14.11.2020 06:00 |

Personal am Limit

Coronavirus hat sich in Pflegeheimen festgesetzt

Das Personal ist bereits am Limit, gleichzeitig nimmt die Zahl der Fälle zu, immer weniger Cluster sind nachvollziehbar. In den Alters- und Pflegeheimen wird das Coronavirus zum immer größeren Problem.

Exakt 1859 Bewohner und 1061 Mitarbeiter sind laut Gesundheitsministerium - mit Stand Dienstag, neuere Zahlen liegen noch nicht vor - positiv auf das Virus getestet. Die Zahlen steigen derart rapide, dass in vielen Fällen kaum noch nachvollziehbar ist, wie das Virus durch die vermeintlich geschützten Türen gelangen konnte. So komme es auch bei der AGES zu Verzögerungen der Cluster-Analysen, wie ein Sprecher bestätigt.

Hohe Sterblichkeit
Dabei ist die Sterblichkeit mit 13,1 Prozent bei Menschen über 85 laut AGES weitaus am höchsten. Alleine in den vergangenen zwei Wochen starben mehr als 180 Seniorenheimbewohner am Coronavirus. Die Bundesländer verschärfen deshalb der Reihe nach die vom Bund verordneten Schutzmaßnahmen. In Oberösterreich und Kärnten gilt ein generelles Besuchsverbot, in der Steiermark steht die eigens für die Altersheime geschaffene Corona-Ampel auf Rot. In Tirol, wo zum Ende der Woche 136 Mitarbeiter sowie 164 Bewohner infiziert waren, arbeitet man aktuell an einer Ausweitung der geltenden Schutzverordnung.

Drei Millionen Tests für Mitarbeiter bestellt
Ein Zugang, der vom Bund durchaus erwünscht scheint. „Die Behörden können regional zusätzliche Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie setzen“, hieß es auf Nachfrage. Unbeantwortet blieb hingegen die Frage, ob die derzeit geltenden Schutzmaßnahmen nicht ausreichen. Das Gesundheitsministerium verwies auf die wöchentlichen Testungen von Mitarbeitern und Bewohnern. „100.000 Antigen-Tests wurden bereits ausgeliefert, und drei Millionen wurden bestellt“, hieß es dazu. Die Auslieferungen würden gut funktionieren, sollten in einzelnen Heimen die Tests dennoch nicht in ausreichender Zahl verfügbar sein, könnten Mitarbeiter alternativ auch durchgehend adäquate Atemschutzmasken tragen, so das Ministerium.

Oberösterreich schlägt Alarm
Doch Personalvertreter aus dem Kranken- und Pflegebereich in Oberösterreich, wo die Situation mit mehr als 400 infizierten Bewohnern und knapp 400 infizierten Mitarbeitern besonders dramatisch ist, schlugen bereits am Donnerstag Alarm. Das Personal sei am Limit. Die Senioren würden nun oft länger im Heim bleiben, bevor sie ins Krankenhaus kommen, bzw. früher wieder von dort zurückgeschickt - wohl um Spitalskapazitäten zu sparen, vermutet Stefan Bauer, Zentralbetriebsratsvorsitzender des Sozialhilfeverbandes Linz-Land. Das mache die Arbeit in den Heimen noch herausfordernder. Zumal durch die hohen Zahlen an Infizierten immer mehr Personal ausfällt.

„Ältere Menschen schützen“
„Es muss alles getan werden, um den größtmöglichen Schutz der vulnerablen Bevölkerungsgruppen, also älterer Menschen und solcher mit Vorerkrankungen, sicherzustellen - sowohl in den Alten- und Pflegeheimen als auch in der ambulanten Betreuung“, betonte indes der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter. Um die Pandemie zu bekämpfen, müsse ein Hauptaugenmerk darauf gerichtet werden.

Das hätte eigentlich seit Beginn der Pandemie passieren sollen, nun ist die Ausbreitung in Heimen weitaus schlimmer als befürchtet. Ob ein Voll-Lockdown der Entwicklung Einhalt gebieten kann, ist ungewiss. Mehr als 550 Bewohner von Altersheimen starben in Österreich seit Beginn der Pandemie.

Anna Haselwanter, Kronen Zeitung

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