08.12.2020 06:00 |

Experte im Gespräch

Corona-Impfung: Harte Fakten statt Zwang

Prof. Herwig Kollaritsch, Mitglied des Beraterstabs im Gesundheitsministerium, zu Corona-Impfstrategien und Massentests im „Krone“-Gespräch.

„Krone“: Was halten Sie von der Impfpflicht?
Herwig Kollaritsch: Ich bin ein überzeugter Gegner davon. In meinen 40 Jahren Berufserfahrung habe ich gelernt, dass man mit Verpflichtungen nicht weiterkommt. Impfgegner finden immer wieder kreative Wege, diese zu umgehen.

Wie kann man die (skeptischen) Österreicher dann davon überzeugen, sich impfen zu lassen?
Mit gezielter Aufklärung und offener Kommunikation. Das macht allerdings eine Riesenarbeit und Mühe! Schon jetzt findet man auf der Internetseite des Bundesministeriums eine Menge beantwortete Fragen (FAQ), die laufend erweitert werden. Ausführliche Informationskampagnen sind ebenfalls in Planung. Es wird darauf ankommen, wie die Politik damit umgeht. Ich hoffe nicht, dass manche Parteien schon im Vorhinein gegen die Impfung wettern werden, ohne selbst die genauen Fakten zu kennen.

Die Kommunikation bei den Massentests hat dann ja nicht so gut funktioniert?
Der Zulauf ist nicht so gut wie erhofft. Man kann das z.B. nicht mit der Slowakei vergleichen, dort lag auch ein gewisser Zwang zugrunde, bei uns eben nicht. Viele finden diese Momentaufnahme nicht sinnvoll. Um sichere Feiertage zu genießen, müsste man sich am 20., 24. und 30. 12. testen lassen, was ein zu großer Aufwand ist. Am besten wäre es, wenn die Leute sich selber testen, das ist nicht so schwierig. Aber würden sie es konsequent machen, wenn sie Angst haben müssten, die Feiertage in Quarantäne zu verbringen?

Werden Sie sich impfen lassen?
Natürlich – je früher, desto besser! Ich gehöre ja mit 65 Jahren schon zur Gruppe der Risikopatienten und möchte künftig wieder ohne schlechtes Gefühl ins Wirtshaus oder Theater gehen. Die Impfung ist wichtig, um die persönliche Freiheit zurückzugewinnen. Ich gehe auch davon aus, dass ansonsten die Reisemöglichkeiten im Sommer stark eingeschränkt sein könnten und manche Länder bei Einreise einen Impfnachweis fordern. Außerdem können wir es uns schlichtweg nicht leisten, das Land alle drei, vier Monate zuzusperren. Insofern sollten auch jüngere Menschen die Immunisierung als Akt der Solidarität verstehen.

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Nach erfolgter Impfstoff-Zulassung wird es blitzartig gehen. Wir sind dabei, die Logistik dafür auszurollen. Organisatorisch sind auch die Massentests ein Probelauf dafür.

Prof. Dr. Herwig Kollaritsch, Impfexperte und Reisemediziner

Wie kann man den Menschen die Angst vor dem RNA-Impfstoff nehmen?
Es glauben ja noch immer viele, dass dieser Impfstoff in das menschliche Erbgut eingreift. Das ist Unfug! Jenen, die sich fürchten, da die Zulassung nun viel schneller vonstattengeht als sonst, sage ich: Nur weil jemand rasch arbeitet, heißt das nicht, dass er schlechter arbeitet! Es gibt sehr strenge Regelwerke, gerade für Impfungen. Wenn diese Stoffe bei uns zugelassen werden, kann man davon ausgehen, dass sie nach menschlichem Ermessen sicher sind. Niemand vermag ganz seltene schwere Reaktionen auszuschließen. Diese werden aber, wenn überhaupt, kaum auftreten. Bei der Polio-Schluckimpfung nahmen wir damals in Kauf, dass 1 bis 3 von 100.000 Geimpften an Impfpolio erkrankten. Der Nutzen der Corona-Impfung übersteigt das Risiko aber bei Weitem!

Eva Greil-Schähs & Regina Modl, Kronen Zeitung

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