27.04.2020 05:55 |

Coronavirus-Krise

So kämpft Wien gegen hungrigen Pleitegeier

Um fast 40 Prozent mehr Personen ohne Job alleine im März. Corona kostet uns nicht nur Gesundheit, Freiheit und Kontakte, sondern viele auch den Arbeitsplatz. Wiener schildern, wie sie um ihre Geschäftsgrundlage zittern und sich gegen den Konkurs wehren.

Michaela Illetschko ist Yoga- und Tanzlehrerin. Vor drei Jahren gründete sie den Verein D.A.Y. Das steht für Dance, Acting und Yoga. Doch mittlerweile ist tiefste Nacht über sie hereingebrochen. „Wir sind ein gemeinnütziger Verein, der nicht gewinnorientiert arbeitet, und deshalb sind wir auch nicht im Härtefallfonds inbegriffen“, erklärt sie. Alle Aufträge sind weggefallen. Die 32-Jährige: „Mir entgeht so viel Geld, auch die staatlichen Förderungen hätten 12.000 Euro ausgemacht. Es ist jeden Tag aufs Neue ein Kampf.“ Sie sagt ganz klar: „Ich habe Existenzängste!“

Fixkosten laufen weiter
Andere Branche, gleiche Probleme: Barbara Braunsteiner ist Geschäftsführerin vom Oberlaaer Dorf-Wirt. Einige ihrer Mitarbeiter haben den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit leider schon verloren. Gleich zu Beginn der Sperren hat sie sieben Mitarbeiter entlassen müssen, die anderen 16 sind in Kurzarbeit. Die Fixkosten für Wasser, Gas und Strom laufen natürlich weiter, vom Härtefallfonds gab es keinen Cent, sagt sie. Der Blick nach vorne ist trostlos: Selbst wenn sie wieder aufsperren können, dürfen weit weniger Kunden hinein als früher. Vielleicht muss das Traditionsgasthaus sogar ganz zusperren.

Ohne aufzugeben, kämpfen beide gegen den Pleitegeier an, der derzeit hungrig über viel zu vielen Wiener Firmen kreist. Michaela Illetschko bietet Online-Kurse an, Barbara Braunsteiner Speisen zum Abholen.

Aber viele Wiener haben nichts mehr zu kämpfen. Die aktuellen Zahlen sind dramatisch: Mit Stand 31. März gab es um 38,9 Prozent mehr Arbeitslose (insgesamt 165.047 Betroffene) als im Vorjahr, mit den Personen in Schulungen ist die Zahl der Menschen auf Jobsuche um 30,7 Prozent gewachsen. 38,9 Prozent klingt schon schlimm genug, aber in Zahlen sind das 46.253 Arbeitslose mehr. Die neuen Statistiken, also der nächste Schock, werden am 4. Mai veröffentlicht.

Kurzarbeit: Von zwei auf 350 Experten aufgestockt
„Wir haben in Wien rund 350 Mitarbeiter für die Bearbeitung von Kurzarbeitsanträgen geschult. Vorher hatten wir zwei Kollegen, die darauf spezialisiert waren“, erklärt Sebastian Paulick vom AMS Wien. Eine Botschaft ist dem Arbeitsmarktservice wichtig: „Es besteht kein Grund zur Sorge, wenn die Auftragslage nun doch besser ist und die Mitarbeiter mehr arbeiten als beim Kurzarbeitsantrag noch befürchtet. Solange am Ende richtig abgerechnet wird, kann man jetzt nicht viel falsch machen. Man ist nicht verpflichtet, den zugesagten Beihilfe-Betrag auszuschöpfen“, so Paulick.

M. Pommer und K. Mötzl, Kronen Zeitung

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