Märchen ausgeträumt

Abstieg & Liquidation! SV Mattersburg am Ende

Die Würfel sind gefallen, der Käse ist gegessen und die allerletzte Messe ist gelesen: Der SV Mattersburg ist am Ende und ab sofort Geschichte! Was im Jahr 2003 mit dem erstmaligen Aufstieg in die Bundesliga, die Beletage von Österreichs Fußball, wie ein Märchen begann, geht nun im August 2020 wie in einem Albtraum mit einem Konkurs zu Ende. Die Lizenz wird freiwillig zurückgegeben, der Verein liquidiert, der Spielbetrieb eingestellt …

Trotz intensiver Bemühungen sei es nicht möglich, den Spielbetrieb weiter fortzuführen, wurde am Mittwochabend nach einer Mitgliederversammlung bekannt. „Der SV Mattersburg ist seit 14. Juli zahlungsunfähig, seit das mit der Bank passiert ist. Es hat Gespräche mit Investoren und Gönnern gegeben. Aber aufgrund der großen Unsicherheit dieses Kriminalfalls … Man weiß nicht, was der Masseverwalter der Bank fordert. Wie will man die bedienen? Da springt jeder Investor ab“, sagte Vizepräsident Hans-Georg Deischler nach der Entscheidung.

Deischler versuchte mit den nach dem Rückzug von Pucher und weiteren Klub-Organen übrig gebliebenen Funktionären zwar noch, den Verein zu retten - doch das erwies sich als vergebliche Liebesmüh. Zu unsicher waren die Verstrickungen des Klubs in den Bankenskandal. „Um uns auch selbst zu schützen, haben wir den Konkursantrag gestellt“, sagte der Langzeitfunktionär. Der Antrag werde demnächst eingebracht, der Konkurs dann über einen Masseverwalter abgewickelt.

Der SV Mattersburg kam vor wenigen Wochen durch den Bilanzskandal um die Commerzialbank Mattersburg in wirtschaftliche Nöte, der Verein war von der Bank jahrelang großzügig unterstützt worden. Deren Gründer und SVM-Präsident Martin Pucher gestand laut Medienberichten vor der Staatsanwaltschaft bereits, Kredite erfunden und Bilanzen gefälscht zu haben - es gilt die Unschuldsvermutung. Pucher war langjähriger Klub-Chef des SV Mattersburg, den er 1988 übernommen und von der 2. Liga Mitte in die Bundesliga geführt hatte.

Der Bestand der Fußball-Akademie Burgenland, an der der SV Mattersburg bisher mit 35 Prozent beteiligt war, bleibt vom Schicksal des bald nicht mehr existierenden Vereins unbehelligt. Landeshauptmann Hans-Peter Doskozil hatte zuletzt mehrfach betont, dass die Akademie normal weitergeführt werden soll. Auf die Anteile des SV Mattersburg werde sich allerdings der Masseverwalter „draufhauen“, wie Deischler anmerkte. Immerhin ist angedacht, für den aktuell beim SV Mattersburg betreuten Nachwuchs einen Nachfolgeverein auf die Beine zu stellen. Die übrig gebliebenen Spieler, die seit zwei Monaten keine Gehälter bekommen haben dürften, können den Verein ablösefrei verlassen.

Durch den Rückzug des SV Mattersburg aus der Bundesliga wird die auf sportlichem Weg abgestiegene WSG Tirol der Liga weiter erhalten bleiben. Bei den Wattenern leben nun durch den späten „Klassenerhalt“ 14 Verträge wieder auf, die sonst eigentlich ausgelaufen wären. Für den Coach der Tiroler, Thomas Silberberger, kam das nun besiegelte Schicksal der Burgenländer nach den Ereignissen der vergangenen Wochen und Tage nicht mehr völlig überraschend - das „Geschenk“ des Verbleibs in der Bundesliga will man nun umso besser nutzen.

„Wir wollen es besser machen als in der vergangenen Saison!“, so Silberberger. Und WSG-Sportdirektor Stefan Köck ergänzte via ORF: „Es gehören zu dieser Bundesliga-Geschichte zwei Faktoren, der sportliche und der wirtschaftliche. Wir haben wirtschaftlich sehr ordentlich gearbeitet, Mattersburg anscheinend nicht. Deshalb nützen wir und freuen uns auf die zweite Chance.“ Sportlich gesehen hatten die Tiroler den Klassenerhalt gegen die Admira zwar auf den letzten Drücker, im Vergleich mit dem SV Mattersburg allerdings deutlich um fünf Zähler verpasst.

Da der SV Mattersburg durch die komplette Einstellung des Spielbetriebs nicht nur für die Bundesliga, sondern auch für die 2. Liga kein Thema mehr ist, würden Stand jetzt nur 15 Klubs in der kommenden Zweitliga-Saison mitmischen. Laut Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer wird angedacht, die Rapid Amateure aus der Regionalliga Ost zum „Auffüllen“ hochzuziehen. Das hätte freilich den Nebeneffekt, dass dort in der Spielzeit 2020/21 nur mehr 13 Teams aktiv wären - immerhin würden dort nun der ASK Ebreichsdorf (Rückzug wegen der Coronavirus-Krise), die Amateure des SV Mattersburg (logisch!) und die Rapid-Amateure wegfallen. Für Diskussionen wird wohl eine Zeitlang gesorgt sein …

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