27.11.2020 13:41 |

Luftkampfspiel im Test

„The Falconeer“: Sprung in die kalte Ursee

Es gibt sie noch: Videospiele, die einem nicht Alles bis ins kleinste Detail erklären und stattdessen Raum für eigene Entdeckungen bieten - mit allen damit verbundenen Vor-, aber auch Nachteilen. Das von Indie-Entwickler Tomas Sala quasi im Alleingang erschaffene Open-World-Luftkampfspiel „The Falconeer“ ist eines dieser Spiele.

Das Gameplay von „The Falconeer“ ist relativ schnell erklärt: Auf dem Rücken eines riesigen Falken zieht es Spieler als titelgebende Falkoniere in den Kampf gegen feindliche Ziele zu Luft, zu Wasser und gelegentlich auch darunter sowie zu Lande. Das Flugtier verfügt zu diesem Zweck über eine Kanone, die sich ebenso wie der Falke selbst im Lauf des Spieles upgraden lässt. So machen die sogenannten Mutagene den Greifvogel beispielsweise wendiger im Flug, widerstandsfähiger gegenüber Treffern oder lassen seine Gesundheit schneller regenerieren. Für zusätzliche Abwechslung sorgen gelegentliche Checkpoint-Rennen oder Botenflüge, bei denen der Falke die jeweilige Ware treffsicher abwerfen muss, was sich als schwieriger herausstellt, als es zunächst klingt.

Die Krallen eignen sich auch, um aus dem Flug heraus Seeminen aufzunehmen und feindliche Schiffe zu bombardieren, haben darüber hinaus jedoch leider keine Funktion, wodurch die Luftkämpfe weniger vielschichtig ausfallen, als sie hätten sein können. Die Action beschränkt sich somit auf das Markieren und Beschießen feindlicher Ziele sowie die eine oder andere „Luftrolle“, um feindlichem Beschuss auszuweichen, kann sich unterm Strich aber dennoch sehen lassen - insbesondere in Momenten, wenn unter einem die sogenannte Ursee tobt und um einen herum heftige Gewitter toben, die zugleich den positiven Nebeneffekt haben, dass sich mit ihnen die Kanone des Falken wiederaufladen lässt.

Wenig Worte, viel zu entdecken
„The Falconeer“ möchte jedoch mehr sein, als ein einfach gestricktes, um nicht zu sagen stupides Baller-Game. Zwischen den Missionen, die den Kern des Spiels bilden, gibt es Gamern Zeit und Gelegenheit, die offene Spielwelt zu erkunden und so etwa neue Inseln, Siedlungen oder Häfen zu entdecken, die nicht nur neue Aufträge bereithalten, sondern mitunter auch besondere Waren - vorausgesetzt, man verfügt über die nötige Landeerlaubnis. Andere Entdeckungen erzählen mehr vom Konflikt, der um die Große Ursee tobt und mit den jeweiligen Kapiteln des Spiels aus den unterschiedlichen Perspektiven der darin verwickelten Fraktionen geschildert wird.

Eigeninitiative gefragt
All das setzt allerdings Eigeninitiative voraus. Denn vom kurzen Prolog, in dem grundlegende Flugmechanismen erklärt werden, einmal abgesehen, gleicht „The Falconeer“ einem Sprung ins kalte Wasser bzw. die steife Brise. Die Story, aber auch die Inhalte des Spiels wollen und müssen selbst erarbeitet werden - häppchenweise. Und das dauert, bedarf es mitunter doch etlicher Flugstunden und teils erheblicher Anstrengungen, weil für die nächste Herausforderung neue Mutagene, eine bessere Kanone oder bereits erwähnte Landeerlaubnisse vonnöten sind und daher zuvor erst etliche andere Nebenmissionen absolviert werden müssen.

Dass das Spieltempo in den seltensten Fällen vorgegeben ist, ist dabei Fluch und Segen zugleich, zumal das Missionsdesign seine Ecken und Kanten hat. Nicht selten kommt es vor, dass man minutenlang fliegt, bloß um dann binnen weniger Sekunden einen Feind auszuschalten und wieder ebenso lange zurückzufliegen. Noch schlechter ist es allerdings, wenn die Mission scheitert, weil das abzuliefernde Paket etwa sein Ziel verfehlt oder der Gegner sich als schwieriger herausstellt als angenommen, und all die Anflugszeit daraufhin umsonst war, weil es statt klassischer Speicherpunkte lediglich ein „Zurück auf Los“ gibt.

Fazit: „The Falconeer“ ist ein Spiel mit Ecken und Kanten, die allerdings runder werden, je intensiver man sich darauf einlässt. Wer sich ein actiongeladenes Luftgefecht nach dem anderen erwartet, wird enttäuscht. Es sind vielmehr die Momente der Ruhe und vor allem des Entdeckens dazwischen, die den Reiz des Spiels und letztlich die Faszination der auf der neuen Xbox Series X übrigens wunderschön und atmosphärisch in Szene gesetzten Großen Ursee ausmachen. Dieser ihre Geheimnisse zu entlocken, setzt jedoch Durchhaltevermögen voraus.

Plattform: Xbox Series X (getestet), Xbox One, PC
Publisher: Wired Productions
krone.at-Wertung: 7/10

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