13.09.2020 06:00 |

Album „American Head“

The Flaming Lips: Schönklang statt großem Chaos

Im Laufe ihrer reichhaltigen Karriere sind die Flaming Lips einige Male mutig abgebogen, doch kurz vor dem 40. Bandgeburtstag scheinen Frontmann Wayne Coyne und Co. wieder in eingängigere Gefilde abzubiegen. Das lässt zumindest das neue Album „American Head“ vermuten.

Als Live-Band sind The Flaming Lips immer genial. Ballons und Konfetti, Lichteffekte und als Krönung ein weißes (Pappmaché-)Einhorn, auf dem Sänger Wayne Coyne durch die Menge reitet - wer je eine solche Show erlebt hat, wird sie nicht vergessen. Schnell vergessen kann man indes einige der jüngeren Studioalben der US-Band. Nun besinnt sich die Experimental-Truppe wieder auf ihre Pop-Qualitäten.

Knüpft an die Vergangenheit an
„American Head“ knüpft mit epischen Melodien und Coynes berührendem Falsettgesang bei Lips-Meisterstücken wie „The Soft Bulletin“ (1999) oder „Yoshimi Battles The Pink Robots“ (2002) an. Man erkennt in den 13 neuen Liedern stärker denn je Einflüsse von Progressive-Rockern wie Pink Floyd (deren ikonisches Album „The Dark Side Of The Moon“ sie vor zehn Jahren komplett coverten) oder Yes (an deren Frontmann Jon Anderson Coynes helle Stimme enorm erinnert).

In den Texten liegen drogeninduzierte Visionen („Mother I‘ve Taken LSD“, „At The Movies On Quaaludes“) und kindliche Fantasy-Elemente („Dinosaurs On The Mountain“) nah beieinander - auch dies kennt man von den besten Alben dieser US-Band. Wie empathisch diese so wunderlichen Musiker aber jenseits aller Kiffer-Attitüde sind, zeigen Titel wie „Mother Please Don‘t Be Sad“ und das abschließende „My Religion Is You“. Da steckt ganz viel Herzenswärme drin.

Bis zum Ende stimmig
Wer von chaotischen Machwerken wie „Oczy Mlody“ (2017), „7 Skies H3“ (2014) oder „The Terror“ (2013) genervt war und das jüngste Album „King‘s Mouth“ (2019) immerhin als Schritt in die richtige Richtung empfand, darf also aufatmen. Anhänger der schrill avantgardistischen frühen Lips-Jahre könnten zwar ein Übermaß an sinfonischem Bombast und Wohlklang bemäkeln. Doch für später hinzugekommene Fans ist “American Head" eine Wohltat: endlich mal wieder eine von der ersten bis zu letzten Minute stimmige, spannende Platte.

Schade nur, dass es wegen der Corona-Pandemie mit der Live-Umsetzung dieser prächtigen Songs noch ein bisschen dauern wird. Es dürfte wieder ein großes Flaming-Lips-Spektakel werden.

 Wien Krone
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