19.11.2020 06:00 |

„Opus Magnum“

Opus: Progressiv in die verdiente Musikpension

Wenn am 21. Dezember 2021 in der Grazer Oper der letzte Konzertton verklingt, dann werden die Austropop-Legenden Opus ihre wohlverdiente Pension antreten. Bis dorthin gibt es aber noch viel zu tun und mit dem Doppelalbum „Opus Magnum“ geben die Steirer noch ein kräftiges Lebenszeichen von sich. Ewald Sunny Pfleger und Herwig Rüdisser beleuchteten im Gespräch mit uns ihre einzigartige Karriere.

„Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei“ sang Stephan Remmler 1986 und sagte Austropop-Legende Gert Steinbäcker im „Krone“-Interview 2020. Was für das erfolgreiche STS-Drittel noch nicht gilt, trifft auf seine steirischen Kollegen von Opus zu. Nach 48 Jahren schlagen Ewald Sunny Pfleger, Herwig Rüdisser und Co. am 21. Dezember 2021 in der Grazer Oper den letzten Nagel in den Bandsarg. Dass der endgültige Abschied, den Pfleger im August online angekündigt hat, nun so schnell kommt, ist nicht ganz freiwillig gewählt. „Der Krankenhausaufenthalt nach meiner Herz-OP 2019 hat natürlich Spuren hinterlassen“, erklärt Sänger Rüdisser im Gespräch mit der „Krone“, „wenn du mit sechs Schläuchen im Bett liegst und wie ein Marsmensch aussiehst, dann kommt dir unweigerlich der Gedanke, dass es vielleicht auch mal genug ist. Dass du weniger Zeit vor dir hast, als du hinter dich gebracht hast. Diesen Gedanken habe ich den Kollegen dargelegt, wir haben darüber gesprochen und beschlossen, mit einer Tour und einem neuen Album abzutreten.“

Zeitlose Kompositionskunst
Opus zählen mit STS und der EAV zum goldenen Triumvirat des steirischen Austropop, das Mitte der 80er-Jahre seine Glanzzeit hatte und die Charts eroberte. Dass Opus dabei immer wieder auf ihren Welthit „Live Is Life“ reduziert wurden, stört die Band auch 35 Jahre nach der Veröffentlichung nicht. Wie gut sie noch heute im Saft steht beweist nicht zuletzt der Doppeldecker „Opus Magnum“, der auf CD eins brandneue Nummern und auf CD zwei unveröffentlichte Songs und Songversionen von diversen Klassikern aufbietet. Als Bindeglied zwischen beiden Soundwelten dient „We’ve Seen It All“, das einmal in der 1992er und einmal in der 2020er-Version bereitgestellt wird. „Ein Direktvergleich der zeigt, wie zeitlos unsere Kompositionen sind“, erklärt Pfleger. Und fürwahr - die neuen Opus-Songs bündeln die Stärken der Band aus der Vergangenheit mit dem ehrlichen Interesse für die Themen der Gegenwart. Etwa die Nummern „Into The Future“ oder „Greta“, die sich mit klimatischen Themen beschäftigen.

„Dass man uns immer als unpolitische Partyband hingestellt hat, das ist in erster Linie eine Sache der Medien“, präzisiert Rüdisser, „für sie waren wir immer die braven Buben aus der Steiermark. John Lennon hat aber auch nicht sein ganzes Leben lang ,I Wanna Hold Your Hand‘ gesungen.“ Für Pfleger ist die Kategorisierung in die Partynische verständlich: „Natürlich wird man in so eine Richtung gestoßen, wenn man einen Riesenhit schreibt. Aber schon auf dem Album ,Opusition‘ waren wir Jahre vor ,Live Is Life‘ politisch unterwegs. Wir alle leben auf dieser Welt und haben natürlich Augen und Ohren offen. Wer kann denn heute an Themen wie Fake News und Klimaschutz vorbeischauen? Greta Thunberg ist für uns das lebende Beispiel dafür, dass ein einzelner Mensch etwas ins Rollen bringen kann.“ Rüdisser pflichtet seinem Bandkollegen bei: „Jedes Jahr wird im Amazonas eine Fläche in der Größe der Schweiz verbrannt und nichts passiert. Alle tun so, als würde es sie nichts angehen, dabei ist diese Schieflage seit Jahrzehnten bekannt. Greta kämpft in ihren Reden gegen Windmühlen.“

Langzeitgedächtnis
Das Herzblut und Engagement haben sich Opus aber nicht nur für politische Themen, sondern für die Musik im Generellen bewahrt. Nur so ist es zu erklären, dass Songs wie „Opusphere“, die Single „Made My Day“ oder „Halfway Done“ derart viel Lebensfreude und Kampfgeist versprühen. Der Abtritt von der großen Austropop-Bühne soll eben ein würdiger sein. Warum denn nicht eigentlich gleich 2023 aufhören, wenn man den 50. Geburtstag feiern würde? „Wir haben schon so viele runde Geburtstage gefeiert, dass es darum wirklich nicht mehr geht“, lacht Pfleger, „48 Jahre als Band unterwegs zu sein schaffen auch nicht alle.“ „Opus Magnum“ dient mitunter auch als Beweis dafür, dass Opus sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen wollen. „An zwei Tracks auf der ,History‘-Scheibe konnte ich mich gar nicht erinnern“, lacht Rüdisser, „,Watching The Rain Fall, eine wunderschöne Nummer mit Geigen und ,Tihama Roads‘. Wer hat denn da die Akustikgitarre gespielt?“ Den Abschlusstrack „No End In Sight“ kann Rüdisser nicht wissen, wie Pfleger lacht, denn „da war der Herwig noch gar nicht bei uns. Er kam 1978 in die Band, die Nummer haben wir 1977 in Fürstenfeld eingespielt.“

Ohne Nostalgie geht es freilich nicht, dafür ist schlussendlich nicht nur der Abschied, sondern auch eine derart erfolgreiche Karriere verantwortlich. Der Erfolg von „Live Is Life“ hat der Band nicht nur die künstlerische, sondern auch eine gewisse finanzielle Freiheit erspielt. „Wir haben immer davon geträumt, als Musiker in Österreich unseren Lebensunterhalt verdienen zu können“, erklärt Pfleger, „und das hat funktioniert. Aber von nichts kommt nichts. Wir haben sehr viele Songs komponiert und insgesamt 16 Alben veröffentlicht. Ohne unsere Produktivität und die vielen Auftritte hätten wir es nie so weit gebracht.“ Mitte der 80er-Jahre, lange vor dem Internet, waren die Erfolgswege oft noch unergründlich. So landete „Live Is Life“ anfangs in Österreich, dann in Deutschland und später in Frankreich auf Platz eins der Charts. „Vier Jahre später waren wir auf eins in Ägypten“, lacht der Gitarrist, „das war aber auch ein Vorteil. Ohne Internet war die Welt nicht so schnelllebig und ein Song konnte sich festsetzen. Davon haben wir sicher profitiert.“

Falco in der Peripherie
„Live Is Life“ hat unglaubliche Streaming-Zugriffe aus Mexiko, einst tanzte Fußballlegende Diego Maradona dazu und der Song wird immer wieder für Film, Fernsehen und Werbung angefragt. Ein Evergreen, der auch knapp vier Dekaden nach seiner Entstehung nichts von seiner Magie und seinem Erfolg verloren hat. „Der Austropop war damals am Gipfel und der Zeitpunkt spielte uns sicher in die Hände. Nicht nur die steirischen Bands hatten Erfolg, Falco hat mit ,Rock Me Amadeus‘ Amerika erobert. Wir hatten unseren Durchbruch schon mit ,Flyin‘ High‘ vom Album ,Eleven‘, aber klar, einen solchen Welthit schreibt man, wenn überhaupt, nur einmal im Leben.“ Der gute Freund Falco hätte einst fast in Sunny Pflegers Studio im steirischen Judendorf-Straßengel aufgenommen. „1993 hatten wir in Graz die Release-Party unseres Livealbums ,Jubilée‘ und Falco war da. Er wollte dann mit mir aufnehmen und ich habe ihm sogar ein Zimmer reserviert, aber in der Nacht erfuhr er, dass er nicht der Vater seiner Tochter Katharina wäre und flüchtete in die Dominikanische Republik. Er hat dann alles Besprochene vergessen, aber so spielt das Leben manchmal.“

Auch wenn Pfleger des Öfteren in Interviews betont, er wäre mitunter gefragt worden, ob es die Band denn überhaupt noch gäbe, waren Opus nie weg vom Fenster. Mit Freude und Beharrlichkeit spielte man einzelne Spezialshows, tourte quer über den Globus und schrieb immer wieder neue Lieder. Nur Japan ist sich nicht nie ganz ausgegangen, doch dort will Rüdisser zumindest in der Musikrente hin. „Wenn ich hoffentlich gesund bleibe und die Corona-Krise vorbei ist, kaufe ich mir eine Kamera und reise. Ich will nach Japan, Afrika genauer sehen und wer weiß, vielleicht schreibe ich auch meine Opus-Memoiren. Natürlich ohne die anderen“, lacht er verschmitzt. Pfleger hat von der Arbeit noch lange nicht genug. „Ich habe in Judendorf mein Studio, in dem auch schon mein Sohn Paul fleißig mitarbeitet, produziert und nebenbei sein eigenes Soloalbum fertigstellt. Zudem habe ich mit Freunden und Bekannten immer wieder Auftritte im kleineren Rahmen und da ich den Opus-Verlag betreue, ist jeden Tag was zu tun.“ Und wenn nach dem offiziellen Ende noch Angebote für einzelne Spezialgigs reinflattern? „Dann werden wir den Herwig in Japan oder der Südsee suchen und er wird sagen, dass wir lieber noch ein Jahr warten sollten.“

Live-Termine 2021
So es die Corona-Situation zulässt, haben Opus in ihrem Abschlussjahr 2021 noch einiges vor. Zu den Liveterminen zählen u.a. das Open-Air am 18. Juni daheim am Judendorfer Hauptplatz, ein Auftritt beim „Picture On“-Festival am 13. August in Bildein, und die abschließenden „Opus & Friends & Orchester“-Konzerte am 16. Dezember in der Wiener Stadthalle F und am 20. und 21. Dezember in der Grazer Oper. Alle weiteren Infos dazu unter www.opus.at.

Robert Fröwein
Robert Fröwein
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