09.06.2020 17:35 |

100 Jobs betroffen

Drei „Oldtimer“-Autobahnraststätten schließen

Die Oldtimer Restaurant Betriebsgesellschaft schließt aus wirtschaftlichen Gründen ihre Autobahnrestaurants und Motorhotels an der A2 in Pack (Kärnten), Zöbern und Guntramsdorf (beide NÖ). 100 Mitarbeiter werden im AMS-Frühwarnsystem zur Kündigung angemeldet, teilte die Firma am Dienstag mit. Die Mitarbeiter waren seit Beginn der Corona-Krise auf Kurzarbeit, die drei Standorte vorläufig gesperrt.

„Oldtimer“-Eigentümer Anton Kothmiller kritisierte die Vorgehensweise der staatlichen Autobahngesellschaft Asfinag, die auf einer Wiederöffnung der Raststätten per 15. Juni besteht. Die Asfinag sei trotz Corona-Pandemie bisher nicht zu einer Aussetzung der Betriebspflicht bereit gewesen, sagte Kothmiller zur APA.

„Könnten ab Mai 2021 vernünftig durchstarten“
„Der Reiseverkehr für heuer ist gelaufen. Wir könnten vernünftig durchstarten ab Mai 2021.“ Auch die Mineralölfirmen an den Raststätten hätten sich nicht kooperativ gezeigt. „Derzeit sieht es nicht so aus, dass irgendwer nachgeben will“, so das Fazit des Autobahnraststättenbetreibers.

Erste „Oldtimer-Raststätte 1995
Kothmiller startete 1995 seine ersten „Oldtimer“-Raststätte in Pack. Zuvor arbeitete er fast 20 Jahre für den Autobahnraststättenbetreiber Rosenberger. Das „Oldtimer“-Restaurant und die Großtankstelle sowie die Burgerking-Filiale (Franchise) in Oed (NÖ) werden weiterbetreiben. Der dortige Standort liegt neben der Autobahn. Die Einrichtung der „Oldtimer“-Restaurants ist Wirtshäusern nachempfunden.

„Leider haben sich die Umstände, unter denen wir den Betrieb kostendeckend zu führen haben, in den letzten 10-15 Jahren dramatisch gewandelt“, so Kothmiller. „Nach vielen Monaten des täglichen Überlebenskampfs befürchten wir nun, dass der unfreiwillige, totale Stillstand durch die behördliche Schließung in der Corona-Krise den finalen Dolchstoß darstellt.“

Kritik an überhöhten Spritpreisen an Autobahn-Tankstellen
Kritik übte der Raststättenbetreiber auch an den Tankstellen auf der Autobahn, deren Benzin- und Dieselpreise deutlich über den üblichen Marktpreisen liegen. „Wegen der überhöhten Preise haben sich die Treibstoffumsätze der Autobahntankstellen um mehr als 80 Prozent verringert. Darunter leidet das Folgegeschäft im Rasthaus gleichermaßen“, so Kothmiller. Autofahrer seien quasi „erzogen worden, vor einer Autoreise im Supermarkt einzukaufen und die Autobahnraststätten zu meiden“.

Der Umsatz der „Oldtimer“-Raststätten hat sich laut dem Firmenchef über die Jahre halbiert, der Beschäftigtenstand sank von 200 im Jahr 2003 auf aktuell 100. Außerdem habe die Asfinag in den vergangenen Jahren über 75 ausgebaute Schwerpunktparkplätze an A1 und A2 geschaffen, u.a. mit gratis WLAN, Grillstellen, Spielplätzen, manche mit Snack- und Kaffee-Automaten, andere mit umfangreichen Kiosk-Imbissen.

Schon vor der Corona-Krise lief es wirtschaftlich nicht rund
Durch die Coronakrise erwartet Kothmiller einen jahrelangen Einbruch des internationalen Reisegeschäfts und damit fehlende Einnahmen für seine Autobahnrestaurants und Motohotels. Seminare, Busreisen mit Pensionisten und Firmenevents würden in der bekannten Form wohl länger nicht stattfinden. Auch vor der Corona-Krise lief es für andere Autobahnraststättenbetreiber wirtschaftlich nicht rund. Ende 2018 musste Rosenberger mit 14 Standorten Insolvenz anmelden und wurde dann vom österreichischen Burger-King-Franchisenehmer TQSR übernommen.

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