22.04.2020 07:41 |

Bei Männern umgekehrt

Höherqualifizierte Frauen verlieren eher Job

Im Zuge der Coronavirus-Krise haben zwar bisher mehr Männer als Frauen den Job verloren, frauendominierte Dienstleistungsbranchen traf es aber besonders hart. Auffallend: Laut einer aktuellen Wifo-Studie sind bei Frauen eher Höherqualifizierte von Jobverlust betroffen, bei Männern eher Geringqualifizierte.

Während die Krise 2008/09 vor allem den stark männerdominierten Produktionssektor betraf, gibt es aktuell am Arbeitsmarkt in fast allen Wirtschaftsbereichen negative Auswirkungen. „Die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus trafen insbesondere die frauendominierten Dienstleistungsbranchen hart“ schreiben die Wifo-Ökonominnen Julia Bock-Schappelwein, Christine Mayrhuber und Ulrike Famira-Mühlberger in dem am Mittwoch veröffentlichten Wifo-Research-Brief „COVID-19: Ökonomische Effekte auf Frauen“.

Auffallend ist laut Wifo, dass der Beschäftigungsrückgang bei Frauen auf wenige Branchen konzentriert ist, vor allem auf Beherbergung und Gaststätten sowie den Tourismus und die persönlichen Dienstleistungen. Bei Männern verteilt sich der Jobrückgang hingegen auf deutlich mehr Branchen.

Während sich der Anstieg der Arbeitslosigkeit bei Männern etwas stärker auf Geringqualifizierte konzentriert, sind bei Frauen eher Höherqualifizierte ab Matura betroffen. In Summe stieg die Arbeitslosenquote der Männer um 5,3 Prozentpunkte auf 13,0 Prozent, jene der Frauen um 4,4 Prozentpunkte auf 11,5 Prozent.

Noch nicht wirklich quantifizierbar seien die Veränderungen im Zusammenleben durch die Corona-Krise. „Die abrupte Schließung der Betreuungs- und Bildungsinstitutionen ab Mitte März bedeutet für Frauen tendenziell eine Mehrarbeit durch Kinderbetreuung und Heimunterricht“, wobei diese Aufgaben schon zuvor ungleich zwischen den Geschlechtern verteilt waren, so das Wifo. Es werde sich erst zeigen, welche Folgen das Home-Office auf die Verteilung der Sorgearbeit haben wird. Möglich sei, dass Männer die in Zeiten des Home-Office übernommenen Pflichten auf Dauer weiterführen - aber auch, dass „der hohe Teilzeitanteil der Frauen eine Zementierung der Geschlechternormen nach sich zieht“.

Die Wifo-Forscherinnen sehen aktuell die rasche Öffnung von Kinderbetreuung und Schulen und mittelfristig den Ausbau der Betreuungsinfrastruktur als zentrale Voraussetzung für „eine Weiterentwicklung der Gleichstellung von Frauen am Arbeitsmarkt“, aber auch für die Chancengleichheit der Kinder. Öffentlich finanzierte Betreuungs- bzw. Bildungseinrichtungen verbessern für Haushalte im unteren Einkommensdrittel die Wohlfahrt um rund ein Viertel (26,6 Prozent), wie eine bald erscheinende Studie zeige.

Arbeitslosigkeit wirkt sich für Frauen stärker aus
Langfristig gesehen droht laut Wifo-Studie, dass die Einkommenslücken selbstständig erwerbstätiger Frauen, nicht nur gegenüber den Männern, sondern auch gegenüber den unselbstständig beschäftigten Frauen, sich angesichts der aktuellen Entwicklung noch verstärken. Arbeitslosigkeit wirke sich für Frauen stärker als für Männer langfristig negativ auf das Einkommen aus, weil Frauen im Schnitt weniger Erwerbsjahre haben: Jedes fehlende Erwerbsjahr reduziert das Lebenseinkommen der Frauen daher stärker, als dies bei Männern der Fall ist, heißt es in der Studie.

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