25.08.2020 06:00 |

„Chaos, Korruption“

Ex-Konsul: Flucht von Mali bis ins Weinviertel

Der Österreicher Peter Klein war 40 Jahre lang in Afrika. Er war an Geiselbefreiungen beteiligt, begleitete Politiker, lieferte sich Gefechte mit Islamisten und war 15 Jahre Honorarkonsul in Mali. Nun wartet er in Dürnkrut darauf, dass er wieder zurückkehren kann. Und er berichtet über gefährliche Entwicklungen.

Der Weinviertler Peter Klein spricht wehmütig über seine zweite Heimat Mali. „Chaos. Korruption, Kämpfe mit Islamisten. Die Menschen haben kaum zu essen.“ Es gab einen Militärputsch, Präsident Ibrahim Boubacar Keita ist gestürzt, die Junta will eine Übergangsregierung bilden.

„Die Soldaten bekamen keinen Sold“
„Die Soldaten bekamen keinen Sold. Das ist nie gut“, sagt Klein, der bestens vernetzt ist mit dem Militär, aber auch mit allen anderen Big Playern in Mali. Er kennt auch den Präsidenten persönlich. Dessen Sohn Karim habe die Fäden gezogen, rauschende Partys gefeiert. Dann wollte er eine Milliarde Euro nach Frankreich schleusen. An der Grenze sei dies aufgeflogen. „Das war ein Riesenskandal.“

Frühstück mit Franz Beckenbauer
40 Jahre war Klein in Mali, wo er ein Promi ist. Der „Bamako-Peter“ machte Geschäfte, verdingte sich auch als Söldner. Jetzt ist der 72-Jährige in seiner alten Heimat. Im vergleichsweise wenig spektakulären Dürnkrut an der March. „Es war zu gefährlich in Mali. Ich konnte mit einer Militärmaschine raus.“ Klein war 15 Jahre Österreichs Honorarkonsul. Er befreite Geiseln, begleitete Politiker, frühstückte mit Franz Beckenbauer (der warb in Afrika für die WM in Deutschland 2006), baute einen Flughafen. Es gab Ärger mit Islamisten. „Wir haben zurückgeschossen. Mit denen kann man nicht verhandeln“, sagt der Österreicher, der mehrfach nur knapp Terroranschlägen entging.

„Fällt Mali, fällt ganz Westafrika“
Tatsächlich sorgen Islamisten für Destabilisierung. Klein: „Fällt Mali, fällt ganz Westafrika.“ Die UN-Truppen seien zu schwach. „Die Franzosen müssen Druck machen. Es braucht ordentliche Wahlen.“ Er selbst wartet ab, will aber wieder zurück. „Was ich besitze, ist in Mali. Und dort habe ich mehr Zeit verbracht als in Dürnkrut.“

Erich Vogl, Kronen Zeitung

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