18.07.2020 13:04 |

Erste Erfolge geglückt

Kuh am Klo: Forscher wollen stubenreine Rinder

Anders als viele Haustiere sind Rinder nicht stubenrein. Ihre Ausscheidungen hinterlassen sie da, wo sie gerade stehen. Das habe negative Folgen für die Umwelt und für die Tiere selbst, sagt Jan Langbein vom Leibniz-Institut für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf bei Rostock. Zusammen mit Wissenschaftern aus Auckland (Neuseeland) und Celle (Niedersachsen) hat Langbein untersucht, ob Rinder „stallrein“ werden können - wenn sie sich dort bewegen dürfen. Erste Erfolge gab es beim „Klo-Training“ mit Kälbern.

Die Ausscheidungen von Urin und Kot seien klimarelevant und könnten bei Körperkontakt zu Krankheiten von Klauen und Eutern führen. Zudem stellten die Ausscheidungen einen erheblichen Reinigungsaufwand dar. Eine Studie legt nahe, dass mithilfe von assoziativen Lernmethoden ein „erfolgreiches Latrinentraining“ möglich ist. Denn die Tiere verfügten über die Intelligenz und die neurophysiologischen Grundlagen, die ein solches Training ermöglichen.

„Wir halten es auch im Interesse der Milchviehhalter grundsätzlich für sinnvoll, die Forschung, wie Ammoniak im Stall reduziert werden kann, breit aufzustellen“, sagt der Sprecher des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter, Hans Foldenauer. Dazu müssten auch unterschiedliche Methoden untersucht werden, die nicht zunächst die Investition in teure Technik voraussetzen.

Erfolge beim Klo-Training mit Kälbern
Trainiert wurde der „sehr komplexe Urin-Ausscheidungsvorgang“ in Dummerstorf in eigens für die Kälber errichteten Latrinen. Es gab fünf Versuchsdurchgänge mit jeweils acht bis zehn Tieren im Alter von fünf Monaten bei Versuchsbeginn. Diese Latrinen waren mit einem durchlässigen grünen Belag versehen, der gleichzeitig als Spritzschutz fungierte, erläutert Langbein. Schieden die Tiere außerhalb der Latrine ihren Urin aus, wurden sie mit einer kurzen Dusche bestraft. Gingen sie dagegen in die Latrine, wurden sie für das von den Forschern gewünschte Verhalten belohnt, beispielsweise mit 40 Gramm gequetschter Gerste.

Das Ergebnis sei positiv gewesen. „Zuletzt haben nach neun bis zehn Trainingstagen elf von 16 Kälbern das Lernkriterium erreicht und 76 Prozent aller Urinationen fanden in der Latrine statt.“ Nun gehe es um die Praxistauglichkeit der Methode, erklärt Langbein. Sollte es gelingen, die Intelligenz der Tiere für eine Einrichtung von Kuh-Toiletten in der Praxis zu nutzen, würden alle profitieren: „Die Kühe, die Tierhalter und die Umwelt“, sagt Projektkoordinator Lars Schrader vom Institut für Tierschutz und Tierhaltung in Celle.

Ob eine Kuh-Toilette allerdings wirklich praktikabel umsetzbar ist, ist für die Milchviehhalter noch fraglich, sagt Foldenauer. So müsste geklärt werden, wie sich die Tiere bei einer kombinierten Stall- und Weidehaltung verhalten, was passiere mit zugekauften Tieren oder wie lange dauere ein derartiger Lernprozess. „Wie viel Personalaufwand ist dafür nötig?“, fragt Foldenauer aus der Sicht der Praktiker.

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