27.11.2020 10:50 |

Vor Welt-Aids-Tag

Injizierbare HIV-Medikamente als neue Chance

Weltweit leben 38 Millionen Menschen mit einer HIV-Infektion. Zugang zu wirksamen antiretroviralen Medikamenten haben bislang 67 Prozent der Betroffenen. Eine völlig neue Chance könnten jetzt lang wirksame, injizierbare Anti-HIV-Arzneimittel sowohl in der Therapie als auch in der Prophylaxe von Aids-Infektionen bieten. In der EU sind sie nach erfolgreichen Tests bereits für die Zulassung empfohlen.

Seit Mitte der 1990er-Jahre stehen hochwirksame antiretrovirale Medikamente bzw. Wirkstoffkombinationen zur Verfügung. Doch sie müssen täglich oral eingenommen werden, um die HIV-Viruslast im Körper am besten unter die Nachweisgrenze zu drücken und so die Schädigung des Immunsystems zu verhindern, so UNAIDS, das Programm der Vereinten Nationen für HIV/Aids. Das stellt - nicht nur in vielen ärmeren Regionen der Welt mit fragilem oder nicht existierendem Gesundheitssystem - eine Herausforderung dar.

Am 16. Oktober hat der Expertenausschuss für Humanarzneimittel der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) die Marktzulassung zweier injizierbarer HIV-Präparate empfohlen. Es handelt sich bei den Wirkstoffen um den Reverse-Transkriptasehemmer (NNRTI) Rilpivirin und um einen neuen sogenannten Integrasehemmer (Cabotegravir). Beides soll die Virusreplikation unterdrücken.

Neue Therapiekonzepte
Der Vorteil des neuen Therapiekonzepts liegt vor allem in der langen Wirksamkeit der Arzneimittel in Kombination. „Beide Medikamente werden monatlich oder alle zwei Monate intramuskulär injiziert. Zusammen bilden sie eine neue langwirksame antiretrovirale Therapie“, so die Pharmazeutische Zeitung.

Schritt zu Langzeit-Unterdrückung der Aids-Erreger
„Die Kombination der beiden Präparate ist zur Erhaltungstherapie von Erwachsenen vorgesehen, die mit ihrer derzeitigen antiretroviralen Behandlung nicht nachweisbare HIV-Spiegel im Blut aufweisen (...) Beide Arzneistoffe stehen in einer lang wirkenden injizierbaren Formulierung zur Verfügung. Das bedeutet, dass HIV-1-infizierte Patienten anstelle einer täglichen Einnahme monatlich oder alle zwei Monate intramuskuläre Injektionen erhalten können“, so die deutsche Apothekerzeitung. Die langfristige Unterdrückung der Viruslast führt auch dazu, dass es zu keinen weiteren Infektionen mit HIV kommen kann.

„Um 89 Prozent wirksamer“
Die Therapie ist aber nur ein Punkt. Mit dem HIV-Integrase-Hemmer Cabotegravir könnte nämlich auch eine wirksamere Möglichkeit zur medikamentösen Prophylaxe neuer Infektionen mit dem Aids-Erreger zur Verfügung stehen. Die Ergebnisse einer klinischen Studie wurden von UNAIDS als großer Erfolg gefeiert. Die lang wirksamen Injektionen zur Verhinderung von HIV seien „um 89 Prozent wirksamer als die tägliche Tabletteneinnahme“ gewesen. „Das hier könnte ein ,Game Changer‘ sein“, erklärte UNAIDS-Generaldirektorin Winnie Byanyima.

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