01.11.2020 07:00 |

Interview-Serie:

Nicht der Weg alleine ist das Ziel!

Im zweiten Teil der neuen Interview-Serie „Mit eigenen Augen“: Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil. Dieser schwört auf die „Blutdruckmethode“ und erklärt warum Mountainbiken Ausdruck seines Weltzugangs ist. Vier Bilder zeigen das Denken und Handeln Doskozil.

Herr Landeshauptmann, dein erstes Foto könnte an vielen Orten dieser Welt entstanden sein, aber auch am Geschriebenstein

Es ist tatsächlich der Geschriebenstein. Das Foto fasziniert mich, weil es zeigt, was für tolle Plätze wir im Burgenland haben. Vor allem in Corona-Zeiten eine wertvolle Erkenntnis.

Könntest du dir deine Heimat auch außerhalb des Burgenlandes vorstellen?

Heimat ist ein relativer Begriff. Heimat ist zunächst dort, wo man geboren ist. Aber es ist mehr: Beruf, Freunde, die Familie, alles, wodurch man sich wohlfühlt. Wenn sich das alles auf einen Punkt fokussiert, ist das ideal. Dieser Punkt ist bei mir das Burgenland.

Zum Wohlfühlen gehören auch Freizeit und Zweisamkeit – dabei gerät man ins Schwitzen, wie Foto Nummer zwei zeigt

Da waren wir auf einer Radtour in Julias Heimat. Das Bild steht für Gemeinsames: ein gemeinsames Hobby, der gegenseitige Ansporn, aber auch dafür, gemeinsam durch die verschiedenen Facetten des Lebens zu gehen. Im Fall von Julia, mit mir die Operationen an der Stimme durchzustehen oder Berufliches zu meistern. Es geht darum, in allen Herausforderungen immer wieder Ziele zu definieren und zu verfolgen.

Am nächsten Foto bestechen zwei Dinge: zum einen deine hübschen Kinder, zum anderen die penible Ordnung im Stifteköcher. Darf man auch das dir zuschreiben?

Die Ordnungswut im Stifteköcher ist den perfekten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern meines Büros zuzuordnen. Mir geht es eher darum, Ziele zu verfolgen, weniger um einzelne Facetten des Weges. Ich vertrete die „Blutdruckmethode“, wie mein Büroleiter es nennt. Das heißt: 120 zu fordern und 80 zu bekommen. Die Menschen um mich herum dorthin mitzunehmen ist mir wichtiger als Details am Wegrand.

War das auch in der Kindererziehung so?

Ja. Ich habe strebsame, brave Kinder, auf die ich stolz bin. Tochter Laura studiert Jus. Ziel ist, das Studium abzuschließen. Wenn da mal eine Note kein Sehr gut ist, ist das kein Weltuntergang. Dasselbe gilt für Sohn Lukas. Er hat letztes Jahr die Matura gemacht, daneben als DJ gejobbt. Auch er hat seine Ziele nicht aus den Augen verloren.

Letztes Bild: Etwa der neue Rapid-Kirchenchor für das Burgenland?

Diese Herren rund um Pfarrer Franz Brei haben intensivst „40 Jahre Córdoba“ gefeiert und das Weltmeisterschaftslied „Buenos dias, Argentina“ gesungen. Es war das symbolträchtigste, wichtigste Match des vorigen Jahrhunderts, 3:2 gegen Deutschland, 21. Juni 1978, mit zwei Toren des Jahrhundert-Rapidlers Krankl! Pfarrer Brei war sofort mit dabei, und das zeigt mir die Bereitschaft der Kirche, eng zu den Menschen, in die Mitte der Gesellschaft zu rücken und sich nicht auf die Institution zu reduzieren.

Dir ist die Kirche wichtig...

Seit meiner Kindheit. Ich hatte Vorbilder. Meine Oma hat täglich den Rosenkranz gebetet. Pfarrer Steiger in Grafenschachen hat mich durch die Volksschule begleitet. Einmal sagte ich in der Klasse: „Herr Pfarrer, wenn Sie einmal nicht mehr sind, dann mach ich das!“ Dazu ist es nicht gekommen. Aber ich bin Christ, ich lebe als Christ, vielleicht nicht so stark wie andere, aber dazu bekenne ich mich auch.

Wir erleben gerade global einen Verlust gesellschaftlicher Mitte. Angenommen, es gäbe einen Weltstaat – wer wäre der geeignete Regierungschef?

Die Person müsste erst erfunden werden. Ich würde sagen, eine Mischung aus Bruno Kreisky und Angela Merkel. Nicht optisch, aber inhaltlich (lacht). Also eine Persönlichkeit, die die Mitte der Bevölkerung in all ihren Facetten abdeckt und nicht polarisiert.

Kronen Zeitung

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