09.07.2020 06:00 |

„Krone“-Interview

The Hu: Von der Mongolei auf die Bühnen der Welt

The Hu stammen aus der Mongolei, vermischen fernöstliche Traditionen mit westlichem Metal und erobern damit gerade die Welt. Dass es der Band aber vor allem um Einigkeit, Grenzenlosigkeit und vor allem Brüderlichkeit geht, das haben uns die beiden Kreativköpfe Gala und Jaya im Interview verraten. Ein Live-Wiedersehen in Österreich sollte es am Nova Rock 2021 geben.

Ulan Bator, Hauptstadt der Mongolei und weltbekannte Musikmetropole. Zumindest seit 2019, denn im letzten Jahr gelang dem Quintett The Hu quasi aus dem Nichts der große Durchbruch. Die Mischung aus traditionellen mongolischen Klängen, dem landesüblichen Kehlkopfgesang und harten Metalriffs bescherte der Band globale Aufmerksamkeit, die weit über den üblichen Exotenbonus hinausging. Selbst Sir Elton John bekam Wind von den Umtrieben der Asiaten und deklarierte sich schnell als Fan der Musik. Angeführt von den beiden Bandchefs und Sängern TS Galbadrakh (Gala) und G Nyamjantsan (Jaya) eroberten The Hu mit dem Debütalbum „The Gereg“ weltweit die Charts, ließen die YouTube-Streams in die Höhe schnallen und begeisterten beim „Rock am Ring“ 2019 Tausende Metalfans.

Mit diesem Erfolg und einer steigenden Medienpräsenz im Rücken, wurden auch immer mehr internationale Top-Stars auf The Hu aufmerksam. Da man die Kuh so gut wie möglich melken muss, hat das Label schnell geschalten und im Jahr der Konzertlosigkeit zur Überbrückung eine Deluxe-Version von „The Gereg“ veröffentlicht. Darauf sind zum üblichen Album drei brandneue Akustikversionen und drei neue Kooperationen zu hören. Papa Roach-Frontmann Jacoby Shaddix legt seine Nu-Metal-Stimme über „Wolf Totem“, From Ashes To New verewigten sich auf „Yuve Yuve Yu“ und Halestorms weibliche Röhrenstimme von Lzzy Hale ist auf einer verkürzten Version von „Song Of Women“ zu hören. Schöne Überbrückung bis zum Album-Nachfolger und weiteren Livekonzerten. Auch für uns gab es genug Gründe, um sich mit Gala und Jaya zum Gespräch zu veabreden.

„Krone“: Gala, Jaya - mit The Hu vermischt ihr östliche Traditionen mit westlicher Musik und erobert damit gerade die ganze Welt. Wie wichtig ist es euch, abseits der Musik auch etwas über die Geschichte eurer Heimat Mongolei zu erzählen?
Gala:
Das ist für uns sogar sehr wichtig, weil wir Kultur und Geschichte des Landes gerne mit anderen teilen wollen. Unsere Vorfahren haben so viel Großes erreicht. Etwa als Dschingis Khan damals der Welt den allerersten diplomatischen Pass vorgestellt hat. Jemand, der diesen Pass sein Eigen nannte, konnte im gesamten Imperium reisen, ohne dass ihm Leid zugefügt wurde. Wir hatten auch den ersten religiösen Frieden im Imperium im 13. Jahrhundert. Die Mongolei war immer sehr progressiv und das ist auch heute noch so. Die Mongolen sind immer noch bekannt als Kriegstreiber und brutale Menschen. Wir wollen den Leuten die andere Seite der Medaille näherbringen.

Euer Debütalbum „The Gereg“ befasst sich grob mit diesem Thema. Wie fühlt es sich an, wenn ihr durch die EU reist und merkt, wie einfach und spielend man Grenzen überspringen kann, ohne aufgehalten zu werden und langwierige Einreiseverfahren durchleiden zu müssen?
Jaya:
Wir haben das Album „The Gereg“ benannt, weil der Pass auch so hieß. Das Ziel ist es, als The Hu mit diesem Album in jedes Land der Welt ohne Grenzen reisen zu können. Es ist schön zu sehen, dass so viele Länder in Frieden und Harmonie leben, ihre Kulturen teilen und einfach glücklich sein können. Wir wissen, wie gut es den Menschen grundsätzlich in der EU geht. Es ist großartig, so etwas zu sehen.

Ihr habt mittlerweile schon Touringerfahrungen in Europa, als auch den USA gesammelt. Gibt es Dinge, die euch nachhaltig beeindruckt haben und konntet ihr auch Teile eurer Kultur auf euren Reisen verbreiten?
Gala:
Für uns ist war es das erste Mal, dass wir dermaßen weit reisten und daher nahmen wir viele Dinge auch erstmals bewusst auf. Wenn wir in Europa oder den USA sind, haben auch die Fans etwas gemeinsam. Im Sinne dessen, wie sie sich intensiv mit unserer Musik befassen, sie hören und aufnehmen. Das ist einfach wundervoll. Die Leute können die Musik hören, sie verstehen und darauf reagieren, auch wenn sie unsere Sprache nicht verstehen. Das ist etwas ganz Großartiges.

1992 war das Ende der kommunistischen Ära in der Mongolei und obwohl ihr damals noch Kinder wart, war es davor so gut wie unmöglich, an westliche Musik zu kommen. Wie seid ihr von dem Ausgangspunkt aus überhaupt auf die Idee gekommen, eine Band wie The Hu zu formen?
Jaya:
Sogar vor der Demokratie gab es schon Rockbands, aber sie konnten ihre Ideen und Visionen natürlich nicht so ausleben, wie es heute der Fall ist. Als sich das Land für die Demokratie entschied, gab es unzählige Metal- und Hard-Rock-Bands, immerhin ist das nun gut 30 Jahre her. Es gibt immer noch großartige Bands wie etwa Hurd oder viele Folk-Rock-Bands, die uns den Weg bereitet haben.

Könntet ihr euch vorstellen, ein paar dieser für euch so wegweisenden Bands mit auf Tour zu nehmen, um sie dem westlichen Publikum näherzubringen?
Gala:
Derzeit legen wir den Fokus auf uns selbst und müssen hart dafür arbeiten. Sollten wir größer und bekannter werden, können wir gerne wieder darüber reden. Ich glaube schon, dass diese Idee Erfolg haben könnte.

Euer Erfolgsgeheimnis besteht auch daraus, dass ihr ungewohnte fernöstliche Instrumente wie die mongolische Gitarre oder eine Pferdekopfflöte mit den westlichen Rocksounds vermischt. Werdet ihr in diese Richtung auch weiterexperimentieren?
Jaya:
Wir nennen unseren Stil „Hunnu Rock“, was mehrere Dinge bedeutet. Westen trifft Osten, alt trifft neu, traditionell trifft modern. Wir haben sehr hart daran gearbeitet, um diesen einzigartigen Sound und den Kehlkopfgesang zu perfektionieren und werden auf jeden Fall weiter diesen Weg beschreiten und den Stil perfektionieren. Wir sind die erste Band, die diesen Sound spielt, aber wir wissen, wir werden nicht die letzten sein.

Gab es einen bestimmten Moment rund um die offizielle Bandgründung 2016, wo ihr gemerkt habt, dass ihr nun die perfekte Ausrichtung gefunden habt? Dass ihr quasi angekommen seid?
Gala:
Mit unserem Produzenten Dashka haben wir sogar schon vor neun Jahren damit begonnen, an diesem Projekt zu basteln. Wir haben viel recherchiert, an den Instrumenten geprobt, Geschichte gelernt und alles verfeinert. Vor vier Jahren kamen wir zusammen und nahmen die ersten Songs mit Dashka auf. Wir haben dann langsam und gemeinsam unseren ganz eigenen Sound gefunden. Das war der Moment, wo wir wussten, von dort weg müssen wir weitermachen.

Kommenden Sommer werdet ihr fast alle großen Festivalbühnen Europas, inklusive dem Nova Rock, bespielen. Worauf freut ihr euch am meisten und gibt es auch etwas, das euch Unsicherheit oder Nervosität bereitet?
Jaya:
Erste Erfahrungen haben wir schon 2019 beim Rock am Ring oder beim Download Festival gesammelt. Es war einfach großartig und wir waren überall die Opening-Band, die um Mittag herum spielte. Wir konnten nicht glauben, dass bereits tausende Menschen auf uns warteten und nach uns riefen. Wir haben so viel Liebe und Unterstützung von unseren Fans bekommen, die gemosht und richtig gefeiert haben. Als wir den letzten Song spielten, stürmten noch immer Leute in unsere Richtung - was für eine große Ehre. Wir können es nicht erwarten, diesen Erfolg zu wiederholen.

Ein Ritterschlag war sicher auch, dass Elton John ein Fan von euch ist und meinte, ihr wärt eine der ganz wenigen Bands, die wirklich etwas Neues ins Musikbusiness bringen. Habt ihr schon weitere prominente Unterstützer?
Gala:
Es war eine Riesenehre für uns, mit ihm über Facetime zu reden und herauszufinden, wie sehr er unsere Musik liebt. Ein gutes Beispiel ist auch Randy Blythe von Lamb Of God. Als wir in den USA ein Konzert spielten, kam er zu unserem Bus und sagte uns, welch Riesenfan er sei. Er blieb mit seiner Frau das ganze Konzert und das war einfach ein Wahnsinn. All diese großen Stars, die wir selber jahrelang hörten, hören jetzt uns. Das ist unbezahlbar.

Aber jemand wie Elton John ist ja eine noch größere Sensation. Der hat an sich ja wenig mit Rock und schon gar nichts mit Metal am Hut.
Jaya:
„Hunnu Rock“ inkludiert so viele Genres, man kann es nicht nur auf Rock und Metal eingrenzen. Bei unseren Konzerten siehst du genauso kleine Kinder wie ältere Menschen, die in ihren 70ern sind. Es gibt alle Rassen und Geschlechter, einfach absolut keine Grenzen. Die Diversität ist großartig und das macht uns glücklich. Wir haben den Namen The Hu gewählt, weil er Menschlichkeit bedeutet und vermittelt. Es ist egal wer du bist oder woher du kommst - am Ende des Tages sind wir alle Menschen und vom gleichen Schlag. Jeder ist bei uns willkommen.

Wie wichtig wird für euch in Zukunft die englische Sprache, wenn ihr noch bekannter und erfolgreicher werden wollt?
Gala:
Es hat einen Grund, dass wir in unserer Heimatsprache singen - den Kehlkopfgesang. Es ist einfach die perfekte Sprache dafür und in Englisch wäre das kaum möglich. Zudem ist Musik die einzig wirkliche Weltsprache, mit der sich jeder verständigen und die jeder verstehen kann. Ein bisschen mysteriös zu sein ist auch sehr wichtig. Man muss nicht alles wortwörtlich verstehen. Wir sind intelligente Menschen und können uns die Geschichten selbst zusammenbauen. Deshalb werden wir auch weiterhin auf Mongolisch singen.

Was sollen die Leute fühlen, wenn sie bei euch bei einem Konzert auf der Bühne sehen?
Jaya:
Als Mongolen glauben wir daran, dass unsere Musik positive Energie überall dorthin bringt, wo wir spielen. Wir wollen diese Energie über die ganze Welt verstreuen. Wir wollen Leute inspirieren und unsere Botschaften anbringen: schätzt und liebt euch, respektiert euch und die Natur, respektiert die Alten und eure Vorfahren, respektiert Frauen, seid immer mutig und steht gegen Ungerechtigkeiten auf der Welt zusammen. Mit unserer Musik wollen wir in jedem von euch den inneren Krieger wecken.

Live am Nova Rock
Nachdem es Corona-bedingt heuer nichts mit der Nova-Rock-Premiere von The Hu wurde, stehen sie auch für 2021 am Bandtableau. Alle weiteren Infos und Tickets gibt es unter www.novarock.at

Robert Fröwein
Robert Fröwein
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