08.07.2020 11:29 |

VIEL FÜR WENIG

Sparen bei der Ersteinrichtung des Hauses

Wenn das Haus fertig ist, herrscht auf dem Konto oft Ebbe. Da braucht es Cleverness, wenn aus leeren Räumen ein behagliches Zuhause werden soll. 

27.609. Das ist der neue Höchstwert an Baubewilligungen, die 2019 in Österreich erteilt wurden. Ein Großteil davon klassische Einfamilienhäuser. Doch so viel derzeit gebaut wird, ist es auch eine damit verbundene Tatsache, dass Häuser im Schnitt immer teurer werden - Angebot und Nachfrage in der Praxis. Und weil es fast zur Natur des Bauens gehört, dass der Endpreis sehr oft höher ist als das, was kalkuliert wurde, sehen sich viele frisch gebackene Eigenheimbesitzer mit dem Problem konfrontiert, zwar ihre eigenen vier Wände zu besitzen, aber nur geringe Mittel zu haben, diese auch einzurichten. Dann ist Cleverness gefragt und etwas Mut zur Lücke.

1. Keinesfalls wild finanzieren
Die Küchenzeile aus dem Küchencenter, die Sofas aus dem Couchgeschäft, die Kinderbetten vom Familien-Einrichtungshaus und die der Eltern aus dem normalen Möbelmarkt, während Fernseher und Co. vom Elektrodiscounter stammen … es gibt für alles spezialisierte Märkte. Und so gut das für hochwertige Einrichtungen auch ist, es hat einen beträchtlichen Haken:

Mit klammer Kasse werden viele Hausbesitzer versucht sein, die natürlich in diesen Märkten angebotenen Finanzierungen wahrzunehmen. Es braucht aber nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, wie schnell dabei der Überblick verloren geht: Hier sind 1000 Euro abzubezahlen, dort 600, im dritten Geschäft 1799 usw. Es ist nicht so sehr das Problem, die Sachen zu finanzieren; daran führt vielfach kein Weg vorbei. Es ist die Masse unterschiedlicher Finanzierungen, die die Sache höchst riskant macht. Tatsache ist: Auch mit einer laufenden Hypothek ist es normalerweise problemlos möglich, zusätzliche Finanzierungen aufzunehmen - der Hauskredit ist ja durch Gebäude und Grundstück gedeckt. Bloß sollten Hausbesitzer dann den geraden Weg über ein Angebot aus einer einzigen Quelle gehen; das heißt, einen größeren Privatkredit beantragen, statt mehrere kleine bei den Geschäften abzuschließen.

So geht es richtig:

  1. Alle Preise für die gewünschten Möbel notieren und addieren.
  2. Gesamtsumme aufrunden und als Privatkredit mit dem Verwendungszweck Wohnen beantragen.
  3. Möbel in den einzelnen Geschäften in Bar bezahlen. Neben der Tatsache, dafür nur einen Kredit zurückzahlen zu müssen, bringt das auch den Vorteil, eine Laufzeit, ein fixes Enddatum und eine monatlich zu begleichende Rate zu bekommen.

2. Nicht alles erneuern
Zugegeben, wer ein neues Haus bezieht, möchte vielfach verständlicherweise, dass auch dessen Möblierung brandneu ist. Allerdings ist das sowohl aus finanzieller wie psychologischer Hinsicht der falsche Weg - finanziell deshalb, weil es natürlich teuer ist, alles vom Aktenregal bis zum Zeitungsständer neu zu kaufen. Und psychologisch?

Ganz einfach: Umzüge sind für unseren Geist eine Strapaze. Denn der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Viele fühlen sich, obwohl es ihr selbstgewähltes Traumhaus ist, nach einigen Tagen der Einzugseuphorie darin über Wochen und Monate gar nicht wohl - es fehlt einfach das Gewohnte, das Liebgewonnene aus dem alten Zuhause. Dabei handelt es sich um eine Facette einer vergleichsweise neuen Wissenschaft, der sogenannten Wohnpsychologie.

Das heißt, Couch, Bett und andere Einrichtungsgegenstände, zumindest für die Anfangszeit, ins neue Haus mitzunehmen, spart nicht nur viel Geld - es kann nachdrücklich dabei helfen, das neue Haus schneller als heimelig zu empfinden, darin anzukommen, sich einzugewöhnen.

Tipp 1: Im Zweifelsfall lässt sich mit einigen Sprühlackdosen alles an das Innendesign des neuen Hauses anpassen.

Tipp 2: Der Sperrmüll sollte für alles aus der alten Wohnung nur der allerletzte Ausweg sein. Clevere fangen schon zu Beginn der Hausbauphase damit an, großzügig die Sachen, die definitiv nicht mit umziehen, bei eBay und Co. zu verkaufen - das liefert auch manchen Euro für Neues.

3. Mut zur Lücke zeigen
Das durchschnittliche Einfamilienhaus in Österreich hat mittlerweile rund 135 Quadratmeter Wohnfläche. Ein seit Jahren steigender Wert, obwohl die Anzahl der Räume konträr dazu sinkt - Grund ist, dass seit einigen Jahren offene Wohnraumkonzepte immer beliebter werden. Hier gibt es dann beispielsweise keine Trennung mehr zwischen Küche und Wohnzimmer.

Allerdings sollten sich klamme Neubaubesitzer schon frühzeitig eine wichtige Frage stellen: Muss das denn alles überhaupt bereits zum Einzugstag fix und fertig eingerichtet sein?

  • Das Gästezimmer
  • Das Kinderzimmer für das bislang nur geplante nächste Kind
  • Der Kellerraum, der zum heimischen Fitnessstudio werden soll
  • Das Bürozimmer, in dem dereinst Home-Office möglich sein soll 

Vier typische Beispiele für Räume, die in vielen Neubauten dazugehören - aber bei Lichte betrachtet eigentlich warten können. Daraus ergibt sich auch eine wichtige Sparregel: Bei der Einrichtung sollten unverzichtbare Räume bevorzugt werden. Küche, Wohnzimmer, Schlafzimmer, Kinderzimmer von bereits existierenden, nicht bloß geplanten Kids.

Der Rest kann ohne einen Verlust an Lebensqualität zunächst vernachlässigt und erst später fertig möbliert werden - das hat auch den Vorteil, dass es Flexibilität liefert. Viele Hausbesitzer stellen nach dem Einzug fest, dass das Raumnutzungskonzept aus der theoretischen Planungsphase nicht ganz mit den Notwendigkeiten und neuen Gewohnheiten der praktischen Wirklichkeit übereinstimmt.

4. Gebraucht kaufen und umbauen
Wir leben in einer Gesellschaft, bei der auch die Einrichtung eine oft erstaunlich kurze Halbwertszeit hat, bevor sie ausgetauscht wird. Und dabei gilt längst nicht mehr, dass typische Möbelhaus-Stücke nach einigen Jahren kaum noch zu gebrauchen wären. Eher das Gegenteil ist der Fall: Es wird nach wie vor so rasch gewechselt, obwohl die Möbelqualität schon seit Jahren gestiegen ist.

Neubaubesitzer auf der Suche nach passenden Einrichtungsgegenständen sei deshalb als Grundsatz dringend ans Herz gelegt, für wirklich alles zunächst einen Blick in die Kleinanzeigenportale des Netzes zu werfen, bevor beim entsprechenden Händler Geld für Neuware auf das Rollband gelegt wird. Die Chancen stehen gut, dass es bestens erhaltene Stücke gibt, denen man den Gebrauchtstatus nicht ansieht.

Letzten Endes handelt es sich dabei nur um eine psychologische Hürde: Viele wollen für ihr neues Haus nur deshalb keine gebrauchten Möbel, weil diese nicht neu sind. Eigentlich also ein Wunsch, der keine wirklich rationale Grundlage hat - zumal vieles von den gebrauchten Stücken aus dem berühmten „rauch- und tierfreien Haushalt“ kommt und wie frisch aus dem Karton geholt wirkt.

Tipp: Wer richtig clever ist, googelt den Begriff „Ikea Hacks“ und schaut sich an, wie wahnsinnig kreativ viele Menschen darin sind, die Stücke des blaugelben Möbelgiganten umzubauen und anders zu verwenden. Definitiv keine Verlegenheitslösung, denn auf diese Weise lässt sich selbst buchstabengetreue Massenware im höchsten Maß individualisieren.

Fazit: Ein neues Haus braucht nicht zwingend eine brandneue und teure Einrichtung
So schön es sein mag, sein brandneues Eigenheim vollkommen neu einzurichten, so wenig sollten sich Besitzer darauf versteifen, dass das alles nur auf einem Weg möglich wäre. Insbesondere wenn die Kasse durch den Bau geschröpft wurde, sollte mangelndes Geld durch Kreativität ersetzt werden. Das führt nicht nur zu günstigeren Lösungen, sondern oftmals besseren - denn brandneu im Laden kaufen kann ja jeder.

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