14.09.2020 13:04 |

„Nichts zu verteilen“

Metaller-Arbeitgeber wollen keine KV-Verhandlungen

Die Metalltechnische Industrie erwartet aufgrund der Corona-Krise heuer den größten Produktionseinbruch seit dem Zweiten Weltkrieg. Beim Start der Metaller-KV-Verhandlungen am 24. September wollen die Arbeitgeber über eine Verschiebung diskutieren. Die Gewerkschaft fordert hingegen einen raschen Abschluss mit „nachhaltigen Lohn- und Gehaltserhöhungen“.

„Aus wirtschaftlicher Sicht wäre es am sinnvollsten, die Lohnverhandlungen in das nächste Jahr zu verschieben“, sagte der Obmann des Fachverbands Metalltechnische Industrie (FMTI), Christian Knill, am Montag. „Wir sind in einer absoluten Ausnahmesituation und müssen gemeinsam aus dieser Krise finden“, so der FMTI-Obmann. Es gebe „heuer nichts zu verteilen, nur Sorgen“. Knill verwies auf Deutschland, wo die Tarifgespräche in der Metall- und Elektrobranche wegen der Coronapandemie heuer unterbrochen wurden. In Österreich wurden die Metaller-KV-Verhandlungen bisher noch nie verschoben.

„Kaufkraft der Menschen sichern“
Die Gewerkschaften PRO-GE und GPA-djp wollen beim Start der Metaller-KV-Verhandlungen am 24. September mit einem coronabedingt verkleinerten Verhandlungsteam das Forderungsprogramm überreichen und damit die Herbstlohnrunde einläuten. „Aufgrund der Wirtschaftskrise geht es heuer vor allem um den Erhalt von Arbeitsplätzen. Für einen raschen Kollektivvertragsabschluss sind aber nachhaltige Lohn- und Gehaltserhöhungen notwendig, um die Kaufkraft der Menschen zu sichern“, so die beiden gewerkschaftlichen Chefverhandler, Rainer Wimmer (PRO-GE) und Karl Dürtscher (GPA-djp).

Die Gewerkschaft will keine Verschiebung oder Aussetzung der KV-Verhandlungen akzeptieren. „Eine Nulllohnrunde kommt nicht in Frage. Das wäre in der jetzigen Situation das Schlechteste für die wirtschaftliche Entwicklung“, hieß es von den beiden Arbeitnehmervertretern. „Faire Lohn- und Gehaltserhöhungen sind das beste Mittel, um die Kaufkraft zu sichern und eine gesamtwirtschaftliche Abwärtsspirale zu verhindern“. Die Gewerkschafter verwiesen auf „die guten Erfahrungen mit den Kollektivvertragsabschlüssen in der letzten Wirtschaftskrise“.

„Corona-Krise wirft Branche um mehr als 10 Jahre zurück“
Die Corona-Krise lässt die Produktion der Metalltechnischen Industrie heuer voraussichtlich um ein Fünftel einbrechen und trifft die Unternehmen stärker als die Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09. „Die Corona-Krise wirft unsere Branche um mehr als 10 Jahre zurück. Derzeit erwarten wir für 2021 ein Produktionsniveau, das wir im Jahr 2010 hatten“, sagte Knill. Man werde drei bis vier Jahre brauchen, „um wieder auf das Niveau von 2019 zu kommen, so es keine weitere Krise gibt“.

Die Corona-Kurzarbeit hat den krisenbedingten Beschäftigungsabbau in der Metalltechnischen Industrie verlangsamt, bis Mai sank die Beschäftigung aber bereits um 4,1 Prozent. Arbeitgeber-Vertreter Knill rechnet „für die nächsten Monate und Jahre mit großen Problemen für die Betriebe und in Folge auch für die Arbeitsplätze“. Aktuell nutzen 50 Prozent der Unternehmen der Metalltechnischen Industrie die Corona-Kurzarbeit, rund 42.000 Beschäftigte sind davon betroffen.

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