21.08.2020 07:44 |

Erschütternder Clip

Polizeieinsatz in Zelle endet für Häftling tödlich

Ein Video aus Belgien weckt Erinnerungen an den international bekannten Fall von George Floyd, der in den USA bei einem Polizeieinsatz getötet worden war: Nach seiner Festnahme saß ein Polizist 16 Minuten auf der Brust von Jozef Chovanec in einer Arrestzelle, der Slowake starb kurz darauf. Eine Beamtin zeigte während des Einsatzes den Hitlergruß. André Desenfants, Nummer zwei in der Polizeihierarchie, legte am Donnerstag für die Dauer der Ermittlungen sein Amt nieder.

Die Tragödie ereignete sich bereits im Februar 2018, doch erst jetzt wurde das Video von einer belgischen Tageszeitung veröffentlicht. Der 38-Jährige war aus einem Flugzeug im Flughafen von Charleroi abgeführt worden, weil er sich geweigert hatte, beim Boarding sein Ticket vorzuzeigen. Weiter ist in dem Video zu sehen, wie Chovanec seinen Kopf gegen die Wand schlägt, bis sein Gesicht stark blutet.

16 Minuten auf Häftling gesessen
Später betraten mehrere Polizeibeamten die Zelle, um Chovanec Handschellen anzulegen. Als er sich weiterhin nicht beruhigte, kehrten die Beamten zurück und hielten ihn fest. Einer der Polizisten setzte sich dabei 16 Minuten lang auf die Brust des Mannes. Zu sehen ist auch eine Polizistin, wie sie in der Zelle tanzt und den Hitlergruß zeigt. Chovanec kam anschließend ins Krankenhaus, wo er am nächsten Tag nach offiziellen Angaben an einem Herzinfarkt starb.

Polizei-Leiter „tief“ getroffen und „schockiert“
Desenfants, Leiter des vor allem für das Transportwesen zuständigen Generaldirektorats der Verwaltungspolizei, sagte auf einer Pressekonferenz, dass die Aufzeichnungen ihn „tief“ getroffen und „schockiert“ hätten. Er werde sein Amt ruhen lassen, solange eine interne Ermittlung laufe. Das Video habe er vorher nicht gekannt.

Gegen die betroffenen Beamten würden disziplinarische Maßnahmen eingeleitet, teilte das belgische Innenministerium mit. Die Beamtin, die den Hitlergruß gezeigt habe, sei strafversetzt worden. „Wir werden auch herausfinden müssen, warum diese Aufnahmen nie an die höchsten Instanzen weitergeleitet wurden“, sagte der Sprecher Erik Eenaerts.

Ehefrau veröffentlichte Video
Publik wurde der Fall von Chovanec nur, weil seine Ehefrau Henrieta Chovancova das Video gegen den Rat ihrer Anwälte veröffentlicht habe, wie diese mitteilten. Chovancova habe sich nicht davon abhalten lassen, da sie wegen der inzwischen seit zwei Jahren andauernden Ermittlungen frustriert sei. „Unsere Mandantin wollte diese Bilder der Welt zeigen, weil sie kein Vertrauen in die strafrechtlichen Ermittlungen hat“, sagte einer ihrer Anwälte.

Sie sei traurig, sagte Chovancova der belgischen Zeitung „De Morgen“. Die Behörden hätten versucht, den Tod ihres Mannes „unter den Teppich zu kehren, als ob er Müll wäre, der verschwinden musste“, sagte sie. Über das Video hatte zuerst die belgische Zeitung „Het Laatse Nieuws“ berichtet.

Fall George Floyd löste weltweite Proteste aus
Der Vorfall erinnert an den Tod des Afroamerikaners George Floyd in der US-Stadt Minneapolis Ende Mai. Er war gestorben, nachdem ihm ein Polizist fast neun Minuten lang das Knie in den Nacken gepresst hatte. Der Fall hatte weltweit Anti-Rassismus-Proteste ausgelöst.

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