Atomzwist neu entfacht

Trump will Snapback gegen Iran aktivieren

Ausland
20.08.2020 01:16

Im Ringen um das Schicksal des Wiener Atomabkommens mit dem Iran wollen die USA die Wiedereinsetzung aller UNO-Sanktionen aus Zeiten vor dem Deal erzwingen. Er habe US-Außenminister Mike Pompeo dazu angewiesen, den sogenannten Snapback-Mechanismus im UNO-Sicherheitsrat auszulösen, sagte US-Präsident Donald Trump am Mittwoch. „Meine Regierung wird nicht zulassen, dass diese nukleare Situation im Iran weitergeht. Sie werden niemals eine Atombombe haben“, sagte Trump.

Beim Snapback-Mechanismus handelt es sich um eine Möglichkeit für die Staaten des Atomabkommens von 2015, iranische Regelverstöße vor dem UNO-Sicherheitsrat anzuprangern. Damit kann innerhalb von 30 Tagen die Wiedereinsetzung aller internationalen Sanktionen aus der Zeit vor der Einigung erzwungen werden - ohne dass andere Mitglieder dies mit einem Veto verhindern könnten. Es ist heftig umstritten, ob die Vereinigten Staaten zur Veranlassung der Sanktionen berechtigt sind, weil die Trump-Regierung 2018 aus dem Atomabkommen ausgestiegen ist.

USA bei dem Thema im UNO-Sicherheitsrat weitgehend isoliert
Dem mächtigsten UNO-Gremium steht nun eine Zerreißprobe bevor. Die Amerikaner sind der Auffassung, dass für den Snapback die Nennung der USA in der UNO-Resolution ausreicht, die das Atomabkommen in internationales Recht übersetzt. Die meisten Länder im Sicherheitsrat und auch die EU sehen das aber anders. Ein am Freitag mit nur zwei von 15 Ja-Stimmen abgeschmetterter Vorschlag der Amerikaner für eine Verlängerung des Waffen-Embargos für den Iran zeigte, dass die USA bei dem Thema im Sicherheitsrat weitgehend isoliert sind. Westliche Diplomaten kündigten an, dass viele Staaten einen von den USA ausgelösten Snapback faktisch ignorieren könnten.

Das im Atomabkommen, das 2015 in Wien geschlossen wurde, festgelegte Prozedere für den Fall des Snapback besagt, dass der UNO-Sicherheitsrat nach dem Auslösen des Mechanismus eine Frist von 30 Tagen hat, um das Auslösen rückgängig zu machen und das „Zurückschnappen“ der Sanktionen zu verhindern - dies wiederum könnte von einer Vetomacht wie den USA aber verhindert werden. Experten vermuten, dass es bis Mitte September, nachdem die 30 Tage vorbei sind und der Snapback aus US-Sicht vollendet sein müsste, wenig Bewegung im Rat gibt. Was die USA in dem Fall tun werden, ist unklar.

Trump passt Snapback gut in den Wahlkampf
Eine Wiedereinsetzung aller UNO-Sanktionen gegen den Iran würde das faktische Ende des Atomabkommens bedeuten. Die UNO-Vetomächte USA, China, Russland, Frankreich und Großbritannien sowie Deutschland und der Iran hatten sich 2015 in Wien auf das Abkommen geeinigt, das dem Iran eine friedliche Nutzung der Kernkraft gestattet, aber die Entwicklung von Atomwaffen verwehrt. Es stellte die iranische Atomindustrie unter Kontrolle und sagte den Abbau westlicher Wirtschaftssanktionen zu. Trump ist seit Jahren gegen den Atomdeal - ihm dürfte der Snapback für seine Kampagne des maximalen Drucks auf das Regime in Teheran vor der US-Präsidentenwahl im November gut passen.

Anstoß für den sich nun zuspitzenden Streit war das im Rahmen des Abkommens im Oktober auslaufende Waffenembargo für den Iran, das die USA auf unbestimmte Zeit verlängern lassen wollten, aber mit ihrem Resolutionsentwurf deutlich scheiterten. Zwar wollen auch Deutschland, Frankreich und Großbritannien nicht, dass etwa China und Russland künftig legale Rüstungsverträge mit dem Iran abschließen können, doch die Europäer haben auch ein Interesse daran, das Atomabkommen am Leben zu halten - der Iran droht im Falle einer Verlängerung des Embargos mit dem Rückzug.

Die Europäer sagen, sie hätten seit Anfang des Jahres versucht, einen Kompromiss auszuhandeln. Aus Diplomatenkreisen verlautete, man habe versucht, die USA von einer „Konzentration auf besonders offensive Waffenarten, Möglichkeiten der Vereinbarung jenseits einer UNO-Resolution“ zu überzeugen. Doch die USA hätten sich genauso wenig wie Russland und China zu Zugeständnissen bereit gezeigt. Die Hoffnung bei vielen Diplomaten in New York ist dabei auch, dass im November möglicherweise ein neuer US-Präsident gewählt wird, der die Karten in der Krise neu mischt.

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