtrat Peter Hacker an.

Der Vorstand der Infektionsabteilung der Klinik, Christoph Wenisch, kam als Erster an die Reihe. Den kurzen Stich mit der Nadel durfte er unter den Klängen von Beethovens „Ode an die Freude“ und im Beisein zahlreicher Medienvertreter erleben. Nach der Aktion gab es Applaus. Er sei heilfroh, dass es die Impfung nun gebe, versicherte er. In drei Wochen werde er die zweite erhalten, „und die ganze Geschichte ist erledigt“.

Wiens Bürgermeister Michael Ludwig und Hacker (beide SPÖ) verwiesen auf die Bedeutung der Infektionsabteilung. Wenisch und sein Team würden über eine sehr hohe Expertise bei virologischen Erkrankungen verfügen. Sie hätten auch zahlreiche andere Abteilungen in Wien geschult, als diese die Behandlungen von Covid-Patienten übernommen haben.

Anschober: „Heute ist der Tag der Wende“, aber weiterhin Geduld nötig
Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) zeigte sich zuversichtlich: „Heute ist der Tag der Wende.“ Dass der Impfstoff nun da ist, sei „sensationell“. Wobei er warnte, von allzu schnellem Erfolg im Kampf gegen die Pandemie auszugehen: „Wir werden auch noch Geduld brauchen.“ Man habe jedoch bereits die Option für weitere zwei Millionen Impfdosen gezogen. Einmal mehr versprach Anschober, die Bevölkerung ehrlich über die Impfung informieren zu wollen.

„Es ist in der Tat ein großer Tag für uns“, betonte auch Bürgermeister Ludwig. Er hoffe, dass man nun bald wieder in ein geregeltes Leben „übergleiten“ könne. Denn die Kampagne werde schrittweise erfolgen, je nachdem welche und wie viele Impfdosen man erhalte. Auch Ludwig kündigte an, dass man Vorteile der Impfung erläutern wolle. Eine Impfpflicht lehne er hingegen ab, bekräftigte er.

50.000 Impfdosen im Jänner für Bundeshauptstadt
Laut Gesundheitsstadtrat Hacker wird Wien im Jänner noch rund 50.000 Dosen erhalten. Zunächst stünden Bewohner bzw. Mitarbeiter in Pflegewohnhäusern und das Personal in Spitälern im Fokus. Noch im ersten Quartal sollen dann unter anderem Rettung und Polizei folgen. Danach werde die breite Bevölkerung Gelegenheit erhalten, sich impfen zu lassen. Im Gesundheitsverbund ist die Impfbereitschaft jedenfalls hoch, wie dessen Chefin Evelyn Kölldorfer-Leitgeb beteuerte. Bei einer Befragung hätten 60 Prozent der Belegschaft angegeben, sich impfen lassen zu wollen.

Am Nachmittag erfolgte der Startschuss zur Impfaktion in den Wiener Senioren- und Pflegeeinrichtungen. Zum Auftakt wurde die Impfung Bewohnerinnen und Bewohnern des Pflegewohnhauses Leopoldau verabreicht.

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