21.06.2020 06:00 |

Noch zeitgemäß?

Rassismus-Debatte um Mohr im Hemd in Österreich

Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen - das geflügelte Wort frei nach Schiller aus dem 18. Jahrhundert scheint aktueller denn je. In Zeiten der Black-Lives-Matter-Bewegung wirken Logos mit klischeehafter Darstellung dunkelhäutiger Menschen nicht mehr angebracht. Die „Krone“ fragte bei heimischen Unternehmen angesichts von Rassismusvorwürfen nach - und erhielt höchst unterschiedliche Antworten.

US-Gigant Mars will die Reismarke Uncle Ben’s ändern, weil der Begriff Onkel von weißen Südstaatlern früher als abwertende Anrede für Afroamerikaner verwendet wurde.

Schokokuchen-Hersteller prüft Namensänderung
Auch in Österreich wird nach den Ausschreitungen in den USA über Firmenlogos und Produktnamen debattiert. Ist der Mohr im Hemd aus dem Tiefkühlregal einer großen heimischen Lebensmittelkette noch zeitgemäß oder wird die politische Korrektheit überstrapaziert? Da scheiden sich die Geister. Stellungnahme zum Schokokuchen: „Es handelt sich dabei um eine traditionelle Süßspeise. Bei uns arbeiten Mitarbeiter aus 90 Nationen, jegliche rassistische Assoziation liegt uns fern. Daher prüfen wir auch eine Namensänderung.“

Immer wieder in der Kritik steht das süffige Mohrenbräu aus dem Ländle. „Wir haben wahrgenommen, dass die Diskussion über unser Logo zunimmt“, so Marketingchef Marte aus Dornbirn. Den Firmenauftritt mit dem „kraushaarigen Kopf“ wolle man nicht ändern. Weil der Name auf Josef Mohr zurückgeht, der 1784 eine Brauerei eröffnete.

Julius Meinl änderte Logo bereits 2004
Vorbildlich reagierte man bei Julius Meinl. Der Mohr, der längst keiner mehr ist, wurde bereits 2004 in „Frühpension“ geschickt. „Unserem Unternehmen ist vor 16 Jahren bewusst geworden, dass unser altes Logo eine stereotype Darstellung reproduziert, die wir zutiefst ablehnen. Das Gesicht trägt nun die Züge eines Barockengerls. Der am Kopf abgebildete Fez stellt den Bezug zum Osmanischen Reich her, das zur Zeit der Türkenbelagerung den Kaffee nach Wien brachte.“

Gregor Brandl, Emanuel Walser und Mark Perry, Kronen Zeitung

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