03.12.2020 21:27 |

Urteil in Wien

Lebenslange Haft für geplante Zug-Attentate

Einst war ein Ehepaar aus dem Irak geflüchtet, lebte gut bei uns. Er arbeitete, sie war daheim bei den Kindern. „Eine unauffällige Familie“, sagt der Staatsanwalt, „aber das täuscht.“ Vier Anschläge auf Personenzüge in Deutschland sollten demnach auf das Konto des Paares gehen. Letztlich: Freispruch für sie, lebenslange Haft für ihn.

Das Paar war 2011 bzw. 2012 nach Österreich gekommen, hatte Asyl erhalten. Der Mann (44) soll immer mehr der Weltanschauung des Islamischen Staats verfallen sein. Und diese wollte er laut Staatsanwalt auch in die Welt hinaustragen: „in Form von Anschlägen, die größtmögliche Schäden anrichten“. Viermal fuhr er dazu 2018 nach Deutschland, um der Anklage nach ICE-Züge zum Entgleisen zu bringen.

Vorlage für Drohungen in öffentlichem Drucker vergessen
Dazu hatte er sich in der Familienwohnung in Wien Tatwerkzeuge gezimmert. Er hinterließ auch IS-Drohbotschaften und die IS-Fahne an den Tatorten - zuletzt in Berlin, um „Deutschland im Herzen zu treffen“. Die Züge wurden zwar beschädigt, das Entgleisen gelang nicht. Auf die Schliche kam man ihm, weil er die IS-Drohbotschaften auf einen öffentlichen Drucker in Wien hergestellt und die Vorlage samt seiner Spuren dort vergessen hatte.

Er gab die Taten zu, sagte aber, er habe niemanden schaden wollen. Und dass er alles nur zum Schein im Namen des IS gemacht habe.

Ehefrau: „Ich habe nichts davon getan“
Seine Frau will nichts von dem Ganzen gewusst haben: „Ich habe nichts davon getan, weswegen ich eingesperrt bin“, sagt sie, den IS „habe ich gehasst“. Ihre DNA fände sich auf den Tatwerkzeugen nur der Neugierde wegen: Sie habe nachgeschaut, was der Gatte „da gekauft hat, obwohl wir wenig Geld hatten“. Nicht rechtskräftiges Urteil: lebenslange Haft für ihn, Freispruch für sie.

Kronen Zeitung

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