09.07.2020 06:00 |

Nachtgastro verärgert

Härteres Vorgehen gegen illegale Partys gefordert

In der heimischen Nachtgastronomie liegen die Nerven blank, Nachtclubs und Bars kämpfen ums Überleben. Jetzt scheinen auch die angekündigten Lockerungen ab 1. August wieder in weite Ferne zu rücken. Die steigenden Infektionszahlen dürften eine Verlängerung der Sperrstunde nur schwer möglich machen, wie auch der Sprecher der Nachtgastronomen, Stefan Ratzenberger, zugeben muss. Im krone.tv-Interview mit Gerhard Koller beschreibt er die Stimmung in der Branche und fordert ein härteres Vorgehen gegen illegale Partys wie jene am Wiener Donaukanal.

Am 15. Juli will Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) über das weitere Vorgehen bei der Wiedereröffnung der Nachtgastronomie entscheiden. Dass sich die ersten Lockerungen für 1. August aufgrund steigender Infektionszahlen wahrscheinlich nicht ausgehen werden, weiß auch Ratzenberger. Erzwingen will man das Aufsperren auf keinen Fall: „Keiner will ein weiteres Ausbreiten der Pandemie riskieren.“

Man hat auch einen Sicherheitsplan für die mögliche Öffnung: „Eine Anhebung der Öffnungszeiten ab 1. August auf 4 Uhr, einhergehend mit maximal 60 Prozent Auslastung oder einer Deckelung von 200 Personen“, erklärt Ratzenberger. Sollte dies gut laufen, wolle man nach weiteren zwei Wochen auf maximal 750 Personen erhöhen - „samt Corona-Beauftragten, die die Einhaltung der Maßnahmen kontrollieren. Sektoren sollen dafür sorgen, dass nie zu viele Personen zusammenstehen.“

„Illegaler Alkoholhandel floriert“
Zudem wolle man, basierend auf Freiwilligkeit, E-Mail-Adressen der Feiernden abfragen, sodass es im Falle einer Infektion eine Kontaktmöglichkeit gebe - und somit für mehr Sicherheit sorgen als es aktuell bei den zahlreichen illegalen Partys im Land der Fall sei. „Große Versammlungen von Nachtschwärmern, wie sie etwa am Wiener Donaukanal jedes Wochenende zu beobachten sind, hinterfragt man in der Branche. Zwar zähle man sich hier nicht zu „Vernaderern“, die ständig illegale Partys und Ansammlungen anzeigen würden, trotzdem verstehe man nicht, warum die Polizei hier nicht härter durchgreift. „Im Bermuda-Dreieck strömen um 1 Uhr nachts Tausende Menschen aus den Lokalen hinunter zum Donaukanal, dort und am Schwedenplatz floriert bereits der illegale Alkoholhandel.“ Sauer stößt Ratzenberger auch der organisierte Party-Tourismus nach Bratislava auf, wo die Sperrstunde momentan bei 4 Uhr liegt.

Kritik übt Ratzenberger auch an der Politik. So lehne man jegliches parteipolitisches Hickhack ab. Neben guten Gesprächen mit dem Gesundheitsministerium würden jedoch viel zu oft für die kommende Wien-Wahl Stimmung gemacht und die aktuelle Situation dafür missbraucht werden. Größere Demonstrationen lehnt man in der Branche aufgrund gesundheitlicher Aspekte ab. Bei weiteren Verschiebungen fordert man aber mehr finanzielle Hilfen vonseiten des Staates.

Viele stehen vor finanziellem Ruin
Speziell Lokale, die von der Zeit zwischen 1 und 4 Uhr früh abhängig sind und daher nach wie vor nicht aufgesperrt haben, müsse man vor dem finanziellen Ruin schützen. Überhaupt sei jedes vierte Nachtlokal in Österreich noch zugesperrt. Auch für jene, die bereits mit verkürzter Sperrstunde offen haben, zahlt es sich wirtschaftlich im Moment nur schwer aus.

Rund 100.000 Beschäftigte betroffen
2900 Nachtgastronomen gibt es übrigens laut Ratzenberger in Österreich. Rund 100.000 Beschäftigte hängen in diesem System, das alleine in Wien jährlich eine Milliarde Euro erwirtschafte.

Das ganze Interview mit Stefan Ratzenberger sehen Sie im Video oben.

Kronen Zeitung/krone.at

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