24.09.2020 07:24 |

Nach Gerichtsentscheid

Polizisten bei Protest in Louisville angeschossen

Weil die Justiz im US-Bundesstaat Kentucky die Entscheidung gefällt hat, keine Polizisten für den Tod der schwarzen Amerikanerin Breonna Taylor zur Rechenschaft zu ziehen, sind in Louisville und anderen US-Städten am Mittwochabend Ortszeit erneut Tausende Menschen aus Protest auf die Straße gegangen. Bei der heftigen Demonstration gegen Polizeigewalt und Rassismus wurden zwei Polizisten angeschossen. Die Beamten sind laut Angaben der Exekutive nicht in Lebensgefahr, ein Verdächtiger befindet sich in Haft.

Bereits nach Bekanntwerden der unter anderem von Hollywoodstar George Clooney „beschämend“ genannten Justizentscheidung verhängte der Bürgermeister von Louisville den Ausnahmezustand und eine nächtliche Ausgangssperre ab 21 Uhr. Tausende Menschen gingen dennoch auf die Straßen, um ihrer Empörung Ausdruck zu verleihen. Mehrere von ihnen wurden bei den Protesten festgenommen, wie Fernsehbilder zeigten, unter ihnen auch der Verdächtige, der die beiden Polizisten durch die Schüsse verletzt haben soll. Die Beamten dürften den Angriff überlebt haben.


Die Empörung der Demonstranten war ausgelöst worden, weil die Justiz von Kentucky zuvor auf eine Anklageerhebung gegen Polizisten wegen der tödlichen Schüsse auf Taylor verzichtet hatte. Die Rettungssanitäterin war am 13. März von weißen Polizisten in ihrer eigenen Wohnung in der Stadt getötet worden. Zwar gab es eine Anklageerhebung gegen einen bereits entlassenen Polizisten, aber nicht wegen der Schüsse auf die 26-Jährige, sondern wegen „fahrlässiger Gemeingefährdung des Lebens anderer“ - wegen Schüssen in der Wohnung neben der von Taylor. Dort hielten sich zum Zeitpunkt des nächtlichen Polizeieinsatzes drei Menschen auf. Sie blieben unverletzt.

Freund der 26-Jährigen glaubte an Überfall und schoss
Zwei andere Polizisten, die auf die 26-Jährige gefeuert hatten, bleiben hingegen von der Staatsanwaltschaft unbehelligt. Cameron sagte, die beiden hätten in Notwehr und damit rechtmäßig gehandelt, nachdem Taylors Freund auf sie geschossen habe. Sie könnten deswegen nicht juristisch belangt werden. Die drei Beamten in Zivil hatten Taylors Wohnung bei einer Drogenrazzia gestürmt. Taylors Freund, der mit der 26-Jährigen im Bett lag, glaubte nach eigenen Angaben an einen Überfall, gab mit seiner Waffe einen Schuss ab und verletzte einen Beamten. Die drei Polizisten feuerten daraufhin ihre Dienstwaffen ab.

Laut Kentuckys Generalstaatsanwalt Daniel Cameron wurde die neben ihrem Freund stehende Taylor von sechs Kugeln getroffen, von denen eine tödlich war. Ihr Freund blieb unverletzt. Offenbar trafen nur der verletzte Beamte und der neben ihm stehende Polizist die junge Frau, nicht aber der nun angeklagte Hankison. Drogen wurden in der Wohnung nicht gefunden.

Demonstrationen gegen die Justizentscheidung zum Fall Taylor fanden auch in zahlreichen anderen US-Städten statt, von Boston, New York und Washington an der Ostküste bis Los Angeles an der Westküste.

In den USA finden seit Monaten landesweite Proteste gegen Rassismus und exzessive Polizeigewalt statt. Sie waren durch den Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz Ende Mai in Minneapolis im Bundesstaat Minnesota ausgelöst worden. Während der Proteste wurden immer wieder auch Taylors Bild gezeigt und ihr Name genannt.

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